Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1841)
- Article
- Lemberg: eine Confirmation von Hirsch Chajas
- Date
- 1841-01-09
- Page
- Seite 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2360092-2360147-2360150-2364560--1331-2364591- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
13 Lesern bekannt, keine unbedeutende Stellung in der Literatur einnimmt; dieser Nabbine war selbst der Consirmator und der Consirmand war sein mit trefflichen Gaben auszestatteter ältester Sohn, der eben sein dreizehntes Jahr angetreten. Dieser Consirmand wurde von seinem Vater öffentlich in dm Elementen der Glaubens¬ und Morallehre geprüft, und zwar nach einem Unterrichte, den der gelehrte Vater, ganz nach deutscher Weise, selbst geleitet, nach den besten Confrrmationsregeln, welche deutsche Schulmänner in Schriften besprochen. An demselben Sabbat hielt der Consirmand in der Synagoge vor einem überaus zahlreichen Publikum eine schöne, selbst ausgearbeitete Derascha in reiner, gutgewählter Sprache, welche das Publikum in Erstaunen setzte. Nach Beendigung dieser Feier gab der Rabbiner ein großes Mahl, woran die Vorzüglichsten der Gemeinde Theil nahmen, und wobei die würdigen Vorsteher David Barasch, M L i r Wachtel, und MichelGoldenberg (Bruder des Herausgebers des Kecem Chemed) den Confirmanden reichlich beschenkten. Nachmittags hielt der Rabbiner Hirsch Chajas selbst eine Derascha, worin er mit kräftigen eindringlichen Worten die Gemeinde ermahnte, auf Erziehung der Jugend und auf Begünstigung und Förderung des wissenschaftlichen Lebens ein Augenmerk zu richten. —k. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Die Gesellschaft der Freunde in Berlin. Unter allen jüdischen. Gemeinden unseres deutschen Vaterlandes ist keine so reich an trefflichen und gut organisirten Institutionen und Gesellschaften als die in Berlin, wo bei unfern Glaubensgenoffen die moderne europäische Bildung durchs Moses Mendelssohn zuerst feste Wurzel schlug, und sich von da aus erst über ganz Deutschland verbreitete. Unter diesen Einrichtungen und Gesellschaften nimmt die Gesellschaft der Freunde, durch ihrAlter und ihre Organisation, gewiß eine der ersten Stellen ein, und gern theile ich hier in Bezug auf dieselbe die Rede des sprachgewandten Hrn. Joseph Lehmann mit, die er bei Gelegenheit der Festlichkeit zur Feier der Huldigung Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm IV., veranstaltet von der Gesellschaft der Freunde in Berlin am 24. Octbr. 1840 gehalten. Diese Rede lautet: Hochgeehrte Herren und Freunde! Unsere Gesellschaft feiert immer nur den Jahrestag ihrer Stiftung als ein gemeinsames Fest. Alljährlich, wenn der Zeitraum wieder abgelaufen ist, der den Kreis ihrer zwar umfangreichen aber geräuschlosen Wirksamkeit umfaßt, versammelt sie sich hier in diesen Räumen, um von den Männern, denen sie ihre Verwaltung anvertraut hat, einen Bericht über dieselbe zu vernehmen und dann wieder sich zurückzuziehen, um als unsichtbare Loge, wie der Geist die Materie, den sichtbaren Theil ihrer andauernden Lhatigkeit zu beherrschen. Diesen Versammlungen, als Jahres- Abschlüssen, hat die Gesellschaft auch die heutige außerordentliche Versammlung, mit welcher ebenfalls eine große Epoche für sie abschließt und eine neue beginnt, anreihen zu dürfen geglaubt, und da sie heute keine Rechenschaft über ihr Wirken sich zu geben hat, sondern vielmehr nur ihre Theilnahme an dem wichtigen Ereignisse des Lages, der Huldigung Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm VI., durch ein anregendes Wort um so lebhafter sich bewußt werden möchte, so hat sie sich die Freude gemacht, ausnahmsweise auch einige hochgeehrte Gaste zu dieser Feier einzuladen. Die Epochen, die der Regierungs-Antritt unseres Königs abschließt und beginnt, sind allerdings auch für die Gesellschaft von großer Bedeutung. Ihre Geschichte zeigt, daß sie mit der des Staates in einem innigern Zusammenhänge sich befindet, als es vielleicht für Manche den Anschein hat. Ja, ich darf wohl sagen, daß unsre Jahresversammlungen und Feste zugleich Erinnerungs-Momente des Landes und der Zeit bilden, denen die Gesellschaft angehört, und daß die Vorträge, die unsere Vorsteher und Secretaire bei jenen Gelegenheiten gehalten, zusammengestellt die Geschichte des letzten halben Jahrhunderts in seinen socialen und humanen Zuständen auf lehrreiche Weise könnten ergänzen helfen. Gestiftet in einer Zeit europäischer Anregungen und Hoffnungen, in einer Zeit, wo noch die edelsten Geister der deutschen Natron, K l o p st o ck und Schiller, für die noch nicht blutbefleckte sociale Umwälzung des benachbarten Frankreichs glühten, ist auch in den ersten Äußerungen un/rer Gesellschaft die Spur jener'Ideen zu erkennen, die damals die Welt in Bewegung setzten. Es war im Januar des Jahres 1792, als unter dem Mel: „Plan zur Errichtung einer wohltätigen Gesellschaft, unter dem Namen Gesellschaft der Freunde" eine 52 Seiten in 8. (gedruckt bei Dieterici) erschien. In dieser Schrift finden sich bereits sämmtliche Grundlagen unserer Gesellschaft, wie sie noch heute besteht, doch hat allerdings der darin entwickelte Plan in seiner schlichten, ausführlichen und naiven Fassung mit unseren jetzigen, im Tone des Landrechts lakonisch zusammengetragenen Statuten nur eben noch die