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Der Orient · 1841-01-09 · Heft 2 (9.1.1841) · p. Seite 12

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 2 (9.1.1841)
Article
Pesth: Berichtigung von dem Rabbiner ...
Date
1841-01-09
Page
Seite 12 (sequence 2)
Language
German
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12 Wissens und Könnens, alles erdenkliche Unheil und Unglück ^befürchten, eine Befürchtung, dessen Ungmnd darzuthun hier der Ort nicht ist. Zudem dürfte hier auch im schlimmsten Falle die Zukunft zu keinem Verdammungsurtheil berechtigen. In unfern künstlichen und komplizirten Verhältnissen wirkt so Vieles und Verschiedenartiges zusammen zur Bildung der Charaktere und Zustände, daß es sich bei irgend einer unerfreulichen Gestaltung empirisch gar nicht ausmitteln läßt, ob und was dieses oder jenes einzelne Element hierzu beigetragen, und ob ohne dessen neutralisi'rende Wirkung sich nicht noch Schlimmeres gebildet hätte. Immer muß man sich daher wegen Lösung solcher Fragen an die Vernunft wenden, die allein über Grund und Folge der Erscheinungen Auskunft zu geben vermag; und diese ist es, die in Bezug auf unsre Frage den Ausspruch thut, daß es kein zuverlässigeres Mittel giebt, die Veredlung ganzer Generationen zu erzielen, als die allgemeine Einführung eines Instituts, dessen Tendenz es ist, nicht blos armen Eltern einen sichern Port, ein Asyl für ihre Kinder während ihrer Abwesenheit vom Hause anzubieten, sondern überhaupt die zarte Kindheit den mancherlei verderblichen Einflüssen der Geflndestube zu entziehen, für die naturgemäße Entwickelung ihrer Geistes¬ und Körperkräste zu sorgen und ihr Herz und Gemüth für das Gute, Schöne und Wahre empfänglich zu machen.— Daß auch ein unbefangener und ungetrübter Blick an unsrer Kleinkinderschule so wie an allen . vorhandenen derartigen Anstalten so Manches auszusetzen und zu verbessern finden wird, wer mag das leugnen. Gewiß aber ist, daß die unsrige durch ihre bisherigen Leistungen bewiesen hat, daß ihr Streben vorzüglich dahin geht, die aufgenommenen Kinder von Roheit im äußern Benehmen und in Worten abzuhalten, sie zum Gehorsam, zur Ordnung, Reinlichkeit und Aufmerksamkeit zu gewöhnen, sie zur Arbeitsliebehinzuleiten und ihnen eine reine Aussprache beizubringm, und daß sie bei dem Bemühen, für das körperliche Wohlsein zu sorgen, auch die geistige Natur der Kleinen im Auge be- - halt und den selbst im Kinde schlummernden Funken der Religion zu entzünden sucht. Wenn nun die wackern Lehrer Engter und Weiß der Meinung sind, daß das Anhören leichter, faßlicher Erzählungen, das Auswendiglernen und Absingen kleiner Lieder, das Vocabulicen, die Sprechübungen in deutscher und ungarischer Sprache so wie das Anschauen und Erklären interessanter Bilder mit dazu dienen, die vorbemerkten Zwecke erreichen zu lassen und sie darum auch ihre Zöglinge mit Geschick und Umsicht dazu anhalten; so kann man ihnen deshalb eben so wenig, als weil sie die Anstalt eine „Kleinkinderschule" nennen, den Vorwurf machen, daß sie ihre Aufgabe nicht begriffen haben. Spricht' man doch sogar von einer Baum- und Pflanzschule, warum nicht auch eine Anstalt Schule nennen-, die sich keineswegs damit begnügt, blos die Kinder vor den Gefahren des Alleinseins zu bewahren, sondern es auch übernimmt, die erste Entwicklung ihrer Fähigkeiten mit sorgsamer und geschickter Hand aus den richtigen Weg zu leiten und bei den Aelteren unter ihnen, welche dem Zeitpunkte des öffentlichen Schulbesuches nahe stehen, einen guten Grund zu dem künftigen Unterrichte zu legen. Freilich wenn man so am Prüfungstage den kleinen Schatz des Wissens, den die zarten Zöglinge langsam und fast spielend gesammelt haben , auf einmal vor sich sieht, könnte man allerdings mit unserm Berichterstatter meinen, Gott weiß, wie sauer es den armen Kleinen geworden sei, dies Alles zu erlernen, und daß es nur auf Unkosten ihrer Gesundheit und ihrer körperlichen Ausbildung habe geschehen können. Man besuche aber unsre Anstalt fleißiger, und die vorgefaßte Meinung wird von selbst schwinden; man wird sich überzeugen , daß unsre Lehrer mit ungemeiner Sachkenntniß und Geschicklichkeit, mit besondrer Vorsicht und mit sorgfältiger Schonung der zarten Geisteshülle ihrer Pflegbefohlnm zu Werke gehen, daß sie, als wahre Kindersreunde, es verstehen, sich die Zuneigung der Kirrer zu erwerben und ihnen Alles auf eine sanfte, anziehende und unschädliche Weise beizubcingen, und daß sie dabei eben so sehr für zweckmäßige Leibesübungen, für unschädliche Spiele und Beschäftigungen und für die freie, körperliche Bewegung der Zöglinge Sorge tragen. Mit einem Worte, man mache sich mit Zweck, Einrichtung und Leistung unsrer neuen Anstalt etwas genauer bekannt, und man wird keinen Augenblick über die segensreiche Wirksamkeit derselben in Zweifel bleiben und sich gestehen, daß sie dem vielfach Guten und Gemeinnützigen, das bereits in unsrer Gemeinde zu Stande gekommen, besonders unsrer trefflichen Haupt- und Normalschule, würdig zur Seite steht. Schwab, Rabbiner. Galizien. Lemberg, 15. Dec. Die Einführung der Consirmation unter den deutschen Juden, die im Verlause von c. dreißig Jahren auch erst dort zu einer so großen Allgemeinheit gelangen konnte, veranlaßt mich, Ihnen von einer Consirmation in Zolkiew zu berichten, die, so viel ich weiß, die erste an diesem Orte ist. Diese ganze Institution ist in dem Bereiche der modernen Bildung zu wichtig und bedeutsam, als daß ich vermuthm könnte, wein Bericht käme ihnen ungelegen, zumal solche von einem Manne und in einem Hause stattgefunden, welche beide schon durch Ihr Blatt rühmlich bekannt sind. Vor drei Tagen (12. Dec. Sidra wa-Jischlach) war ich zu Besuch bei dem gelehrten und noch jungen Rabbinen Hirsch Chajas in Zolkiew, der durch seine kritische Monographien, wie es Ihren

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