Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1841)
- Article
- Prag: Antwortschreiben des Herrn Cremieux an den Rabbinen Neh. Trebitsch
- Date
- 1841-01-09
- Page
- Seite 11 (sequence 2)
- Language
- German
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11 cPavoir armclie des innocents a Paffreuse mort de torture, ne sein pas, je l’espere le seul fruit de cefcte sainte mission. Nous avons prouve que Izi gründe famiJIe de Moise se leve devant Ja persecution dirige contre quelques parts de ses membrcs, nous avons nppele a notre aide par la voix. de Ja presse Paccueil de tous Je8 coeurs genereux, sans distinction de culte. Le fanatisme reculera desormais devant notre publicitc. — Aiyez Monsieur et honore Corcligionaire Pcxpression de nies sentimes de.haute estinie et sincere devouemeut. Adolph Crem i e u x, zldvocat a Ja cour royale de Paris et vice President du consistoire central des Ssraeiites. Ungarn. Pesth, 14. Dec. Der im- „Orient" Nr. 43 erschienene Bericht über die in unsrer Gemeinde seit dem Frühling l. I. ins Leben getretene Kleinkinder schule, liefert einen neuen Beleg zu dem Spruche bc6 weisen Königs, Pcov. 18,1. Wie hatte sonst, der Berichterstatter sein Verwersungsurtheil nicht blos über unsre junge, fast noch im Werden begriffene Anstalt, sondern über alte „bislang und zur Zeit bestehenden" Institute dieser Art. so unbedingt und so unbegründet sprechen, oder — was noch ungerechter ist -— „den Enthusiasmus, womit diese Schulen von den Leuten ausgenommen werden," einer unlautem Quelle zuschreiben und hierin den Berechügungsgrund zu seiner Stabbrechung finden können! Kein Unbefangener wird in dem Eifer, mit welchem die Gründung der Kleinkinderschulen allenthalben betrieben wird, in der thatigen Theilnahme, der sie sich von Seiten geistreicher und hochgestellter Persönlichkeiten zu erfreuen haben, und in den vielfachen Aeußerungen der Privatwohlthätigkeit, wodurch allem dieselben bis jetzt unterhalten werden, etwas Andres erblicken, als die Wirkung eines tiefgefühlten Bedürfnisses; eines Bedürfnisses, welches in der allgemein anerkannten Wahrheit wurzelt, daß das moralische und physische Verderben der Menschen nicht selten von der Verwahrlosung ihrer ersten Kinderjahre, von den in ihrer frühesten Lebensperiode erhaltnen Eindrücken herrühre, und daß daher die Erziehung schon frühzeitig ihr Werk beginnen und zur Herbeiführung heilsamer und zur Fernhaltung schädlicher Potenzen, so wie zur Weckung der in dem kindlichen Gemüthe schlummerndem edlen Keime wirksam sein muß.—Nirgend'leidet die Analogie des Menschen mit dem Thiere weniger Anwendung, nirgend kann das blos passive Verhalten, wie es etwa die Natur zu Gunsten des Entwickelungsprocessesin der Thier- und Pflanzenwelt fordert, weniger genügen, als aus dem Gebiete der Pädagogik, wo es sich vorzüglich um Entfaltung intellectueller und moralischer Kräfte handelt- und es würde wahrlich mit dem werdenden Gefchlechte in dieser Hinsicht nicht sonderlich bestellt sein, wenn wir, wie Berichterstatter zu verlangen scheint, unsre Kinder bis ins vierzehnte Jahr sich unter dem lieben Vieh herumtreibm und so.„die frischen, freudigen Wildlinge un beschnitten" heranwachsen ließen. — Der Mensch ist bei seinem Eintritt ins irdische Dasein nichts als Thier und bleibt zeitlebens ein solches, und noch dazu ein wildes, wenn er nicht zum Menschen, zum vernünftigen, sittlichen, wohlwollenden und Gott verehrenden Menschen erzogen, wenn nicht das, was seine wahre Menschenwürde begründet, der Gottesfunke in seinem Busin, frühzeitig von einer sorgsamen und verständigen Hand zur leuchtenden und wärmenden Flamme angesacht wird. Wie wenig hierin dem Entwickelungsgang der Natur überlassen werden darf, wie sehr diese sich schon beim Kinde in einer der Sittlichkeit. widerstrebenden Weise äußert, muß jeder gestehen, der auf das Treiben der Kinder, auf ihr Streben nach dem Verbotenen, auf ihre Gewaltthatigkeit gegen einander, auf ihre Widerspenstigkeit, ihren Eigensinn, ihren Trotz einen aufmerksamen Blick wirft. Der Hang zum Bösen -— sagt ein bekannter deutscher Philosoph -— äußert sich schon, sobald der Mensch nur anfängt, Spuren einer freien Thätigkeit in seinem Thun und Lassen zu zeigen. In den Spielen der Kinderwelt finden wir fast alle Scenen, die wir in dem ernstem Treiben der erwachsenen Menschenwelt antreffen, nur dort im verjüngten Maßstabe, weshalb wir dort blos Unart nennen, was hier Sünde, Laster oder Verbrechen heißt. Man kann also mit Recht sagen: Der Mensch ist böse von Jugend auf und die hochgepriesene Unschuld der Kinderwelt dürste sich — beim Lichte besehen. — wohl nur auf tue Kinder beschranken, die noch in Windeln und Wiegen liegen und überhaupt noch keine Spur von freier Thätigkeit zeigen. (Krug, Aretologie H. 57. Anm. 2.) — Bei solcher natürlichen Beschaffenheit des Menschen ist es außer Zweifel, daß die Erziehung schon frühzeitig Hand ans Werk legen und Geist, Herz und Gemüth des zarten Kindes unter sorgsame Pflege und Aufsicht nehmen muß; und da es den meisten Eltern beim besten Witten doch an Zeit, Kraft und Geschick hierzu mangelt, so ist es fast unmöglich, das dringende Bedürfniß der Kteinkindecschulen noch in Frage zu stellen. Was sich der Vernunft als Mittel zur Veredlung der Menschen darstellt, hat vollen Anspruch auf Realisirung und darf keiner engherzigen Rücksicht und Bedenklichkeit halber zurückgewieftn werden; und die Behauptung, daß „besser als die Wissenschaft es kann, die Aeit es lehren wird, ob man über dergleichen Anstalten sich freuen oder betrüben soll," ist wahrlich nichts Anderes, als die Sprache jener Aengstlichen, die von der allgemeinen Verbreitung der Bildung und Aufklärung des Geistes, ja von jedem Fortschritte im Reiche des 2* ■