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Der Orient · 1841-01-02 · Heft 1 (2.1.1841) · p. Seite 4

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 1 (2.1.1841)
Article
Oberbergheim
Date
1841-01-02
Page
Seite 4 (sequence 2)
Language
German
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4 schritt fordern kann. Glücklich! Ja, dreimal glücklich sind wir, daß wir uns rühmen können, so ausgezeichnete ' Literaturerzeugnisse zu besitzen, auf denen euren lobenswerthen Anstrengungen ein weites Feld eröffnet erscheint, sich auszufprechen, zu berathen, zu forschen, Ideen auszutauschen, für das allgemeine Beste zu wirken, die angegriffene Religion zu vertheidigen, sie in ihrem alten Glanze und ihrer ursprünglichen Reinheit zu erhalten. Wohl können wir sagen : ddot ^;DP.nt3) Die französischen Israeliten, obwohl eine Zeitlang rücksichtlich der Wiedergeburt ihrer Glaubensgenossen indifferent und unbekümmert um ihre Zukunft, eingewiegt durch die bezaubernde Stimme der Freiheit und" Gleichheit, haben Angesichts der deutschen Israeliten, unter denen schon beinahe seit einem Jahrhunderte eine Menge Sterne glanzten und überall hin ausgesäet erscheinen und ihre Leuchte über die dunkelsten Winkel der Gesellschaft hin verbreitet; ja, auch Frankreich hat sich endlich, edel und groß, von seiner Gefühllosigkeit erhoben, in der es danieder lag, es wagt sich zu zeigen im Angesicht des aufgeklärten Europa, würdig feiner erhabenen bürgerlichen und literarischen Stellung. Nehmen Sie entgegen die größte Ehrerbietung von Ihrem ganz ergebenen S. Haltet, Lehrer der israelitischen Schule. Ungarn. Pltlotlr in Ungarn. Ich glaube dem Leser des Orients einen Dienst zu erweisen, wenn ich hier in dem zeitgeschichtlichen Theil dieses Blattes das Uctheil eines sonst gut beobachtenden Reisenden über die Juden in Ungarn aufnehme; es ist das Urtheil des I. G. Elsner in seinem Werke: Ungarn, durchreiset, beurteilt und beschrieben (Leipz. 1840. Bd. II. S. 10.), welches, in sofern es auch manche unangenehme Seite anschlagen mag, ich recht dringend von einem Befähigten widerlegt wünsche. Dieses Urtheil lautet: Palota ist ein ziemlich großer und volkreicher Flecken. Drei Kirchen, alle auf erhabenem Terrain erbaut, geben ihm das Ansehen einer Stadt. Katholiken, Evangelische und Reformirte leben hier, wie mir versichert ward, in Eintracht bei einander. Zahlreich sind die hier wohnenden Juden, für welche eben eine neue Synagoge im fast großartigen Style erbaut wurde. Wie sehr sich dieser Wolksstamm mehrt, und wie er gleichzeitig an Wohlhabenheit zunimmt, das sieht man überall, vorzugsweise aber an ihren neu und fast prachtvoll gebauten Tempeln. In Balassa- Gyarmath — im Neograder Comitate — ward in dem- . selben Jahre ebenfalls ein solcher gebaut, und im Bei¬ 3) Iosua, 5, 9. Heute habe ich die Schmach von Egypten her euch abgenommen. sein der Vorgesetzten weltlichen Behörden eingeweiht. Da die Juden in Ungarn eine wichtige Rolle spielen, so will ich hier ein Paar Worte von ihrem Wesen und Treiben sagen, wie ich es dort habe kennen gelernt. Man muß sie in drei Hauptklassen theilen, nämlich die Reichen; die, welche sich durch besondere Betriebsamkeit auszeichnen, um dies zu werden; und die 'Armen. Die erste Klasse kann man de facto, als durch ihr Geld emancipict betrachten, und wenn ihnen auch noch manche staatsbürgerliche Rechte abgehen, so finden sie Entschädigung in dem Einflüsse, den sie durch ihren Mammon üben, und in dem Uebermuthe, mit welchem sie sich gegen diejenigen zu nehmen wissen, welche Geldhülfe bei ihnen suchen. Da in Ungarn mehr, wie in den westlichen europäischen Landern, das Geld eine Hauptrolle spielt, weil es im Vergleiche zu den Produkten theuerer ist, so verleiht es denen, die es besitzen, auch eine größere Macht. Der Unterdrückte und Zurückgesetzte — auch wenn er kein Jude ist — empfindet ein süßes Gefühl, wenn sich ihm Gelegenheit bietet, seinem Unterdrücker zu imponiren. Wieviel mehr sollte dies der Jude nicht, den eine Knechtschaft von fast zwei Jahrtausende erniedrigt und erbittert. In Ungarn gilt der Kavalier alles, und er ist in seinem Kreise fast Souverän, wie sollte er sich da nicht auch gegen den Juden übermüthig benehmen. Aber Geduld! Die Strafe bleibt nicht aus. Gar bald kommt er in Geldverlegenheit und muß bei ihm Hülfe suchen. Ist nun auch der Reiche, zu dem er seine Zuflucht nimmt, nicht direkt von ihm erniedrigt worden, so rächt dieser doch die Schmach seines Volkes und befriedigt das Gefühl der Rache und der Eitelkeit. Ich will eine derartige Scene darzustellen versuchen, wie man sie in Pesth oft genug erleben kann. Ein Kavalier, oder auch nur ein Grundherr ist in Geldnoth. In Ungarn sind, weil ein öffentlicher Credit überhaupt nicht stattsindet, und auch keine Creditanstalten bestehen, die Mittel, sich Geld zu verschaffen, beschrankt, und es kann Jemand Gacantieen genug zu bieten haben, so führen sie ihn dennoch nicht zum Ziele. Beim Juden fast allein liegen die Mittel, der Noch abzuhelfen. Der Bedrängte tritt in sein Comptoir, behauptet, so viel es nur immer thunlich, seine Würde; auch zeigt der jüdische Negociant viel Höflichkeit, ja fast Demuth und Unterwerfung, und scheint die Ehre sehr hoch zu schätzen, von dem vornehmen Herrn mit einem Besuche erfreut zu werden. Nach einigen Umschweifen rückt dieser mit seinem Anliegen, was der Geldmann schon bei dessen Eintritte erriech, vor, bekommt'aber eine Menge Ausflüchte und Entschuldigungen zur Antwort. Man hat wenig Kasse; man kann, wenn man Unternehmungen machen will, sein Geld zu sehr hohen Procenten nutzen; man darf sich nicht blos geben, weil man bald Gelegenheit haben wird, gewinnbringende Geschäfte zu machen u. dgl. m. Der Kavalier muß

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