Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1841)
- Article
- Nordafrika : Statistisches über die Juden an dieser ganzen Küste [Nachricht]
- Date
- 1841-01-02
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360147-2360149--1295-2364531- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tunis 3× ep/1048155
- Oran 1× ep/1048048
- Sousse 1× ep/1045746
OCR text
Zweiter Jahrgang. Berichte, Studien und Kritiken Das Abonnement für ein Jahr ist 5 Thlr. Mau abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen soliden Vuchhandlungcn auf ein Jahr. für e Geschichte und Literatur Herausgegeben von Dr. Julius Für st. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgercchnet, zwei Vogen, und zwar an jedem Samstag regelmäßig 1§41 Leipzig, den 2. Januar Orient. Nordafrika (Statistisches über die Juden an dieser ganzen Küste). — Deutschland (Berlin, die Anstellung des Dr. Hirsch fe ld als Rabbiner in Wollstein im Posen'schen. Stettin, Aktenstücke von Seiten des Ministeriums, die Juden betreffend. O b er b e r g h ei m, (über die Juden in Malabar und China). — Ungarn, (Pa lo La, allgemeine Charakteristik der Juden in Ungarn von Elsner. — Lichtu n d Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart: Sind jüdische Schulanstalten Bedürfniß, und wie müssen solche beschaffen sein, um ihrem Zwecke zu entsprechen? — Personalchronik und Miseellen: Juden in der Vucharei. Anzahl der Juden in England. Curiosum aus der Schweiz. — L.-B. d. Orients. Orient. Noedafeika. In der Missionszeitschrift Jewish Inteil, »cm Monate September finden sich ausführliche Mittheilungen über die Juden in N o r d a f r i k a, deren statistisches Ergebnis; ich hier mittheile. An der ganzen Küste' von Marokko bis Egypten wohnen sehr viele Juden. Im marokkanischen Reiche angeblich gegen 300,000, in der Regentschaft Tunis zwischen 150— 200,000; in Tunis selbst über 40,000 (V), andere in Bisorta, Ariana, Nabal, Munastir, Susa, Sfax, Garba, Gabis, Madia, an welchen Orten der Missionär Ewald war, und tiefer landeinwärts; in Tripoli 3000, in Bengali 1000, und in den Dörfern umher 600. In Algier, waren im I. 1832 etwa 7000; in Constantine sind angeblich 6000. Viele in Bona und Oran. Sie sind zum Theil sehr alt; in Garba wird der Synagoge ein Alter zugeschrieben, bis zur Zerstörung des ersten Tempels zurück) wahrscheinlich sind sie mit den Moslemen zuerst hingekommen. Alle haben Autonomie, mit Ausnahme derer in der französischen Regentschaft. Der Bei von Tunis hat einen Kaid, Oberherrn,, über sie gesetzt, welcher sein Unter-Tyrann ist, und die ausgedehnteste Vollmacht hat; doch hat der Oberrabbi noch größere Gewalt als der Kaid; er heißt Ab-Bet- Din, und hat zwei Dajanim zur Seite. . Sie bilden einen vollständigen Gerichtshof. Die Juden der Berberei sind überaus thätig, und bilden die einzige arbeitende Klasse. Man findet unter ihnen Schuster, Schneider, Maurer, Goldschmiede u. s. w. In Tunis sind gegen 600 Schneider und gegen 1000 Goldschmiede. Meist sind sie arm und ernähren sich kaum; sie jagen nicht so nach Reichthum, wie die Europäer. Mit andern Nationen stehen sie in gar keiner Verbindung, nur wenige erhielten vormals Erlaubniß nach Europa zu reisen. Ja sie durften früher gar nicht arabisch lesen. Jetzt sind sie schon etwas freier gebildet. Deutschland. Berlin, 19. Dec. So, eben trifft hier die Nachricht ein, daß Hr. Dr. Hirschfeld zum Rabbiner in Moll stein gewählt worden. Schon früher der dortigen Gemeinde von äußerst vorteilhafter Seite bekannt, gelangte vor vierzehn Tagen die Aufforderung an ihn, sich zur Abhaltung einer Probepredigt nach Wöllstein begeben zu wollen; welchem Rufe folgend er daselbst am 12. December (Parascha wa-Jischlach) einen Vortrag über den Text Gen. 32, 27 hielt. Die Folge davon war, daß bei der bald darauf stattsindenden Wahl unter mehren Comurrenten Hr. Dr. Hirschfeld mit .einer Majorität von. 217 gegen 3 Stimmen zum Rabbiner gewählt wurde, so daß man nicht weiß, was man mehr bewundern soll; ob die seltene Gleichstimmung der Meinungen, wie sie in den jetzigem jüdischen Gemeinden wohl selten zu finden sein mag, oder die ausgezeichneten Geistesgaben, wodurch Hr. Dr. H. sich eine so ungetheilte Zufriedenheit zu erwerben gewußt. Wenn es daher einerseits als ein höchst erfreulicher Fortschritt zu betrachten ist, daß in einer Gemeinde des Herzogthums 1