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Der Orient · 1840-12-26 · Heft 52 (26.12.1840) · p. 405

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 52 (26.12.1840)
Article
Prag: über Rapaport
Date
1840-12-26
Page
405 (sequence 2)
Language
German
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möge, auch Toleranz. Dieses Herz sucht und findet in dem Menschen überall den Herrn, und daher kommt es, daß Rapaport, obwohl so ganz. Jude, dennoch mit wahrer Freundschaft und Menschenliebe sich jedem andern Herzen, das nach gleichem sucht, anschließen könnte, bekennete auch dieses Herz sich zu einer vom Judenthume weit abliegenden Religion. Diese Gesinnung hat der Mann neulich öffentlich und zwar bei Gelegenheit einer hier gehaltenen Leichenrede bekundet. Es war einer unsrer Glaubensbrüder gestorben, der imAeußern sich wenig als Jude bewiesen, aber stets ein Herz voll Liebe gegen die Gemeinde und alle jüdische Interessen gezeigt hatte. Rapaport würdigte ihn nach diesem seinen reinsi'ttlichen Leben und benahm durch die treue Sprache seiner festen Ueberzeugung dem sehr gemischten Publikum um ihr Herz das Recht, ein vorschnelles Urtheil zu fällen. Neulich war Gesenius zum Besuch hier und hat mehrere Stunden bei Rapaport zugebracht. Seine wissenschaftliche Thäligkeit erstreckt sich bis jetzt über Vorlesungen über den Talmud vor mehrere junge Leute, daneben halt er noch populäre Vorlesungen für Gemeindeglieder über das Buch nnr&n nmn. Rußland. Russische Grenze, 12. Nov. Von Rußland aus tönen noch immer von Zeit zu Zeit Klagen über die mißliche Stellung der Israeliten im Kaiserstaate zu uns herüber. Es kann dies bei dem obersten Prinzip der Regierung dieses Reiches nicht anders sein. Das Bestrebungen, Rußland national abzuschließen, in Sitte, Sprache, Glauben conform zu machen, muß natürlich auch die Juden, so gut wie jede andere dissentirende Religionspartei Niederhalten, und die Hoffnung auf eine freie staatsbürgerliche Stellung ins Weite hinausschieben. — Von Neuem ist das früher erlassene Verbot gegen Niederlassung und Geschäftsbetrieb fremder Israeliten im Reiche eingeschärst worden, denn man will die Zahl der Israeliten nicht mehren, und dazu haben sich neuere einengende Befehle gesellt, 5. B. daß kein Jude innerhalb einer Festung mehr wohnen solle, sondern mindestens die Vorstädte zu beziehen habe. Neben dem Verluste, den Manche dadurch erleiden werden schmerzt uns noch die Absicht der Maßregel, die doch zu sein scheint, daß man den Juden als Staatsbürger nicht traut und sie nicht für Nationalrussen erklären mag. Ueber den Auswanderern, die jetzt aus Liefland und Kurland nach dem Cherson unterwegs sind, wohin auf Veranlassung der Negierung schon Tausende wunderten, schwebt jetzt Elend und Kummer. Freilich sind sie selbst Schuld, daß sie Angesichts des daherströmenden Winters die weite Reise von einigen hundert Meilen antraten, aber vielleicht lockte sie neben der Aussicht auf Verbesserung ihres Zustandes, denn die meisten sind ganz ohne Mittel, die Hoffnung auf Unterstützung Seitens der Regierung. Diese Unterstützung aber ist gerade jetzt sehr spärlich und beschränkt sich fast auf den Transport auf elenden Kähnen den Dnieper hinab, wo die Armen allen Einflüssen der traurigen Jahreszeit ausgefttzt erscheinen. Darum haben die Glaubensgenossen der am Wege liegenden Orte, namentlich Wilna, Minsk volle Gelegenheit, ihren Wohlthätigkeitssinn zu beweisen und schon jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo sie mehre dieser unglücklichen Familien werden überwintern müssen, weil die Wittrung, Schnee und Eis, die Winterreise verbieten. Trollig, wenn nicht satynsch, klingt unter solchen Verhältnissen ein Aufsatz, den die Warschauer Morgenzeitung bringt, und der von der mocgenröthlichen Ansicht ausgehend, daß Seitens der Regierung den Israeliten zum Ergreifen von Künsten und Wissenschaften aller Vorschub geleistet werde, endlich in die hochtrabenden Worte ausbricht: Hört auf, Fremdlinge im Lande zu sein, ihr Israeliten, erwachet aus dem Lethargus, ergreifet mir Liebe Kunst und Wissenschaft, und seid des vergewissert, daß das Land, in Erwägung eurer Verdienste und Anerkennung eurer Talente und Leistungen, gewiß mit Wohlwollen euch in seinen Schooß, wie den verlornen-Sohn, aufnehmen wird; wie solches euch wünschet euer Alexander. Wer dieser letztere sei, wird nicht vecrathen, wenn der Verfasser nicht den verstorbenen Kaiser provocirt. Aber-warum die Schuld lediglich auf Israel werfen? Weil der Verfasser in dem Wahne steht, daß, wie er anführt, die Juden öffentliche Aemter bekleiden, Aerzte, Apotheker und Thierarzte werden können und nicht weiß, daß dies bereits durch einen neuern Ukas theils wieder ganz verboten, oder wenigstens doch beschränkt worden ist. H.

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