Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1840)
- Article
- Damaskus: über Abschaffung der Tortur
- Date
- 1840-12-26
- Page
- 402 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360146-2364426--1254-2364461- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
402 ec hat zur Zeit noch nicht für gut befunden, dergleichen zu machen. Abschaffung der Tortur. Eine dem Vicekonige von Egypten überreichte Adresse: „Als Ew. Hoheit die Gnade hatten, jenen großen Akt der Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu vollbringen, den wir zu Gunsten unsrer unglücklichen Brüder in Damaskus erbaten, naheten wir uns Ew. Hoheit, um den Dank der Israeliten des ganzen Erdballs, deren Sprecher wir sind, darzubringen. Wir erkannten dankbar die edle Gesinnung und den würdigen Beschluß Ew. Hoheit, durch welchen Höchstste den Angeklagten die Freiheit gaben, durch den die Flüchtigen zurückgerufen wurden. Wir haben der ganzen Welt bewiesen, daß Höchstsie voller Unwillen die ehrlose Beschuldigung ablehnten, die unsre Feinde wie eine Last auf die jüdische Religion geworfen hatten, als ob unsre Religion diese abgeschmackte Idee sanctivmren wollte, um ein so scheußliches Prinzip zu heiligen, das Menschenblut vergießt, um es mit dem ungesäuerten Brote zu mischen; und das ist eine Gott wohlgefällige That. Unsre altehrwürdige, reine Religion, war als eine grausame und blutdürstige hingestellt worden. Da wir das Abendland verließen, um die Gerechtigkeit Mehmed Ali's anzuflehen, durften wir bei seiner großen Intelligenz seines Beifalls sicher sein und konnten von Ew^ Hoheit die Manifestation dieser Gesinnung hoffen. Die That, welche Ew. Hoheit vollbrachte, wird ihren Platz in der Geschichte finden, neben den beiden Fermans von Soliman II. und von Amurat, welche auf die edelste Weise die Religion der Hebräer gegen ähnliche gehässige Anklagen in Schutz nehmen. Die christlichen Fürsten, und selbst der Pabst haben die Unwahrheit dieser Anklage proclamirt. Doch, indem wir uns Mehmed Ali nähern, bleibt uns noch übrig eine große Pflicht zu erfüllen. Die ganze Welt heftet ihren Blick auf Mehmed Ali. Zeigen Höchstste der Welt, daß Mehmed Ali dieser Sympathien würdig ist. Sprechen Sie es auS! Ja sprechen Sie rs aus in ihrem Reiche: Abschaffung der Tortur! Diese scheußliche Tortur ist eine Erfindung der Barbaren, sie hat Entsetzen unter der ganzen gebildeten Menschheit verbreitet! Hat ihre blutige Flamme noch je eine Wahrheit beleuchtet? Wohl aber hat sie manchmal -schon den Henker bewaffnet, die Unschuld zu morden! Mehmed Ali verbiete die Tortur, und Dein Name wird glänzen unter den Namen der andern Beförderer der Humanität, und diese Glorie wird allen übrigen Ruhmwürdigkeiten zur Krone dienen. Wir legen uns zu den Füßen Ew. Hoheit mit der schuldigen Ehrfurcht. Moses Montefiore. X Cremieux." Großbritannien. LOAöorr, 1 Dec. Es wird Ihren Lesern vielleicht von Interesse sein, wenn ich hier eimn so eben hier erschienenem Prospekt mittheile. Er betrifft ein englisches Bibelwerk für Israeliten, die gewöhnliche Grundlage des Fortschrittes, und um so mehr beachtungswerth, da drei der ausgezeichnetsten englischen jüdischen Gelehrten es unternehmen. Ich gebe hier die vollständige Uebersetzung desselben: Prospekt zu einer neuen Ausgabe der heiligen Schrift ins Englische übersetzt, mir kritischen und erklärenden Noten begleitet, von D. A. de S o l a, I. L. L in d e n th a l und M. I. R a ph al l *). Daß die heilige Schrift die einzige Grundlage bildet, auf welcher unser zeitliches und ewiges Heil beruht, ist eine langst und allgemein anerkannte Wahrheit. Die civilisirte Welt schaart sich unter dem Panier der Bibel, und diese emphatische Bezeichnung, die zugleich den Begriff des unbestrittenen Vorrangs und der unvergleichlichen Schönheit in sich vereinigt, ist noch nie von einem wetteifernden Werke in Anspruch genommen worden. Während so die ganze Sammlung der heiligen Schriften unsre ungetheilte Aufmerksamkeit erheischt, ist es der ältere und wichtigste Theil derselben, mit dem bekannt zu sein dem Israeliten vorzugsweise Pflicht ist, da nach dessen Vorschriften sich sein tägliches Leven richten soll, und dieser Theil ist der Pentateuch. Auf diesen wesentlichsten Theil wird unsre vorzügliche Sorge und Aufmerksamkeit gerichtet sein, denn nicht allein gewahrt er dem Philosophen und dem Staatsmann, dem Moralisten und dem Gesetzgeber, dem Manne der Wissenschaft und dem Geschichtschreiber, vollkommenen Unterricht und einen untrüglichen Leitfaden, wahrend seine Lehren eben so auf Nationen wie auf Individuen, auf den höchsten wie auf den niedrigsten, Anwendung finden; nicht allein bringt er allen Menschen wahre Kunde vom Schöpfer, in der unbezweifeiten Offenbarung des Ewigen; sondern er hat auch noch besondere Ansprüche, an den Israeliten, dem er wie ein Erbe verliehen, und der streng verpflichtet ist, seinen Vorschriften zu gehorchen. Ec ist das unzerstörbare Diplom unsrer heiligen Sendung, das ehrwürdige Archiv unsrer mit unserm Dasein -identischen Nationalität. Er ist der große Freibrief, der Bund zwischen Gott und seinem auserwäblten Volke; er enthält Gesetze, Anordnungen und Gebote, deren Befolgung unsere Glückseligkeit dies- und jenseits sichert. Alle unsre Gebräuche, selbst der Glaube, für den unsre Vater duldeten und starbm, entlehnen ihre Autorität dem Pentateuch. Eine gründliche Kenntniß dieses Buchs und seines Inhalts, wird uns durch die höchste aller Gewalten, den göttlichen Gesetzgeber, geboten, denn es ist eine Kenntniß, die zu unsrer Wohlfahrt und der gehörigen Erfüllung unsrer Pflichten unentbehrlich ist, und mannigfaltige Erfahrung beweist uns, daß je fester gewurzelt, je weiter ausgedehnt diese Kenntniß unter uns ist, um. so achtbarer und geachteter unser Rang in der Wagschale dec Nationen, um so geregelter und tugendhafter unsre Aufführung als Individuen und als Volk sein wird. Um diese Kenntniß zu befördern, und das *) Hr. de Sola ist bekannt als Uebersetzer der sefardischen Hymnaxien, und in Gemeinschaft mit Hrn. Raphall Uebersetzer der Mischna. — Hr. Lindent h a l ist Secretär an der neuen Synagoge. — Hr. Raph a ll^ist Herausgeber des „The Heb re w keview", Verfasser der „Festivals of the Lord'', Uebersetzer des Sefer Ikkarim .und der j Mischna in Gemeinschaft mit de Sola.