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Der Orient · 1840-12-19 · Heft 51 (19.12.1840) · p. 400

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 51 (19.12.1840)
Article
Etwas über Prag
Date
1840-12-19
Page
400 (sequence 2)
Language
German
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400 mälig behoben und die Religionsübungen sowohl, als auch die öffentlichen Lehren den Grundsätzen entsprechen mögen, welche der reine Glaube, der gelauterte Sinn für die Wahrheiten der Religion, für die Erhebung des Geistes und eines frommen Lebenswandels erfordern, wobei' allerdings auch die religiösen mit den politischen Rücksichten in Einklang gebracht werden müssen. Der bloße Stillstand in dieser Beziehung ist schon ein Rückschritt, denn die Bildung in allen andern Verhältnissen schreitet vorwärts, die Urtheile der Menschen sind selbst bei dem größeren Publikum und selbst bei der gemeinen Klasse reger, geworden und der gebildete, so wie der über seine Bestimmung denkende Israelit vergleicht die Wahrheiten der Religion nicht mit den entbehrlichen und veralteten Formen, er abstrahirt nach seinen Verstandeskräften und werden diese nicht durch angemessene Lehren und durch Geltendmachung reiner Religionswahrheiten auf dem rechten Wege des Glaubens erhalten und veredelt, so verliert derselbe die Achtung gegen die Religion selbst und gegen deren Vorsteher. Die Stadthauptmannschaft kann sich in dieser Beziehung mit vollem Rechte auf ihre eigenen Erfahrungen berufen, und wenn das Veraltete fortan mit einer Ausnahme von Verbesserung fortgehen soll — so wird Unglaube und Nichtachtung unbezweifelt das Resultat für einen großen Theil der Gemeindeglieder darbieten. Nehmen Sie ferner die in der Zeitung des Iudenthumes Nr. 28 und 29 d. I. 838 enthaltenen Aufsatz über die Verhältnisse der Israelitengemeinde in Prag zur Hand, der nicht zu verkennende Wahrheiten über mehrere noch herrschende Mißbräuche enthält, und prüfen Sie ohne Leidenschaft und Vorurteil die gemachten Bemerkungen, so muß zugestanden werden, daß die bessere Ueberzeugung zum Theil nur an der Gewohnheit, an dem Hange für das Hergebrachte, an dem Mangel einer für das Allgemeine zureichenden besseren Lehre, zum Theil aber an gewurzelten Vorurtheilen, welche dem wahren Glauben nur hindernd entgegenrreten, endlich aber in dem Eigensinn einzelner Glieder, ihren Grund haben, welche schon deshalb keine Würdigung verdienen, weil sie den Allerhöchsten Anordnungen, den politischen Vorschriften, und der Ueberzeugung höherer Bildung entgegentreten, das Gute nicht nur hindern , sondern vielmehr zur Befördrrung des Nichtguten beitragen. Weit entfernt durch gewaltsame Einwirkung die Schattenseiten der israelitischen Religionsübungen auf'einmal beheben zu wollen, hält sich die Stadthauptmannschaft nur in dem . Interesse der ihr vorgezeichneten Pflicht, berufen; die Herren Israeliten - Gemeindevorsteher im Einverständnisse mit den Herren Religionsvorstehern, aufzufordern, diesem so wichtigen Gegenstände eine größere Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen und vor allem dahin zu wirken: daß die Vorträge nach den bestehenden Anordnungen in deutscher Sprache in allen Synagogen abgehalten werden, daß die gewählten Prediger die Vorträge auf die Wahrheiten der Religion beschränken und daß der Sinn für die gründliche Ueberzeugung und für das bessere Leben der Gegenwart und für die Zukunft nicht durch Männer verdorben werde, welche Lehren zum-Gegenstände'ihres Vortrages machen an denen kein vernünftiger Israelit einen Antheil nehmen kann. Die Stadthauptmannschaft verkennt keineswegs die Verdienste einzelner Religionsvorsteher, sie weiß es, daß sie selbst mit Leuten zu kämpfen haben, welche in dem oben erwähnten Aufsatze als 'orthodoxe Anhänger bezeichnet werben und sie läßt denselben die Gerechtigkeit wiederfahren, daß sie ihrerseits wenigstens kein Hinderniß den Verbesserungen entgegenstellen, daß sie vielmehr durch die Aufnahme des Predigers Hamburger (jetzigen Lokalrabbiners zu B. Leipa im Leitmeritzer Kreise) an der Neusynagoge, dessen deutsche Vorträge und Lehren bereits wohltätige Früchte dringen, dahin Mitwirken, um das Gute nicht zu hindern; allem dadurch, und so lange keine allgemeine Uebereinstimmung erzielt wird, ist für die höheren Absichten und für die bessere Kultur wenig Vortheil erzielt. Es werden daher die Herren Israeliten-Gemeindevorsteher mit dem unter Einem hierzu aufgeforderten Religions- Vorsteher angewiesen, bei einer gemeinschaftlichen Zusammentretung jene Maßregeln in Ueberlegung zu nehmen, durch welche deutsche Vortrage in allen Synagogen eingeführt werden könnten, und ob es vor der Hand nicht thunlich fei, daß der Prediger Hamburger, gegen eine angemessene Renumeration, und so lange, als sich die Zahl der deutschen Prediger nicht vermehren läßt, auch abwechselnd in den andern Synagogen deutsche Vorträge halte, daß aber vor allem das laute, Niemanden erbauende Schreien abgestellt und die Religionsübungen mit jenem Anstande vorgenommen werden, welche die Verehrung des Allmächtigen, der Achtung gegen die Religion, und der Bildung gesitteter Menschen allein entsprechen können. Diese Berathung wird somit blos in dem Interesse sämmtlicher Gemeindeglieder' angeordnet, sie soll ihnen dm Beweis geben, daß die öffentlichen Behörden jeden positiven Zwang zur Abstellung von Mißbrauchen und Inconvenienzen vermeiden, und nun dahin wirken wollen, daß die Gemeindeglieder durch reelle Ueberzeugung zu den notwendigen Verbesserungen gebracht werden mögen, denn gegründet auf diese lassen sich dann auch leichter die Verbesserungen und Ausdehnungen, politische Verhältnisse erzielen, während es sich die in veralteten Gebräuchen 'und Vorurtheilen verharrenden Israeliten nur selbst zuschreiben müssen, daß die politischen Behörden so manche wohlgemeinten Vorschläge unbeachtet lassen müssen, da nur allgemeine Ausbildung und verbesserte Kultur, auch allgemeine Verbesserungen der politischen Verhältnisse zulassen. Das Resultat der Berathung wünsche ich binnen vier Wochen der Art zu erhalten, daß ich hieraus Anlaß nehmen kann, die Bereitwilligkeit der Herren Gemeinde- und Religionsvorsteher zur höheren Kenntniß zu bringen und successive dahin zu wirken, daß sich endlich die Verhältnisse der Reli-" gionöübungen besser gestalten. Prag, 28. April 1838. Die Stadthauptmannschaft. Perfoualchronik und Miseellen. Der Oberlehrer und Prediger Dr. Lilienthal in Riga, hat vom Kaiser zu Folge der Empfehlung Lilienthals, durch das Ministerium des Innern, einen kostbaren Brillantring geschenkt bekommen und zwar als Beweis allergnädigster Belohnung, für die bei Eröffnung der neuerrichtetm israelitischen Schule m Riga dabei ausgesprochene Gesinnung. Verlag von C. L. Fritzfche. Druck von I. H. Nagel»

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