Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1840)
- Article
- Wollstein
- Date
- 1840-12-19
- Page
- 398 (sequence 2)
- Language
- German
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398 Sie Herr Redacteur uns unsere Bette gewähren, rmd diesen Zeilen die Spalten Ihres Mattes nicht verschließen werden, bitten wir, die Versicherung unserer Hochachtung zu genehmigen, indem wir verharren. Der Vorstand der jüdischen Korporation. Wolf Friedwann. KltelöHrrd, 17. Nov. Sr. k. k. Majestät geruhten dem hiesigen Brunnenarzte Herrn Med. Dr. Leopold Flekles für dessen eingesandtes Werk: Karlsbad, seine Gesundbrunnen und Mineralbäder rc. als Beweis des Allerhöchsten Wohlgefallens eine sehr werthvolle, goldene Tabatiere zu verleihen; die ihm mit einer schmeichelhaften Zuschrift Sr. Excellenz des Hrn. Oberstkämmerer Hrn. Grafen von Czernin zugeschickt" wurde. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischrn Gefchichtr Ser Gegenwart. Auch eine Huldigmrgsferer. ö* H alb eltstad t. Wenn es schon für jeden Freund des Rechcs und der Aufklärung erfreulich ist, wenn er wahrnimmt , wie unsere Zeit die Fesseln des Glaubenszwangs und der Unduldsamkeit immer mehr abstreift, wie die Menschheit immer mehr das Hobe Ziel erkennt, das ihr von der Vorsehung gesteckt, und den Weg zu erstreben sucht, der zur Erreichung desselben führt; so haben wir Juden ganz besonders Ursache diesen Zeitgeist zu segnen, da unsere Interessen jetzt wesentlich gefördert werden. Unsere Bedrücker haben es eingesehen, daß nicht der Glauben den Menschen, den Staatsbürger bedinge, sondern daß alle die Kinder eines Vaters sind, die diesen erkennen und in seinen Wegen wandeln. Gleichgültig ob er in der Synagoge oder in der Kirche verherrlicht werde, gleichgültig ob Rabbiner oder Prediger sein Wort verkünden, wenn nur nach dieser Lehre gehandelt wird; denn nicht die Lehre ist die Hauptsache, sondern die Ausübung. Aber auch die Juden haben eingesehen, daß es ein Höheres gibt als Gelderwerb. Sie haben sich mit Künsten und Wissenschaften vertraut gemacht. Sie haben noch dem Aufhören des äußern Druckes auch die Banden gesprengt, die ihr inneres Leben umklammert, und der Ruf nach Veredlung und Verbreitung der göttlichen Lehre ist zu laut geworden, als daß er nicht hätte allgemeinen Anklang finden sollen. Spukt gleich hier und da noch der finstere Geist aller Iahrhundete, und drohet die fliehende Nacht zurückzubrlngen, so scheuchen doch die meisten Strahlen der Aufklärung das Gespenst in sein dunkles Grab, das ihm der Geist der Zeiten gegraben. Nur wenn die dumpfen Nebel der Unwissenheit das Licht zurück halten, wenn allein Indifferentismus dem Zelotismus gegenüber stehet, vermag dieser noch einige Zeit dem Fortschritte zu trotzen. Ein Beispiel letzterer Art bietet leider unsere hiesige Gemeinde dar. So betrübend dieses schon an sich für jeden Freund des Guten ist, so mußte es um so schmerzlicher fein, als der Obscurantismus sich neulich bei der beabsichtigten Feier des Geburtsfeftes Sr. Majestät geltend machte, am Huldigungstage des Königs, der seinem Volke öffentlich geschworen, den Bekennern eines jeden Glaubens ein gerechter Richter, ein treuer Vater sein zu wollen. — Der Vorgang , der in dieser Zeituug Nr. 46 nur dunkel erwähnt ist, verdient eine ausführliche Erzählung, um ein dabei beobachtetes Verfahren in seiner ganzen Häßlichkeit aufzudecken und öffentlich zu brandmarken. Trotz der Wichtigkeit des Tages dachte der Vorstand an keine Feierlichkeit bis ihn einige Privatpersonen darauf aufmerksam machten. Die Herren Brüder Jeretzky von hier, von denen der Eine als Lehrer an der israelitischen Schule zu Berlin angestellt, der Andere beim Synagogenchore daselbst thatig ist, wurden, bei ihrer zufälligen Anwesenheit ersucht, einige junge Leute einzuüben, um das Gebet nyit^n jnttn und einige Psalmen, wohlgemerkt nur heb rar ch, tm Chore zu singen. Auch war der Oberlehrer Herr Lasch gebeten worden, eine passende Predigt zu halten. Als die genannten Herrn sich hierzu bereit erklärten, begaben sich die Herren B. Levy und M. Nathan zum Gemeindesecretair Herrn A. Hildesheimer, um die Erlaubniß zur Feier einzuholen. Dieser erklärte sich damit einverstanden, und forderte die Herrn auf, sich zum Vorsteher Herrn I. Alexander zu begeben. Man wird sich vielleicht wundern, daß dieser nicht zuerst angegangen wurde, allein wir Halberstädter wissen nur zu gut, daß unser Vorsteher, gleich dem wohlweisen Archon von Abdera, in allen vorkommenden Fällen blos die Frage har „Meine Herrn, was ist'zu thun?", worauf der gefällige Herr H. in der Regel eine Auskunft vorschlägt, die dann immer mit der Meinung des Herrn Alexander zusammcntrifft. So war es auch diesesmal. Da Herr H. nichts einzuwenden hatte, so war Herr A. zufrieden. Die Gesänge wurden eingeübt, und mit so gutem Erfolge, daß Herr Lasch, vom Anhören einer solchen Uebung entzückt, mit erhöheter Wärme an die Ausarbeitung seiner Predigt ging. Alles war gespannt und erfreuet, endlich auch hier einmal einen geistig-religiösen Genuß zu haben. Aber die Freude wurde uns verbittert. Es erhob sich nemlich plötzlich eine Opposition in der Person des Ge- Melnderathmitglieds.Herrn Aron Hirsch. Dieser erklärte das Vorhaben für gottlos, den Chorgesang für irreligiös, und bot Alles auf, ihn zu hintertreiben. Ja, er erklärte 40 Stück Louisd'or daran wenden zu wollen, um seinen Willen durchzu-