Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1840)
- Article
- Leipzig: die Dankadresse ... an Hrn. Cremieux ...
- Date
- 1840-12-19
- Page
- 397 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360145-2364363--1233-2364397- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
397 feit für Menschenliebe zu streiten. Es galt diesen Kampf in Landen zu führen, wo die Folter das Recht in Unrecht, zu verwandeln weiß, und die schüchternen Anfänge einer von Europa cingebrachten Bildung von Leidenschaften bekämpft und erstickt werden, die, nicht minder von Europa eingebracht, leichter Wurzel fassen als die zarte Pflanze der Cultur und Humanität. Es galt den Gefahren, welchen das Vaterland der Pest, so wie den weit größern Gefahren zu trotzen, denen die Rache entlarvter Bosewichter aussetzt. So vereinigte sich in dem Ziele, für welches sie so kräftig mitgewirkt, die schönste Aufgabe des menschlichen Herzens: mit eigener Gefahr zu kämpfen für die Schwachen und Unterdrückten, mit der edelsten Aufgabe des menschlichen Geistes: die Lüge zu bekämpfen, die Wahrheit zu vertreten, den Fortschritt zu fördern. Dank sei es dieser edlen Hingebung, unterstützt von den kräftigen Verwendungen europäischer Mächte! Die Unschuldigen sind größtentheils gerettet, ihr Blut der Grausamkeit ihrer Henker entzogen, sie selbst dem Leben, der Freiheit, ihren Familien wiedergegeben. Konnte auch die Gerechtigkeit ihren vollen Triumph noch nicht feiern, so ist die Bosheit doch beschämt, die Lüge erkannt und ein großes Beispiel gegeben, das Früchte tragen wird nach vielen Richtungen hin. Sie haben diesem Siege des Rechts und der Wahrheit den Sieg der Civilisation beigefügt. Unfern Glaubensgenoffen in Egypten fehlte die beste Waffe gegen die Ungerechtigkeit, der kräftigste Schild gegen die Ungebühr: Bildung und Wissenschaft, welche der Gerechtigkeit eine Sprache verleihen, dem Unrecht den Spiegel Vorhalten, den Erscheinungen der Zeit, Mit- und Nachwelt zu Zeugen geben, der Wahrheit den Sieg versichern, die Lüge vor sich selbst erröthen machen. Sie kamen, ein Kämpfer für das Recht, und Sie gingen, nachdem sie zugleich die Saat der Bildung und der Erkenntniß ausgestreut. Zu allen Zeiten haben Sie das Wort der Wahrheit, die Sprache der Begeisterung der heiligen Sache der Menschheit, der Liebe und des Fortschritts geweiht. Darum kämpften Sie zu Nimes für Protestanten wie für Jseaeliten, je nachdem die Unduldsamkeit gegen diese oder jene gerichtet war. In ähnlichem Sinne haben Sie in Colmar gewirkt und Ihr beredtes kräftiges Wort hat der guten Sache'da wie dort den Sieg gesichert. Wir können uns nicht versagen, Ihnen den innigsten Dank auszusprechen für das, was Sie gefördert, gewirkt und gewollt, für Ihre edle Sorgfalt, für Licht und Wahrheit, für Fortschritt und Recht. Wir fühlen das Bedürfnis Ihnen zu sagen, daß Ihre Glaubensgenossen und alle Freunde der Menschheit Ihr edles Streben zu schätzen, zu würdigen und zu lieben wissen. Jnnigst freuen wir uns, Sie in unfern Mauern zu wissen; .aber wir haben diesen Augenblick nicht erwartet, um Ihrer in Liebe zu gedenken. Langst hallten unsere Tempel, unsere der Andacht geweihten Stätten von den Namen der ehrwürdigen Männer wider, welche für die Sache der in ihren Glaubensgenossen unterdrückten Menschheit nach dem Oriente gezogen, von Gebeten an den Allgütigen, daß er die Fülle seines Segens über sie und ihre Sendung ergieße! — Gott, der Vater alles Guten lohne Ihnen durch Verbreitung des Guten! Mögen die Vorurtheile, welche dm Geist so vieler Menschen umdüstern, die Lieblosigkeit, welche das Herz so Vieler verhärtet, der fortschreitenden Einsicht und Bildung weichen! Möge es nie wieder solcher Opfer, solcher Kämpfe bedürfen, um dem Unsinn zu begegnen, die Bosheit zu besiegen! Möge der Geist der Liebe, der Geist wahrer Religiosität die Menschheit immer mehr durchdringen, und Rückschritte fortan zur Unmöglichkeit machen! Wöllstein, 7. Dec. Die in ihrem geschätzten Blatte Dr. 46 d. I. ln der Rubrik: Personalchronik und Miscellen, befindliche Anzeige, daß der Rabbinatskandidat Herr Gebhard zum Rabbinen der hiesigen jüdischen Korporation gewählt worden wäre, veranlaßt uns hiermit öffentlich zu erklären: daß jene Anzeige nicht der Wahrheit gemäß fei.*) Die Beziehung in der Herr Gebhard bis jetzt, wirklich zur hiesigen jüdischen Gemeinde gekommen ist, ist nur diese: Zu der am 18. September d. I. startgehabten Einweihung der hiesigen neuerbauten Synagoge, wurde derselbe vom Korporations- Vorstände eingeladen, und ersucht, bei dieser Feierlichkeit die Funktion eines Predigers zu versehen; und da er nicht nur diese Aufgabe ehrenvoll und zur Zufriedenheit Aller gelöst, sondern auch am Sabbat darauf, dm 19. Septbr. einen vortrefflichen Vortrag hielt, wurde er auch, da wir gegenwärtig keinen Rabbinm haben und also, in den damals bevorgestandenen Feiertagen ohne alle religiöse Belehrung gewesen waren,-auf den Wunsch vieler Gemeindemitgliedec und der Repräsentanten-Versammlung vom Korpocations - Vorstande ersucht, während der Feiertage hier zu verweilen und das Predigeramt zu versehen. Herr Gebhard war so gütig, diese unsere Bitte zu gewähren und gerne statten wir ihm hiermit unfern und der gangen Gemeinde Dank ab für die wahrhaft erbauenden Vortrage, die ec während dieser Zeit hier gehalten har, und die sich immer des Beifalls seiner jüdischen und christlichen Zuhörer zu erfreuen hatten. Was aber das hiesige Rabbinat betrifft, so ist die Concurrenz um dieselbe noch offen, da eben so wenig Herr Gebhard zum hiesigen Rabbiner gewählt worden ist, als überhaupt bis jetzt noch eine Rabbinenwahl hier statt gefunden hat. Zn der Eröffnung, daß *) Wir ersuchen Hrn. Jost, der diese Miscelle aus unserem Blatte in der so eben erschienenen Nr. 50 seiner Annalen abgedruckt hat, nun auch dieser Berichtigung dort einen Platz zu gönnen, vorzüglich, „da jener Artikel einen historischen Irrthum enthalt." N e d.