Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1840)
- Article
- Frankfurt a. M. : Ankunft Cremieux's [Nachricht]
- Date
- 1840-12-19
- Page
- 396 (sequence 2)
- Language
- German
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396 sonstigen Beweisen der Hochachtung, welche die hiesige israelitische Gemeinde für den muthigen Verfechter der jüdischen Interessen im Oriente hegt, wird es nicht fehlen. Ein silberner Ehrenpokal von großem Werthe, eine Dankadresse, die bereits mehre Lausend Unterschriften trägt/ und eine reichewie es heißt, auf 1500 Fl. sich belaufende Beisteuer für das von Hrn. Cremieux bei seiner Anwesenheit in Kahira wieder ins Leben gerufene jüdische Bildungsinstitut, werden die allgemeine Würdigung der humanen Bestrebungen dieses Mannes bethatigem Wie man vernimmt, ist dem berühmten Advokaten von einer Anzahl reicher Israeliten in Paris und London für den durch die Reise nach dem Orient ihm in seiner Einnahme erwachsenen Ausfall eine Entschädigungssumme von 40,000 Fr. zugesi'chert worden. Bon htt Q&tht, 5. Dec. Sehr verschieden ist das Urtheil, welches man in jüngster Zeit über die Verordnung fällte, durch welche der seit geraumer Zeit von böhmischen Juden in Sachsen betriebene Wollhandel für immer untersagt ist. Das Verbot (ritt mit dem 1. Jan. 1841 ins Leben. Daher nur ein Wort über diesen Gegenstand, der bisher blos vom Gesichtspunkte des etwanigen Vortheils oder Schadens der vaterländischen Interessenten beurtheilt worden ist. Bemerkenswerth bleibt diese die Juden beschränkende Maßregel gewiß als die erste, welche, wie die vielen Recurse und Gesuche zeigen, von der Masse unserer Gewerbetreibenden ungern gesehen wird, als der erste Schritt, durch welchen es uns klar wird, wie aus Judenordnungen auch innere Staatsfragm entstehen können, wenn auch das Wohl den zunächst Betheiligten nicht ins Auge gefaßt wird. Nicht zu leugnen ist es allerdingsdaß die minder wohlhabenden, also die meisten unserer Tuchmacher und kleinern Wollproducenten keinen Vortheil aus diesem Verbote ziehen werden, wahrend den Juden nicht leicht ein Schade daraus erwächst. Für die Erstem wird die Wolle im Preise steigen, sei es nun, daß sie ihren Bedarf von christlichen Wollbändlern beziehen, denen dieselbe in der Reget in jenen Gegenden höher zu stehen kommt, oder von den im Land angesessenen Commissionaren der jetzt ausgeschlossenen Judenwelche beide also den Profit in zweiter Hand geltend machen werden. Insbesondere wird diesen Gewerbtreibenden bei. Mangel des Credits fühlbar werden, welchen letztern der Jude, des verbotenen Handels halber stets gewährte. Daß aber Denjenigen, welche das Gesetz zunächst berührt, kein so großer Schade aus demselben erwachsen wird, beweist schon jetzt die kürzlich erfolgte Niederlassung eines bedeutenden jüdischen Wollhandlers zu Chemnitz, und zwei anderer zu Reichmbach, also im sächsischen Voigtlande selbst, obwohl dies den Letztern freilich nur durch die Taufe möglich wurde. Nichtsdestoweniger kann man das Verfahren der Regierung in dieser Angelegenheit nicht im geringsten tadeln, da die Gesetze, und zwar außer dem Mandate von 1746 auch die neuesten Bestimmungen in Betreff ausländischer Israeliten eine solche Handlungsweise nöthig machten. Oder sollte man des materiellen Vortheils halber dem Ausländer conniviren und den Inländer hintenansetzen, - nur die eignen Landeskinder strenger beaufsichtigen? Eine andere Frage ist es freilich, ob ähnliche Rücksichten, wie die jetzt eingetretenen, nicht eine allgemeine Aenderung des Bestehenden gebieterisch verlangen werden. Schon die Wormser'sche Angelegenheit hat darauf aufmerksam gemacht. Ein französischer Deputirter will diese zum Gegenstand einer Kammerdiscussion machen, sobald die Schlichtung der orientalischen Frage die Gemülher in etwas beruhigt haben wird. Sind nun auch Coercitivmaßcegeln Seiten Frankreichs nicht möglich, so gestattet ihm doch das Völkerrecht den Versuch der Abhülfe auf dem Wege der Retorsion, und wer weiß, ob ein künftiges französisches Ministerium sich mit dem alten Sprüchlein: „Schlägst du meinen Juden schlage ich deinen Juden!" begnügen wird. Auch gegen die jüdischen Unterthanen der Aollvereinsstaaten muffen die bestehenden Gesetze in Anwendung gebracht werden. Sollte nun auch vielleicht ein Th'eil der Meßbesuchenden wie jetzt verlautet, um Abstellung der herkömmlichen ihres Glaubens. halber angeocdneten Beschränkungen dringend nachsuchen, so könnte aus diesem allen eine Verlegenheit entstehen, die, ich wiederhole es, nicht besiegt werden kann, so lange noch die jetzigen Verhältnisse der inländischen Juden zum Staate nicht gebessert sind. Wer weiß, ob nicht endlich der Drang der Umstände An der Ständeversammlung einen Sieg herbeiführen könnte, den die Humanität bisher vergeblich erstrebte! (L.A.Z.) Leipzig, 8. Dec. Schon in dem Artikel aus Frankfurt ist mitgetheilt worden, daß die achtbarsten Israeliten daselbst dem Hrn. Adolph Cremieux bei seiner Anwesenheit in Franks, ci. M. eine Dankadresse überreicht worden ist, diese Dankadresse hatte Hr. Jost . die Güte mitzutheilen, und ich halte es für meine Pflicht, sie auch meinen Lesern nicht vorzuenthalten. Diese Adresse lautet: An Herrn Adolph Cremieux bei seiner Rückkehr aus dem Oriente. Sie kehren von einer Reise wieder, deren Zweck zu den edelsten gehört, welche Biedermänner sich vorsetzen, welchen Freunde der Menschheit nachstreben können. Es galt dem Fanatismus und der Bosheit ihre Beute zn entreißen, eine Verlaumdung zu beschämen, die so unsinnig sie auch ist, doch die blutigsten Folgen hervorgebracht hatte, die Unschuld zu befreien, der Wahrheit den Sieg zu erkämpfen. Es galt eine schwache Minderzahl zu vertreten, deren Schicksal es seit Jahrtausenden zu sein scheint, als erstes Opfer zu fallen, wenn Finsterlinge die Dummheit zur Hülfe der Bosheit aufrufen, um die blinden Leidenschaften der Menge aufzuregen. Es galt gegen die Barbarei für das Recht, gegen den Wahnsinn für die Vernunft, gegen die Finsterniß für Licht und Wahrheit, gegen Lieblosig-