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Der Orient · 1840-12-19 · Heft 51 (19.12.1840) · p. 395

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 51 (19.12.1840)
Article
Egypten: die englische Deputation für die Damask-Angelegenheit
Date
1840-12-19
Page
395 (sequence 2)
Language
German
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395 Ich weiß/ meine Herren! die menschenfreundlichen Gesinnungen zu würdigen, welche Sie in diese Hauptstadt geführt haben." In Folge dieser Verhandlungen erschien ein Ferman an den Oberrichter zu Konstantinopel/ an dessen Spitze der Sultan eigenhändig die Worte geschrieben hatte: „Es werde vollzogen, was in diesem Ferman verordnet.ist." Der Ferman lautet: „Es herrschte ein altes Vorurtheil gegen die Juden. Die Unwissenden glaubten, die Juden pflegten ein menschliches Geschöpf zu opfern, und sich bei ihrem Passahfeste seines Blutes zu bedienen. In Folge dieses Vorurtheils wurden die Juden von Damaskus und Rhodus, die Unterthanen Unsers Reiches sind, von Personen anderer Nationen verfolgt. Die gegen dieselben verbreiteten Verleumdungen und die Verfolgungen, die sie erlitten haben, sind zu Unserer Kenntnis gekommen. Mehre Juden von Rhodus, die dieses eingebildeten Verbrechens angeklagt waren, wurden unlängst von dieser Insel nach Konstantinopel gebracht, hier nach den neuen Gesetzen gerichtet und für völlig unschuldig erkannt. So ist Alles in Bezug auf sie geschehen, was die Gerechtigkeit und Billigkeit verlangte. Ferner sind die Religionsbücher der Hebräer durch in der Theologie erfahrene Gelehrte geprüft worden. Aus dieser Prüfung ging hervor, daß den Juden verboten ist, sich Menschenblutes zu bedienen, ja selbst des Thierblutes, was deutlich beweist, daß die Anklage gegen sie und ihren Glauben reine Verleumdungen sind. Aus diesem Grunde, und aus der Liebe zu allen Unfern Unterthanen, verbieten Wir, die jüdische Nation, deren Unschuld anerkannt ist, durch irgend eine Anklage, die nicht begründet ist, zu beunruhigen und zu quälen, und in Gemäßheit des Hattischerifs, der zu Gülhane proclamirt wurde, werden die Personen dieses Glaubens dieselben Rechte genießen, wie die andern Unserer Macht unterworfenen Nationen. Die jüdische Nation wird geschützt und geschirmt werden. Demzufolge haben Wir bestimmte Befehle gegeben, daß die Juden in allen Theilen unsers Reiches eben den Schutz genießen wie die andern Unterthanen der hohen Pforte, und daß sie auf keine Weise in der freien Ausübung ihres Cultus oder in dem, was ihre Sicherheit und ihre Ruhe betrifft, ohne begründete Ursache beunruhigt werden. Dazu soll der gegenwärtige Ferman, der an der Spitze mit Unserm Noomacioon (Handsiegel) geziert ist, und aus Unserer kaiserl. Kanzlei ausgeht, der jüdischen Nation übergeben werden. Du, oben genannter Richter, handele, nachdem du Kenntniß von dem Inhalte dieses Fermans genommen hast in Gemäßheit dessen, was ec vorschreibt, trage ihn ein in das Archiv des Gerichts, übergib ihn sodann der jüdischen Nation, und sorge dafür,, daß Unsere Befehle vollzogen -werden; denn dieser Ferman ist Unser souverainer Wille. Geschehen in Konstantimpel, den 12. Ramasan 1256." (6. Nov. 1840.) Deutschland.?8£t*lin, 30. Nov. Der Dr. S. Stern, Vorsteher der einzigen höhern jüd. Bürger- und Kaufmannsschule Hierselbst, ist in Folge seiner trefflichen Werke: „Vorläufige Grundlegung zu einer Sprachphilosophie (Berlin 1835) und Allgemeine Grammatik (Berlin 1840)" zum Mitglieds der deutschen Gesellschaft ernannt worden. Es verdient dieser Umstand einer Erwähnung, nicht sowohl um die Verdienste des Hm. Dr. Stern um deutsche Sprache hier preisen zu wollen, als vielmehr um die Gesinnnung eines Instituts zu zeigen, daß trotz dem noch hier sich geltend machenden Ausfthtießungssysteme keinen Anstand genommen hat, einen Juden aufzunehmen Die Wissenschaftlichkeit der deutschen Gelehrten ist noch immer so von Pedanterie umdüsiert, namentlich von einer Abneigung gegen jüdische Gelehrte, daß man das Gegentheil für erwähnenswerth hält. — Eine nicht minder erfreuliche Nachricht ist gewiß die, daß einer der größten Pädagogen Deutschlands, der hiesige königliche Seminardirertor Dr. Diesterweg in seinen rheinischen Blattern (22. Bd. S. 228) in Betreff des traurigen Ereignißes zu Damaskus folgende Worte gesprochen: „Auch die Juden in Ungarn sind endlich emancipirt. Der Haß fangt an zu verjähren, d. h. zu den antiquirten Dingen zu gehören. Fangt an. Dolksfchullehrec müssen vor allen kräftigst dazu wirken. Nach Damaskus dringt unsere Stimme nicht. Auch die Christen mögen an ihre Brust schlagen. Wurden nicht noch vor einigen Jahren im Regierungsbezirk Düsseldorf, um desselben vermeintlichen Verbrechens willen, vorgeblich an einen Knaben verübt, mehre Häuser der Juden zerstört — von christlichem Pöbel? War also nicht an der Zeit, daß auch die rheinischen Blatter darauf Hinweisen? Es ist nicht übel, sich der Zustände des Volkes in entfernten Welttheilen anzunehmen; aber das Land ist nun näher, wo du stehst, da ist „Rhodus". — aitff Utt , 6. Dec. Hr. Cremieux ist auf seiner Rückreise aus dem Oriente nach Paris vorgestern von Wien in unserer Stadt eingetroffen und wird bis zur nächsten Mitwoche hier verweilen. Es sind ihm mannigfache Beweise der Hochschatzung und dankbarer Anerkennung von Seiten seiner hiesigen israelitischen Glaubensgenossen für die im Interesse der bedrängten Juden im Oriente von ihm gemachten Anstrengungen und geleisteten Dienste zugedacht. Am Abende nach seiner Ankunft wurde ihm von einer zahlreichen Versammlung eine Serenade unter dreimaligem Vivatrufe zur Huldigung für seine verdienstvollen Bemühungen gebracht. Gestern und heute gab die Familie Rothschild glanzende Feste zu Ehren desHrn. Cremieux, und zu gleichem Zwecke hat die Freimaurerloge „Zur Morgenröthe" ein großes Banket angeordnet. Auch an 51* . (L.A.Z.)

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