Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-12-19 · Heft 51 (19.12.1840) · p. 394

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 51 (19.12.1840)
Article
Algier: Schluß des Berichts
Date
1840-12-19
Page
394 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360145-2364358--1220-2364394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nen sollen. Don welchem Gewichte, so fragen wir hier, sollen in der Wagschale der Vernunft dergleichen Leute sein?' Welches sind die günstigen Eindrücke, die sie zu hinterlassen vermögen? Kann ihr Benehmen zur Regel, zur Nachfolge dienen? Kann ihre Bekleidung einen Begriff von Sauberkeit verschaffen? Ist ihr Unterricht geschickt, den Juden Lehren der Weisheit, der Philosophie und der'Religion 'beizubringen? Nein, ganz bestimmt nicht. Die Intelligenz dieser Rabbinen neigt sich nach einem ganz andern Ziele hin, nach dem der Handelsgeschäfte und des Trödels, das ist der Gott, welcher ihnen jedem andern vorgeht; seht, das sind die arabischen Rabbinen, mögen sie sich in Afrika oder in Asien befinden, und mit ihnen wird es stets unmöglich sein, nur einige Resultate zu erzielen. Das ist es, was einer völligen Reform bedarf; wiewohl es dem Gouvernement etwas kostet, so wird es doch mit den Verbesserungsplänen nicht gelingen, außer wenn ein Fond begründet wird, wodurch man in den Stand gesetzt wird, das Gebäude des Fanatismus zu verschütten. Das ist es, was wir ungefähr für zuträglich halten, die Rabbinen in Algier vorher in die Rabbinatsschule zu Metz zu schicken, um des Französischen, Hebräischen und Arabischen mächtig zu werden. Diese Rabbinen aber müßten Menschen von guten und ganz ehrenwerthen Eigenschaften sein; denn sie sollen ja als Priester sich präsentiren, sollen durch ihre Aufführung und ihre Tracht eben sowohl, wie durch ihre Kenntnisse denen imponiren, die sie zu leiten haben, die sie unterrichten sollen von dem göttlichen Wesen. Jeder von ihnen muß, sobald er den Namen des Gottes predigt, welchem er dient, als der Erste unter Gleichen (primus inter pares) erscheinen. Solche Leute müssen angestellt werden, und die Wahl kann in Frankreich nicht unmöglich sein. Unter den übrigen Civitisationsmitteln, deren Ausführung nur mit der Zeit gegeben erscheint, und deren Anwendung uns unbestrittene günstige Folgen haben zu müssen scheint, ziehen wir die Folgenden an: Annahme der französischen Tracht von allen Juden der Regentschaft. Ihre Einschreibung in die Militärcontrole der afrikanischen Miliz, und ihre Zuziehung zum Dienste der Bürgergarde. Zugestehung des Rechts von Seiten des Gouvernements, das Land zu bebauen, das die Administration ihnen wie allen übrigen Colonisten zuertheilt; die Juden, einmal unterrichtet, würden gar leicht Verhältnisse und wichtige Handelsgeschäfte mit den Arabern im Innern des Landes anzuknüpfen wissen. Anwendung der Conscription auf die jüdische Bevölkerung; mit dem Unterschiede, daß anstatt der sieben Jahre Dienst die Juden nur drei zu dienen hätten, d. h. daß sie nur vom 18 —20. Jahre im Dienste waren; die ganze Dienstzeit aber müßten sie m den Regimentern einer französischen Garnison verbringen. Dieses große Mittel hätte zur Folge: Bekanntschaft mit der französischen Sprache. Reform der öffentlichen und häuslichen Sitten. Sammlung von Erfahrungen sowohl auf der Reise als durch den Umgang. Erlangung militärischer Courage, selbst rücksichtlich des feigsten durch seine Berührung mit den Tapfersten. Die Juden Algiers müssen ihre Herzen an dem Feuer des Muthes erwärmen, in unfern Regimentern gingen sie in eine gute Schule. Wir schließen hiermit unsre Beobachtungen, nachdem wir einen flüchtigen Blick auf Sitten, Geschichte und Institutionen der jüdischen Bevölkerung Algiers geworfen haben. Diefe Studien, die wir machten, um die Gebrechen zu enthüllen, um deren Bekämpfung es sich handelt, haben uns auf die Mittel geführt, die jene Uebel besiegen können. Diefe Uebel sind die Erniedrigung und die Unwissenheit. Hebung der religiösen Institutionen, Anwendung eines wohlgeordneten Unterrichts auf die jungen Juden, sind die von uns angegebenen Heilmittel. Es bleibt uns nur übrig zu wünschen, daß die praktische Erfahrung den Ansichten, die wir mit gewissenhafter Ueberlegung vorgebracht haben, nicht lange mehr fehle. Algier, am 1. Jan. 1840. Cgtzplen. Sir Moses Monrefiore und Hr. Cremieux hatten, wie früher berichtet wurde, von Mehmed Ali einen Ferman erwirkt, daß die Juden in Damaskus wegen des ihnen schuldgegebenen Mordes nicht weiter beunruhigt werden sollten. Statt selbst nach Damaskus zu gehen, wie sie es anfänglich beabsichtigten, begaben sich dieselben dann nach Konstantinopel, um auch hier beim Sultan zu Gunsten ihrer Glaubensgenossen -zu wirken. Der Sultan ließ diefe Gelegenheit nicht vorübergehen, um sich auch in Bezug auf die Juden im Gegensatz zu Mehmed Ali mild und wohlwollend zu erweisen. Am 3. Ramasan (28. Ott.) empfing er mit altem Pomp der türkischen Sitte die HH. Sir Moses Montefioce, Georges Samuel, Dr. Vire, Dr. Loewe und Pisani, den erstenDragoman der englischen Botschaft. Sir Moses Monrefiore redete den Sultan an, dankte für die den Juden auf Rhodus erwiesene Gerechtigkeit, und bat um einen schützenden Ferman für die Juden in Damaskus und seine Glaubensgenossen im Allgemeinen. Abdul - Medschid erwiderte: „Ich bin vollkommen befriedigt durch die Mittheilung, welche die Deputation Mir gemacht, und durch die Gesinnungen, die sie gegen mich ausgesprochen har. Ich habe die Nachricht von den Ereignissen in Damaskus mit großer Betrübniß vernommen, versuchte aber, der jüdischen Nation einige Genugthuung dadurch zu geben, daß ich befahl, es solle in der Sache von Rhodus Gerechtigkeit geschehen. Die israelitische Nation wird immer denselben Schutz und dieselben Vortheile genießen wie die andern Unterthanen meines Reiches. Ich werde der Deputation bewilligen, was sie. von Mir erbeten hat.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.