Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1840)
- Article
- Danzig: jüdische Zustände daselbst
- Date
- 1840-12-12
- Page
- 388 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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388 daß wohlhabende Eltern die Erziehung und Heranbildung ihrer Kinder Ln wissenschaftlicher und humanistischer Hinsicht vernachlässigen könnten. Wie der Neplikant nun gar dazu kommt, sich der Sache des Hrn. Dr. Bram anzunehmen, begreife ich vollends nicht. Hr. Dr. B. ist zu Unsichtig, um nicht selbst ermitteln zu können, wo etwas für ihn Beleidigendes liegen dürfte oder nicht, und führt selbst eine zu gewandte Feder, als daß er seine Sache den Händen eines so empfindlichen Verteidigers übertragen haben möchte. Da Hr. Dr. B. schweigt, beweist er, wie richtig er den Sinn und die Absicht der Skizze würdigt, und wie wenig er geneigt ist, sich von denen aufreizen zu lassen, die seine Feder gern für ihre eigne Sache gebrauchen möchten. Uebrigens achte ich Hrn» Dr. B. darum und um manches Andere mehr, als Viele, die sich sonst warm seiner annahmen, wie ich leicht beweisen könnte; doch es geziemt mir nicht, das Geheimniß von Privatgefühlen aufzudecken und zu analysi'ren. So hat Hr. Dr. B. in den jüngsten Tagen sich wieder das Verdienst erworben, einen Lesezirkel für Journale und kleinere Werke in jüdischem Interesse in das Leben zu rufen, um dadurch die kaum erwachte Theilnahme für jüdischen Glauben und Wirken in jüdischem Nationalsinne immer höher zu steigern, damit Gesinnung und Wort sich zur That fruchtbringend gestalte. — Wie weit dieses Vorhaben ihm und Andern hier gelingen wird, sollen Sie seiner Zeit erfahren; aber ich begreife die Wichtigkeit der Sache und die Haltung Ihres Blattes zu wohl, als daß ich Ihnen zumuthen sollte, unfruchtbare Zänkereien und kleinliche Wortklaubereien anzuhören und Ihrem Publikum wiederzugeben. D — n. Elbing, 28v Nov. Verehrtester Hr. Redakteur! Die 40. Nummer Ihrer vielgelesenen Zeitschrift enthält ein Schreiben aus Königsberg vom 13. September a. c., in welchem bei der Bemerkung, daß das Königl. Herrscherpaar in meinem Hause in Elbing abzusteigen geruht hatten, sich zugleich folgende Angabe findet: „Die christlichen Bürger Elbings, und wie man mir sagte, auch die städtischen Behörden daselbst, haben alles Mögliche aufgeboten, um den König zu bewegen, anderswo abzusteigen." Diese Angabe ist eine vollkommen irrthümliche, und ich halte es für meine Pflicht, um so mehr das Ungegründete derselben zu zeigen, als der wirkliche Thatbestand gerade ein entgegengesetzter war. Meine christlichen Mitbürger hatten in der Versammlung der Stadtverordneten beschlossen, an mich das Gesuch ergehen zu lassen, meine Zimmer zur Empfangnahme der Königl. Familie einzuraumen. Diesem Beschluß zufolge erhielt ich von der hiesigen städtischen Behörde ein Schreiben, dessen Inhalt zu veröffentlichen ich für nöthig erachte, um zu beweisen, wie es eine Ungerechtigkeit sei, die liberale Gesinnung der hiesigen Bürgerschaft und des Magistrats in Zweifel zu ziehen. „Ew. Wohlgeboren ersuchen wir ergebenst, bei der am 12. d. M. stattsindenden Durchreise Sr. Majestät des Königs und Ihrer Majestät der Königin gefälligst, zu der Empfangnahme der erlauchten Herrschaften und deren Suite Ihr, wegen seiner Geräumigkeit und günstigen Lage zu diesem Zweck vorzüglich geeignetes Wohnungs-Lokal uns einzuräumen, und sagen wir Ew. Wohlgeboren, falls, wie wir voraussetzen, Sie aus unser Gesuch eingehen, im Voraus den verbindlichsten Dank. Elbing, 5. September 1840. Der Magistrat. An den Kaufmann Herrn Aschen heim, Wohlgeboren," Es wird sowohl dem geehrten Königsberger Correspondenten als auch den Lesern Ihrer Zeitschrift erfreulich sein, das Gerücht von einer Opposition, die von Seiten der Stadt gebildet worden wäre, auf das Eindringlichste durch obiges Schreiben widerlegt zu finden. — Mit der ergebenen Bitte, diese Zeilen den Spalten Ihrer geehrten Zeitschrift gütigst einverleiben zu wollen, bin ich hochachtungsvoll, ergebenst S. Aschen heim. Leipzig, 1. Dec. Wir können nicht unterlassen, auch diesmal, wenn auch etwas spät, auf das neuerfchienene (10.) Heft der Arch, Isr. de France aufmerksam zu machen. Es ist so reichhaltig und gediegen wie seine Vorgänger. Wir begegnen den interessanten Fortsetzungen aus Heft 9. über Cremieux's Rapport rücksichtlich der französischen Reformfrage; des Berichtes Goldscheid ec's rc. über Algier; eines dergleichen über die Schule der Mlle. Hartoch in Algier; eines interessanten Aussatzes über die Verhältnisse der Juden in der Grafschaft Venaissin vor und nach 1789; einer Phantasie über Stellung, Streben und Zukunft Israels von Nord mann, Rabbinen in Hegenheim; den Addressen der Rabbinen des Obecrhein an das Central-Consistorium; Briefe Cremieux's rückstchtlich dec Damasker Angelegenheit; Schilderungen der Israeliten des Oberrheins und daneben einer Masse historischer, statistischer, literarischer Neuigkeiten. Kurz das Heft hat großes Interesse auch für Deutschland; denn wenn nicht mehr, so giebt es uns doch wenigstens ein treues Bild von dem Leben und Streben unsrer Glaubensgenossen in Frankreich. D d n e mark. Kopenhagen, 12. Nov. Abermals haben sich die Stände zu Roes bilde für die Wählbarkeit der mosaischen Glaubensgenossen in die Ständevcrsammlung entschieden, und nach Realisicung dieses Resultats in der bei ihrer diesmaligen Auflösung an Se. Mas. cingereichten Petition angetragen. Indem wir so unsere Glaubenssreunde über eine bessere Ankunft in unsrer politischen Stellung noch in Ungewißheit lassen müssen, wird es ihnen vielleicht um so willkommener sein, wenn j wir aus unscrm gegenwärtigen regen religiösen Leben