Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 49 (5.12.1840)
- Article
- Ueber einige jüdische Gelehrte der Provence
- Date
- 1840-12-05
- Page
- 760 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8555529-9891396-9891466-2364247--0984-2364281- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
761 Zur Geschichte der Homiletik v.J.A. Frankel. Dr. Holdheim's gottesdienstliche Borträge. 762 Im Iuchafln (132 b) heißt es, daß der Abfasser des Sefer Haschlama gleichzeitig mit E l a sa r d e G ar m i s a (aus Worms) und Eliöser aus Metz war» — Auch fand ich bei Asulai (SchhG. N. Buchst, ß §. 31) die Worte des im Namen eines uralten Werkes citirt, wo es heißt, daß das Werk Haschlama deshalb/so.-genannt wurde, weil es die Hilchot des Alsasi supplirt, und daß der Verfasser Meschullam geheißen. Zur Geschichte der Homiletik von Jf* JL* Vr u nie e Im (Fortsetzung) Auf dieser Seite, wo der Schofar, einst erschallend zur Auferstehung aller Menschen, als ein Ennahnsr an die Unsterblichkeit geschildert wird, vermissen wir Bibelverse, wie etwa ^vn ‘isujQ yprp Kinn ora n^m oder NI pTl nnjID2 yprY* 1 S. 55 beachtet der Vers., einer der guten Lalmudisten, den jüdischen Grundsatz nicht, daß auch DDOy einst geahndet werden, und daß zur Sühne derselben früher Opfer (XVII# p'lp) gebracht wurden. S. 56. wird gesagt: „ohne Vergeltung verliert die Unsterblichkeit des Geistes allen Werth", wir glauben, daß Unsterblichkeit Vergeltung involvire, und daß beide identisch seien, und nur Eins, ein sv 8icc dvoiv, bilden. S. 57 wird der Vorwurf der Rationalisten, es sei im Pentateuch Nichts von einer Unsterblichkeit erwähnt, gänzlich zurückgewiesen, und eine recht gute Vertheidigung angeführt, warum die Unsterblichkeit nicht direct gelehrt worden sei. — Diese analytisch abgefaßte Predigt schließt mit einer aus den drei Grundlehren abgeleiteten Wahrheit, daß Gott die Menschen nach ihrer eigenen Gerechtigkeit gegen sich und Andere richtet, welche Wahrheit um so mehr einen Liefen Eindruck zurücklaßt, da sie als ein neues, früher nicht erwähntes Moment auftritt. Zum vierten an Schemini Azeret gehaltenem Vortrage ward kein Bibel-, sondern ein TalmudtexL gewählt: „nifln&D Dwbü/ rppn bti/ VTO, der Schlüssel zum Regen, der Schlüssel einer seegenreichen Nachkommenschaft und ber Schlüssel der Belebung der Lodten", und indem diese von Rabbi Iochanan anfgestellte Sentenz. im babylonischen Talmud mit einer ähnlichen aus dem jerusalemischen streitet, wo der Schlüssel zur Nahrung als ein vierter noch gerechnet ist-, wird der Schluß*) gezogen und der in der Einleitung genau durchge- 1) Man rüge nicht das Zusammenstellen und vertheidigen zweier sich widersprechender Talmudstellen, als ein den alten Deraschot inhärirendes, halachisch - hagadisches und uns nicht zusagendes Moment: denn hier tritt eben so wenig die Verführte Gedanke erwiesen: „Im Regen liegt Gottes Seegen." — Wir stimmen mit des Berf. Ansicht S. 63 nicht überein, wenn er sagt: „Aufdie Versöhnung des innern Menschen mit sich selber, folgt die mit dem Bruder, und erst auf die Versöhnung mit dem Bruder folgt die mit Gott u. s. w<"; eine Versöhnung des Menschen mit Gott kann theologisch nur heißen: eine von Gott erlangte Verzeihung der Sünden, und eine solche ist nach dem Talmud auch ohne die Versöhnung mit seinen Nebenmenschen möglich: D*1R p2t£J pH cm pw m'wy, noua n'rv mp»^ DPP* Abstrahiren wir vom Talmud, so scheint die Versöhnung des Menschen mit sich selbst die Versöhnung mit Gott oder Menschen einzuschließen, und ein TtQÖxsQov vözeqov der Zeit nach nicht denkbar zu sein; denn der Sündhafte, noch geplagt von Gewissensbissen, noch gemartert von innerer Unruhe wegen Frevel gegen Gott und Menschen, kann sich nicht mit sich selbst versöhnen. — Sinnreich ist die Bemerkung (S. 63), daß wir deshalb am Schlußfeste nach dem Versöhnungsfeste um Regen flehen, weil pTYP pR b&w b& M'rmiy D.W — Die Predigt zerfällt, wie schon der Text darthut, in drei Theile. Im zweiten wird das an diesem Festtage stattfindende mDif! aus dem ganzen Inhalte des Vortrages selbst auf eine rührende Weise entwickelt, ferner das Talmudstudium mit Recht in Anregung gebracht und anempfohlen. — Zur 5. Predigt ist weder ein eigentlicher Text, noch ein bestimmtes Thema gewählt, und dennoch könnte der passend durchgeführte Vergleich zwischen dem schicksalsvollen, ereignißreichen Leben Iakob's und dem seiner Nachkommen, der Israeliten, für ausgezeichnet gut und echt theologisch gelten — zumal eure Mannigfaltigkeit und Abwechslung in der Behandlung und Abfassung der Predigten dem Zuhörer, besonders aber dem Leser nur angenehm und erfreulich fein kann — wenn nicht fast am Ende (S. 85) wider Erwarten ein Thema ausgestellt wäre, von welchem beim Schlüsse (S. 89) nochmals abgebrochen wird. Wir bekommen also, obwohl der logische Zusammenhang im Einzelnen nicht darunter leidet, drei verschiedene Theile; allein solche verlangen einen bestimmten Text, um in ihrer gegenseitigen Unabhängigkeit ein Ganzes auszumachen. —° S. 68 tritt das Bild, welches die Leiter mit Zden Stufen als das göttliche Gesetz bezeichnet, in welchem man von Stufe zu Stufe sich erheben könne zur höchsten Vollkommenheit, so ansprechend und schön es auch ist, in der Sprache nicht deutlich genug hervor, weil Alles in Einen fünfzehn Reihen langen Satz gezwängt ist. Ueberhaupt hat der Wortreichthum den Verfasser oft verleitet, allzugroße Perioden zu bilden, welche-schon beim Lesen, um wie viel mehr erst beim Antheidigung als solche, wie anderwärts das Philosophische als solches aus; sondern beide, das Halachisch-Hagadische^und Philosophische stehen im Dienste des Theologischen, und bleiben, wie Sklaven, im Hintergründe ihres Gebieters. Siehe 1. Th. dieser Abhandlung.