Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1840)
- Article
- Stockholm : Berichtigung [Nachricht]
- Date
- 1840-12-05
- Page
- 381 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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der schwedische und norwegische Ccnsul, sondern der holländische sei es gewesen, über dessen Thun die türkische Regierung Grund zur Beschwerde zu haben geglaubt". Ich erwartete dies um so . mehr, da die allgemeine Ächtung, welche Hr. Masse, schwedischer und norwegischer Consul auf Rhodus, dort genießt, und das gute Verständnis; , welches zwischen den türkischen Behörden und ihm stets gewaltet, hier wohl bekannt ist. (L.A.Z.) Galizien. % SemÖCtg, IO. Nov. Der allbekannte Spruch Schillers, von der besten Frau und dem besten Staate, ist oft genug aus die jüdischen Gemeinden unsrer vielsprechenden und vielschreibenden Zeit angewendet worden. Wir möchten aber denselben noch in weiterer Ausdehnung behaupten; denn die beste jüdische Gemeinde ist nicht blos die über welche, sondern auch die in welcher nicht zu viel gesprochen und geschrieben wird, nämlich: über „Erweckung des Geistes, Flüffigmachen der starren Formen, Reform! Regeneration! Organisation!" und wie diese modernen Stich- und Sprüchwörter alle heißen mögen. Ein schlagendes Beispiel erster Art gibt uns im Augenblick Ihr geehrtes Blatt von einer Gemeinde, die sich gerne selbstgefällig die Wiege dev jüdischen Wissenschaft nennt, die sich namentlich des ungeheuren Verdienstes rühmt, das polnische Wesen und die Polen selbst mit ihrem Einflüsse auf Deutschland verdrängt-und zurückgetrieben zu haben. Beispiele zweiter Art wird jeder Leser sich in genügender Anzahl selber vorführen. Denn es ist seit, einiger Zeit Mode geworden, von solchen Dingen in müßigen Stunden sich etwas vorerzählen zu lassen, etwa gar selber einen frommen Wunsch auszudrücken, wenn es hoch kommt, sogar zu schelten, daß man so wenig wirkliche Verbesserungen vornehme. Sonst gab es zehn Müßiggänger, deren Geschäft es war, in der Synagoge zu plärren: jetzt giebt es Hunderte, die Unnützes über Synagoge und Synagogenwesen plaudern, ebenfalls zu ihrer Unterhaltung. Und jemehr gesprochen wird: desto weniger geschieht. Wie der geschäftige Müßiggang der müßigste, so der plaudernde Jndifferentismus der indifferenteste. Und wenn nicht ein neuer Geist über das zufammenklappernde Gebein ausgegossen wird, so zerfließt das Judenthum zur bloßen Redensart, wie es früher beinahe zum bloßen Wonbekenntniß eingedorrt. Denn es ist so schön und leicht zu sprechen, so schwer und mißlich zu thun! Wir haben es nicht mehr mit jener angenommenen Verachtung unter uns zu thun. Das Zugestandniß innerer Rührigkeit ist jenen Verächtern abgerungen worden; und über die Notwendigkeit > eines zu Geschehenden liegt keine Partei mehr im Streite. Allein wir haben es jetzt vornehmlich mit einem in Teilnahme maskieren J'ndifferenlismus zu thun. Dies im Allgemeinen und an allen andern Orten, namentlich Deutschlands, wo die früher aufgegangene bereits hochstehende Sonne der Cultur zu einem Nachmittagsschlafchen einladet, wo man hin und wieder auf seinen Lorbeern zu ruhen wähnt oder vorgiebt. Ganz anders verhält es sich bei uns in Galizien. Haben wir auch weniger über Jndifferentismus in gewissem Sinne unter uns selbst zu klagen, so sind doch die Uebel, an denen wir leiden, nach unsrer individuellen Ansicht, nicht nur mit jenem fremden in der Wurzel eng verwachsen, sondern auch auf denselben gepfropft. Es ist nun freilich dieser technisch gewordene „Jndifferentis mus" ein Thema, an dem genug scharfe Federn selber stumpf geworden. 'Allein che wir über eine wichtige Angelegenheit berichten, die soeben eine Anzahl der Edleren unsrer Hauptstadt in Bewegung setzt, mag es uns vergönnt sein, die Sache von unserm Standpunkte aus" zu beleuchten, die allgemeine Aufmerksamkeit auf einen noch immer zu wenig hervorgehobenen Punkt zu richten, und die Anwendung auf jene besondere Angelegenheit den hochherzigen Leitern derselben ans Herz zu legen. Wir alle kennen jene Zeit, wo zum ersten Mate das Wort Neuerung ausgesprochen und von der Masse als allgemeine Kriegserklärung dem Judenthume ausgenommen ward. Mit allgemeinem Allarmrufe wurden auch die Massen, oft unehrliche, vergiftete, ergriffen, der Kamps mit Fanatismus bis auf den letzten Mann ausgefochten. Bannstrahlen und Schmähschriften, Verdächtigung und Angeberei waren nicht zu schlecht geachtet, um das gesammte Judenlhum von dem gefürchteten Sturze durch Sektirerei zu retten. Aber nicht die Gewalt und nicht die Menge, sondern der Geist, der Gottes ist, mußte siegen. Und so bahnte das Wort eines Einzigen, der es als Gottes Wort nach einer wahrhaften Kabbala auszusprechen verstanden, den Weg des Heils für Wiele — für Viele! nicht für Alle! — Warum? fragt man, und hat mir dieser Frage die Wurzel aller jemaligen und heutigen Uebel berührt; weil eben das Wort nur von Einem ausging. Und war auch der milde Sinn dieses einen, des letzten Moses, niemals gegen die Allen, sondern vielmehr für sie alle gesprochen, so war es doch ganz anders als bei jenem ersten Moses, der da sprechen konnte vl O'üÄ nm. Die Nachfolger und Nachbeter Mendelssohns hatten mit seinem scharfen Geiste zu wenig von seinem friedlichen Sinne geerbt, und ihre nächste Umgebung glaubte, die kaum reifen Früchte, weil der Baum, der sie getragen, aus ihrem Boden eingepflanzt, allein genießen zu dürfen, ehe die Andern alle noch deren Dasein wahrgenommen hatten. Sie fürchteten, es werde diese Judenkirsche, von ungewohnter Hand rauh berührt, zur bittern werden. Ohne Bild, die nachmendelssohnsche Zeit verdiente den Vorwurf des Separatismus und Partikularismus, den man nur mit einem der damaligen Zeit angemessenen Namen der Sektirerei