Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1840)
- Article
- London: Reform des jüdischen Cultus ...
- Date
- 1840-12-05
- Page
- 380 (sequence 2)
- Language
- German
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380 — kehr von ähnlichen Gräueln wie deren der letzten Scenen im Oriente vorzubeugen, was durch die Verbindung mit Europa möglich gemacht werde, theils auch um den gedrückten Glaubensbrüdern aus andern Gegenden dort ein Asyl zu bereiten, wo Klugheit und baare Hülssmittel leicht ein Ansehen gewahren. -Sir Moses fuhrt bekanntlich schon in seinem Wappen eine Fahne Jerusalems; „etwas frühzeitig!" werden Sie sagen; aber die Embleme schaden hier nicht viel, und die Liebhaberei ermuntert dennoch oft zur That. Unterdessen sind L. und I. Goldsmith bemüht, einen Emancipationsverein aus tüchtigen und gelehrten Juden Europas zu bilden, für welchen im Auslande schon mehre Mitglieder gewonnen sind. Sein Zweck ist, den Segen der Emancipation denjenigen Israeliten, die seiner nicht theilhaftig sind, durch vereinte Kraft in besonnener Schrift und Rede zu verschaffen. Schöne- Entwürfe, für deren theilweises Gelingen die praktische Seite des Engländers gute Hoffnung gibt. (L. A. Z.) Deutschland. 19. Nov. Auf eine würdige und wahrhaft erhebende Weise hat gestern die feierliche Eröffnung des jüdischen Schullehrer - Seminars in dem großen Saale der Gemeindeschule Hierselbst stattgcfunden. Viele hohe Staatsbeamte, die Schulbehörde und ein sehr großer Theil der achtbarsten Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde waren' zu diesem feierlichen Acte eingeladen. Die Feier begann nach 11 Uhr mit dem schönen Liede „Früh und spat, du treuer Gärtner". Hierauf betrat der Gemeindevorsteher, Hr. Dr. Veit, im Ramm der Gememdealtesten die Rednerbühne und hielt eine vortreffliche Rede, in welcher er auf die Zweckmäßigkeit und Rothwendigkeit einer solchen Anstalt aufmerksam machte. Er beseitigte besonders den vielfach verbreiteten Jrrthum, als seien besondere Schul- und Schullehrer-Anstalten für jüdische Gemeinden insofern schädlich, weil sie die innige Verschmelzung der Christen und Juden im socialen und politischen Leben verhinderten. Eine solche Trennung sei durch die wohlthuende Wirkung des Zeitgeistes durchaus unmöglich; die einzelnen Kräfte im Staate sollen sich aber nach ihrer eigenthümlichen Weise entwickeln; dieses befördere wahrhaftes Leben, und so beabsichtige es auch die wohlthuende Emancipationsakte von 1812, deren letzten Paragraphen der Redner einer besondern Betrachtung unterwarft Diese Anstalt, die sich des besondern Schutzes der höchsten Behörden zu erfreuen habe, sei erst ein schwacher Anfang .für die neue Belebung des wahrhaft israelitischen Geistes, der sich aber nur in der religiösen Seite bethatigt und bethätigen soll. Von sichtbarer Wirkung war der begeisterte prophetische Schluß der Rede, „die Stimme ist die Stimme Jakobs und die Hände sind die Hände. Esau's", daß, wahrend die -schwertführende .Hand des Esau schlaff verschwunden sei im Strome der Zeit, die Stimme Jakob's alle Zeiten hindurch durch besondern himmlischen Schutz erholten ist und ewig fortdauern wird. Hierauf betrat Dr. Zunz, der Dirigent der neuen Anstalt, die Rednerbühne. In sonnenheller Klarheit legte er die Nochwendigkeit einer solchen Anstalt dar, die zur Ausbildung tüchtiger Lehrer bestimmt ist, Lehrer für die Schule, Lehrer für das. Haus, Lehrer für die Synagoge. Zur besondern Ermunterung der vielen geehrten Mitglieder der hiesigen Gemeinde, deren Wohlthatigkeitssüm fast sprüchwörtlich geworden ist, und der sich erst in der jüngstverflossenen Zeit in der Gründung eines neuen Hospitals bei Gelegenheit der Huldigung offenbart hat, hob er den Gegensatz hervor, der in der Wohlchätigkeit und der Unterstützung solcher Anstalten besteht, aus denen neues und erwärmendes Leben für die geistigen Interessen Jsrael's hervorquillt. Durch geeignete Theilnahme für solche Anstalten kann dem Berufe des Lehrers, der, sonderbar genug und doch erklärlich, grade nicht in der höchsten Achtung bei den Juden steht, seine ihm gebührende Stelle zurückgegeben werden. Wer diesen Mann, dessen Name von allen Kennern der jüdischen Literatur in ganz Europa mit Achtung genannt wird, reden hörte, dürfte gewiß in den Wunsch mit einstimmen, daß ein solches Wort öfter in der Gemeinde vernommen werde. Sollte nicht die Anstalt selbst um einen bedeutenden Schritt sich ihrer 'Aufgabe nähern, wenn auch von dem Dr. Zunz für solche junge Leute einige Vorlesungen eingerichtet würden, die nach zurückgelegter Gymnasialvorbereitung sich hier befinden, um den theologischen Studien obzuliegen, und die sich in ihrem akademischen Leben ohne Führer und Leiter sehen. Es befinden sich viele darunter, die es mit ihrem Beruf ernst meinen, und so könnte einer höher» Anstalt vorgearbeitet werden, die unendlichen Segen verbreiten würde. Den Schluß der Feier bildete die schöne Composition von Julius Stern auf Ps. 150, V. 6. „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn, Hallelujah!" (2.X 3.) Schweden und Norwegen. Stockholm, 13. Nov. Die Statstidning theilt Folgendes aus einer Depesche unserer Gesandtschaft in Konstantinopel vom 6. Oct. min „Das Journal des Debats gab am 27. Aug. einen Artikel von hier, worin dem schwedischen und norwegischen Consul in Rhodus Antheil an den Unruhen, welche in Folge der Verfolgung der Juden auf dieser Insel stattgehabt, zugeschrieben wurde. Ich habe hierüber Auskunft cinzuziehen gesucht, und folgende Antwort auf meine Anfrage erhalten. „Die Angabe beruhe auf einem völligen Jrrthum; es sei nicht die Rede von der Inst! Rhodus, sondern von Scalanuova gewesen, und nicht