Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1840)
- Article
- Newyork : verschiedene Mittheilungen über Judenangelegenheiten [Nachricht]
- Date
- 1840-11-28
- Page
- 372 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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372 Predigt wurde kürzlich von einem sehr gelehrten Doktor gehalten, und eine andere werden wir nächsten Sonnabend von Sr. Ehrwürden Hrn. Isaaks, Vorbeter der Elmstreet Synagoge, hören. Nächsten Mittwoch, am Versöhnungstage, wird derselbe ebenfalls predigen und zwar über die richtige Feier dieses Festes. — Die Juden in Charleston (Südcarolina) haben in ihrer Synagoge eine Orgel eingeführt, das erste Beispiel dieser Art in den vereinigten Staaten. Wir glauben, daß es allgemein als ihren Gesetzen zuwider angesehen wird, am Sabbat musikalische Instrumente zu spielen, und in der That hat die erwähnte Maßregel auf den lebhaftesten Widerstand gestoßen. Großbritannien. 1 London, 3. Nov. In einem Lande, dessen ' Bewohner wegen ihres Pflegma's zum Sprichwort geworden, wo Industrie und Handel beinahe alle ideellen Kräfte aufsaugen, und der Magnetberg, der das Staatsschiff mit Mann und Maus an sich zieht, von Gold ist, dürfte man sich eigentlich nicht wundern, wenn den höhern Interessen der Menschheit weniger Aufmerksamkeit gegönnt würde. Dennoch sehen wir soeben die -Blutanklage von Damask feit ihrer ersten Besprechung in unfern bedeutendsten öffentlichen Organen mit einer Unermüdlichkeit, die an Eigensinn und Leidenschaft grenzt, wiederholt besprochen, widerlegt, und wieder erneut, daß der auswärtige und äußerliche Beobachter stutzig werden muß. Seit ich Ihnen zum letzten Male geschrieben, hat die Times noch nicht aufgehört der Kampfplatz für diese Herausforderungen und Abwehren zu sein. Am 21. und 27. Oktober bringt sie uns Angriffe eines Hrn. T. I. C., welche am 29. von einem Fleischhacker und einem Anonymus nicht viel besser zurückgeschlagen werden, als sie in sich selber stichhaltig sind. Wenn Sie glauben, daß sich Ihre deutschen Leser für Erörterungen des nu h'D, welches den Schwur der HH. Hersehet und Meldola entkräften, und das ‘pöt?, das die Blutanklage bewahren soll, interesstren dürfte, so mögen Sie ihnen dieselben in ext6N80 vorführen. Jedenfalls erlaube ich mir, auf die Antwort einer bessern Feder hinzuweisen, die in den ersten Tagen, vielleicht schon morgen erwartet werden darf, und gelesen zu werden verdient. Indem man aber wie vorerwähnt nach einer localen Begründung dieser befremdenden Erscheinung sucht, dürfte es leicht Jemandem einfallen, sie eben in der englischen Unbeweglichkeit finden zu wollen. Denn die Trägheit des Geistes unterliegt ähnlichen Gesetzen als die physische der Körper. Der trage Geist wie der Körper ruhen daher ihrer Beschaffenheit nach so lange sie keinen Anstoß erhalten. Beide bewegen sich aber auch nach demselben Gesetze beim geringsten Anstoß so lange als nicht ein neuer Impuls eingetreten ist, der eben bei dem indolenten Geiste weit seltener emtritt. Ist dies aber im Allgemeinen wahr, so findet es doch auf den vorliegenden Fall keine Anwendung. Die Anregung und Aufreizung zum Glaubensstreite sowohl, als zu vielen scheinbar liebreichen und humanen Bestreben für die Unterdrückten, gehen von einer bestimmten Partei aus, deren Charakter hier und dort sich dem nahen und eindringenden Beobachter sogleich kund giebt. Wenn ich diese Partei die der Missionäre nenne, so verstehe ich nicht btos die eigentlichen dem Misstonsberufe lebenden, sondern alle der Proselytenmacherei sich hingebenden Engländer, deren Anzahl namentlich der Orthodoxen und Episkopalen alle Vorstellung hinter sich läßt, d. h. nach keinem von andern Landern hergenommenen Maßstabe und Verhältnisse berechnet werden darf. Diese Partei entwickelt in ihrem Zusammenwirken eine ideelle und materielle Kraft, die um so größer in ihrer Wirkung ist, als es eben die hiesigen Juden sind, die in dieser Beziehung so manches zu wünschen übrig lassen. Ich halte es für besser, Ihnen eine pragmatische Darstellung dieser Gesammtvechaltnisse erst dann zu geben, wenn ich durch Mittheitung von Dokumenten und Fakten eine Basis gewonnen, aus der ich den Vorwurf der Subjektivität meines Urtheils sicher zurückschlagen kann. Darum sende ich Ihnen für heute die wortgetreue Uebersetzung eines lithograpHirten Schreibens von einem englischen Clergymans an den Oberrabbiner Hrn. Herschel überschrieben. In meinem nächsten Bericht aber folgen einige prosaische s'isjöetn membra über die in meinem früheren erwähnten Flugschriften u. dgl., über den Resormverein u. s. w. „Sirl Ein Priester der englischen Kirche, der an die Wohlfahrt Ihrer Nation inniges Interesse nimmt, findet in eben diesem Interesse seine Entschuldigung, Ihnen über einen Gegenstand zu schreiben, der mit dem . Wohle Ihres Volkes eng zusammenhängt. Die gegenwärtige Gestaltung der Dinge im Orient nimmt die Aufmerksamkeit aller Höfe Europas in Anspruch. England/Rußland, Preußen und Oesterreich eifern für das Interesse der Pforte; Frankreich stützt den Pascha von Egypten. — Die Streitfrage bewegt sich um den Besitz Syriens und Palästinas. Die vier Machte möchten diese Lander gern der Pforte sichern — Mehmed - Ali und Frankreich sind dagegen, Frankreich möchte diese Länder gern dem Mehmed-Ali sichern, die vier Mächte sind dagegen. Ein angemessener Geldantrag würde die Pforte zur Verzichtung auf ihre Ansprüche bewegen; Mehmed - Ali würde bei dem jetzt kritischen Obschweben seiner Angelegenheiten eine beschwichtigende Gabe nicht zurückweisen, besonders da ihm eine so geartete Ueberlassung Syriens von der gefährliche Nähe der Pforte befreien würde. Ihre Nation ist das^auserwahlte Volk | Gottes. Jehovas Prophezeiungen bestimmen die Rück-