Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1840)
- Article
- Leipzig: über das Institut der Mlle. Hartoch
- Date
- 1840-11-28
- Page
- 371 (sequence 2)
- Language
- German
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inmitten dieser schönen Bahn zurück, und zwar mit dem Bemerken, daß es keinen Rock, keine Schuhe habe, daß sie ihm dergleichen nicht anschaffen könnten, daß es sich vermiethen müsse, um seinen Unterhalt zu erwerben; solche Sachen erneuen sich jeden Augenblick, und ich beklage es oft, keine Glücksgüter zu besitzen; denn wenn ich für einige dieser unglücklichen Kinder das was sie zur Bekleidung brauchen, anschaffen könnte, so würde ich dadurch nicht blos so glücklich sein, sie weiter zu unterrichten, sondern es würden auch junge Mädchen nicht mehr die Schande ihrer Familien sein; denn die, welche sich somit selbst überlassen sind, erscheinen so sehr der Verführung ausgesetzt, daß ihre Eltern nicht einmal das Recht haben, ihnen Vorwürfe darüber zu machen, wenn sie erliegen. Denn wenn diese Art sich von dem elterlichen Hause entfernt / so erscheint sie auch sogleich der Verführung ausgesitzt. Ich schreibe Ihnen dies, mein Herr, mit traurigem Herzen; die eingebornen Frauen begreifen nicht das Geringste von der Heiligkeit der den Frauen auserlegten Pflichten; die junge Generation kann und muß,-'damit sie sich hebe, an dem Unterrichte und an der Sittenlebre Theil nehmen; aber da wird es denn nöthig, daß wir ein Consistorium erhalten, das den Hülfsbedürftigen Unterstützung gewahrt, und mit Weisheit diese unglückliche, in der Irre gehende Heerde leitet, die in ihrer Dummheit, ihrem Elende und ihrer Fehlerhaftigkeit so hinlebt. Doch ich habe mich vom meinem Gegenstände verirrt, aber ich will darauf zurückkommen. — Ich bin gezwungen auf meinen mäßigen Gehalt (das Gouvernement bewilligt mir jährlich 1200 Fr., und dafür muß ich mich mit 80 — 90 Schülern beschäftigen; eine Unterlehrerin wäre mir höchst nöthig, allein ich würde doch keine unter 3—-400 Fr. nebst Beköstigung wir verschaffen können, und bann bliebe mir beinahe nichts übrig) jeden Monat 20 Fr. vorauszunehmen, um damit einige arme Kinder zu erhalten; das ist freilich ein großes Opfer für mich, allein ich hoffe, daß eine Zeit kommen soll, wo diese Annen meine schwache Hülfe nicht mehr nöthig haben und diesen Tag werden der geretteten Seelen willen die Engel freudig segnen! — Sie erkundigen sich, mein Herr, welchem Gange ich bei meinem Unterrichte folge; ich habe wich nicht streng an eine Methode binden können, ich habe nach allen Seiten hm versuchen müssen, um mich den Kräften meiner Zöglinge anzubequemen; so ist es mir vollkommen geglückt. — Meine Zöglinge haben Unterricht im Lesen, Schreiben, im Französischen (Sprechen und Grammatik), in der heit. Geschichte, der Geographie, der neuern, der alten und der römischen Geschichte, in der Arithmetik, in Ihrer Anleitung zum Denken (votre Piecis eiementaire), im Sticken, Zeichnen und allen weiblichen Arbeiten. Sie entwickeln eine bewunderungswürdige Naturgabe, und merken die Lehren, die ich ihnen ertheitt habe, mit der Leichtigkeit, die mich entzückt. Ihr Gedachtniß grenzt ans Unglaubliche; mit einem, Worte, man kann aus diesen Kindern alles machen; ihre Aufmerksamkeit fesselt sich an 'Alles. Unser braver und ausgezeichneter Inspektor, Hr. Lepecheux, beabsichtigt eine ähnliche Anstalt für Knaben zu gründen. Es steht ihr ein christlicher Lehrer für den Unterricht in der französischen Sprache vor und ein eingeborner Jude um die Religion und arabische Sprache zu lehren." — Zum Schlüsse bittet uns Mlle. Hartoch ganz bescheiden, diesen Brief nicht zu veröffentlichen. „Diese Briefe — meint sie — sind für Sie geschrieben, und ich bin sehr betreten gewesen, einen Theil meiner frühem Zuschriften in Ihren Arehives abgedruckt zu lesen. Ich schreibe stets unter dem Drange des Augenblicks und meine Briefe, welche die Unordnung meiner Ideen wiedergeben, sind nicht geeignet, einen Platz unter denen zu erhalten, die von unfern Gelehrten und Männern von Distinction geschrieben werden, und wahrlich, ich schäme mich, wenn ich denke, daß mein weitläufiger Styl von Ihren zahlreichen Abonnenten gelesen worden ist. Mein Herr, lassen Sie Ihre beredte Feder für unser armes Algier sprechen. Heloise Hartoch.^-— Wir glauben bestimmt, daß unsre Leser uns Dank wissen werden für die von uns begangene Jndiscretion. Wenn nichts gefallt, als das, was natürlich ist, fo müssen die Briefe der Mlle. Hartoch viel Vergnügen bereiten. A m tx i f a. 3. Okt. Herr Lyon, Bruder des Vorbeters in der brosbystreet Synagoge, der vor Kurzem von Surinam hier eingetroffen ist, wird nächstens nach Richmond (in Viginien abreisen, wo ihm die Predigerstelle an der dortigen Synagoge übertragen ist. Möge Gott seine Reise beglücken, und ihn in seinem Vorhaben segnen. — Wir hatten beabsichtigt, vergangenen Sonnabend dem Gottesdienst in der Erosbystreet Synagoge beizuwohnen, um den Bruder des Vorbeters Lyon predigen, zu hören, und ungeachtet Hr. Lyon in der letzten Woche unpäßlich gewesen war, so hat er dennoch seine Aufgabe meisterhaft gelöst, und sein Vortrag allgemeinen Beifall gefunden hat. — Die Katholiken in diesem Staate setzen Himmel, Erde und alle Heiligen in Bewegung, um einen besondern Antheil an dem allgemeinen Schulfonds zu erlangen. Die andern Sekten, mit Ausnahme der Juden, widersetzten sich; hier vereinigen sich also Juden mit Katholiken zum erstenmal seit 1840 Jahren! — Die Juden in Elmstreet sind entschlossen, mit den Juden von Erosbystreet zu wetteifern, nicht kn Verfeinerung und Wohlstand, denn dies können sie nicht, sondern in der Religion- Sie sind sicherlich ihrer Religion mehr ergeben als die ersteren, und gewissenhafter in Beobachtung der jüdischen Gesetze. Eine vortreffliche 48 *