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Der Orient · 1840-11-14 · Heft 46 (14.11.1840) · p. 354

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 46 (14.11.1840)
Article
Türkei : Montefiore in Constantinopel [Nachricht]
Date
1840-11-14
Page
354 (sequence 2)
Language
German
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354 großen Reiche des Halbmondeswird sich gern dem oberherrlichen Schutze Abdul-Medschid's unterwerfen, wo der Hattischerif von Gülhane Leben und Eigenthum aller Bekenntnisse sichert, wo>die orientalische Willkür vor einer europäisirten Gesetzlichkeit gewichen und wo die vier bedeutendsten Mächte Europas die Oberhoheit des Halbmondes überwachen. Nimmer werden Palästina und Syrien, diese durch die jüdische und christliche Bevölkerung fast ganz europäisirten Landestheile, einem usurpirenden durch Kriegsglück zufällig gehobenen Pascha gehorchen, der bei all seiner maßlosen Kühnheit es doch nicht verstanden in eigener Machtvollkommenheit aufzutceten, der sich von der unmoralischen und in sich verfahrenen Politik Frankreichs gängeln laßt, und der durch französischen Einfluß verleitet furchtbare Erpressungen zu üben und Justizmorde zu begehen gezwungen ist. Deutschland. □ Berlin, 20. Oct. Ein Correspondent der Allg. Zeit. d. Judenth. weiß von dem Neubau einer Synagoge und der Errichtung eines Fleischscharren in hiesiger Gemeinde aus sicherer Quelle zu berichten. Wenngleich nun die Correspondenten aus sicherer Quelle daselbst bis jetzt, was die Angelegenheiten der Gemeinde betriffc, sich keines besondern Zutrauens in der Welt erfreut, so glaubte ich dennoch die ausdrückliche Bemerkung der Oeffentlichkeit schuldig zu sein, daß an der ganzen Sache kein Wort wahr sei; wenigstens wissen der Vorstand oder die Aeltesten der hies. Gemeinde Nichts davon. Aus welcher andern Quelle diese Nachricht fließt, vermag ich nicht anzugeben. Es ist dagegen sicher, daß man leider hier kein besonderes Bedürfniß nach Dethäusern, mindestens nicht im Rath, wenngleich im Volke, fühlt, daß man sich lieber mit andern Anstalten beschäftigt, so z. 33. was -Sie aus öffentlichen. Blättern schon wissen'werden, mit der Errichtung einer Versorgungsanstalt für würdige Greise. Es ist zwar dieses Streben und dieser Eifer sehr löblich, und verdient gewiß volle Anerkennung; aber traurig ist es, daß man an das religiöse Leben und die religiösen Anstalten gar nicht denkt, und daß man in der That nicht dem Bedürfnisse im Volke nach einem Gotteshause von Seiten des Vorstandes abhilft, da bekanntlich die eine Synagoge, die wir haben, kaum den zehnten Theil der jüd. Einwohner faßt. Da herrscht doch in kleinen Gemeinden ein viel besseres Streben; und Sie erlauben mir ein Beispiel zu ermahnen, das für Ihr geschätztes Blatt ein um so größeres Interesse haben dürfte, weit es einen Ihrer Mitarbeiter, betrifft. Die Gemeinde in Stettin hat bekanntlich vor einigen Jahren sich eine Synagoge erbaut; und sie benutzte die Anwesenheit des Candidaten I. A. Frankel, um darin auch einige religiöse Vorträge zu hören. Da derselbe sich eines ungetheilten Beifalls zu erfreuen hatte, so verabsäumte dieselbe nicht, zur Huldigungsfeiec ihn wiederum aufzufordern und einzuladen, einen Vortrag dort zu halten, woselbst er sich noch befindet. Wenn da die Mittel ausreichten, würden wir gewiß bald einen Rabbinen das Wort Gottes dort verkünden hören, und die Jugend in Gott heranbilden sehen» Der (hänge Wille zeigt uns die fromme Gesinnung, und gern will man das Wort Gottes hören; nur die Mittel reichen nicht aus. Eine gleiche Gesinnung spricht sich auch in allen andern Gemeinden aus; nur die Hauptstadt bleibt bei der Fülle ihrer Mittel dennoch zurück. Hier, verfolgt man ein anderes Ziel, man will durch äußern Glanz der irmern Zerfallenheit aufhelfen. Berlin, 26. Oct. Sie dürfen erwarten, daß der 15. Oct., der Geburts- .und Huldigungstag Sr. Majestät, unsres allverehrten Königs, auch von der jüdischen Gemeinde Hierselbst als ein großer und ausgezeichneter Festtag begangen worden ist; da ja die ganze Bevölkerung sich so sichtbar anstrengte, dieses historische Fest hoch über das Werkeltagsleben zu erheben. Die Vorbereitungen zu diesem Feste setzten Berlin schon wochenlang in Bewegung und die jüdische Bevölkerung nahm daran regen Antheil; denn mit Freuden muß es gesagt werden, daß die Berliner Bürger mosaischen Glaubens das Fest nicht in Abgeschlossenheit und Beschränkung auf ihre Kreise zu begehen hatten, sondern daß sie mit der Gesammtmasseder Bürgerschaft feierten, ein jeder jüdischer Bürger in der Abtheilung seines Bezirks. Sie schwuren darum auch inmitten ihrer christlichen Glaubensbrüder den zu leistenden Huldigungseid, nur mit Weglassung der Schlußworte, welche allein für Christen von Bedeutung waren» Eben so wurden die Vorsteher der jüdischen Gemeinde mit den andern städtischen Körpern zu dem großen Gastmahle gezogen, welches der König veranstaltet hatte, und dessen Großartigkeit allen Lesern schon durch andere Blätter bekannt geworden sein dürfte. So ist es, wie wir es wünschen, und wie jeder aufmerksame Jude, der das Glück seines Volkes in der Nahe und nicht in der Ferne sucht, es wünschen muß. — Dadurch jedoch blieb nicht ausgeschlossen, daß die jüdische Gemeinde Berün's noch nach einem besondern Ausdrucke ihrer Gefühle suchte und demselben durch religiöse Festlichkeit Weihe und Bedeutung gab. Erwähnt zu werden verdient, in dieser Beziehung der Beschluß des Vorstandes, eine Subscription zur Begründung eines neuen Hospital-Gebäudes für arme, alte und der Unterstützung werthe Israeliten zu begründen, ein Projekt, welches mit einer solchen Acclamation ausgenommen wurde, daß schon am Huldigungstage mehr als 15,000 Thlr. gezeichnet erschienen. Man sieht hieraus, welche reichen Mittel die etwas über 6000 Köpfe stacke Ge- ■ meinde besitzt, und wie dieselbe durchaus nicht im Stande! ist, Unzulänglichkeit dlr Mittel vorzuschiebcn, wenn wir

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