Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1840)
- Article
- Düsseldorf [Nachricht]
- Date
- 1840-11-07
- Page
- 350 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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350 — Gott erbarme sich dieses unheilvollen Wesens und befreie Israel aus den Fesseln, die so furchtbar auf seinem Geiste hier lasten. , Gssen, 18. Octbr.' Der 15. October, als der große Festtag des Preußenlandes, an welchem die Nation dm Geburtstag ihres Monarchen feierte und zugleich ihre Huldigung,ihm brachte, wurde auch in unsrer Synagoge auf das feierlichste begangen. Schon vorher machte ein Programm, das zum Besten aller Ortsarmen verkauft ward, den Hergang der Feier kund und spannte die allgemeine Aufmerksamkeit. Darum aber war auch der Tempel an dem Tage der Feier so gedruckt voll, daß im eigentlichsten Sinne keine Apfel zur Erde falte konnte, und wäre der Tempel noch einmal so groß gewesen, er hatte gewiß die Volkszahl nicht zu fassen vermocht, die ohne einen Platz zu erhalten, an den Schwellen des Gotteshauses wieder umkehren mußte. — Beim Eintritt überraschte den Schauenden die sinnigste Ausschmückung des Tempels durch Kranze und Guirlanden, die durch die Beleuchtung der Hunderte von Kerzen nur noch mehr gehoben und ins Feierliche gezogen wurde. Namentlich erwarb sich in dieser Beziehung der Arzt Dr. Hirschland unbestrittene Verdienste, indem er nicht allein die Wünsche und Ideen des Herrn Dr. L i e p m a n n sso h n' bereitwillig unterstützte und ausführte, sondern auch selbst mit seinem umsichtigen Rache an die Hand ging. Die linke Seite erschien durch zwei Palmzweige decorirt, die sich unten kreuzweis verknüpften und in ihrer Mitte die Chiffren enthielten: Fr. W. IV. N"!^ als eine Anspielung auf die Gerechtigkeitsliebe des Königs und auf das Suckot-Fest. Auf der rechten Seite befand sich ein Kranz mit der Inschrift: Hoschiana, NJpn,. Die beiden Säulen vor dem Altäre waren ebenfalls mit Guirlanden umwunden und zwischen ihnen befand sich die Inschrift: Gerechtigkeit,. Weisheit- Stärke und Liebe. Am &mpn jhn las man die Inschrift: a) Heil und Gnade dem Hause Israel, b) Kinder Zions freuet Euers Königs Euch. Die Feierlichkeit begann mit dem dritten Psalm in eigener Melodie. Darauf ward ein Gebet für den König gesprochen, das natürlich die reichen Beziehungen des Festes enthielt. Darauf sang man den 1. und 2. Vers des Liedes: Heil unserm König, Heil! in hebräischer Ucbersetzung, nach deren Beendigung Herr Dr. Liepmannsfohn als Festredner auftrat und durch gediegene, inhaltreiche Worte dem Feste seine Weihe gab.*) Nach der. Festrede erfolgte der Gesang des dritten und vierten Verses des vor dieser Rede abgebrochenen Liedes. Es begann nun der feierliche Huldigungsact, an welchen sich Segen "und Fürbitte schloß, wvrauf die Feier mit Absingung der Pf. 150, nach eigner Melodie, 113. 116. 117 und 118. endete. — Referent dieses hat nichts zu bemerken hinzuzufügen, als daß die Feier mit ungetheiltem, wir möchten sagen, stürmischem Beifall ausgenommen ward. *) JF>evc Dr. Liepmannsfohn, der seit einiger Zeit hier privarisirt, hat sich überhaupt durch seine östern und gediegenen Vorträge um unsre Gemeinde viele Verdienste erworben. Anmerk, des Corresp. Licht- und Schattenbilder aus der jüNifchLn Geschichte der Gegenwart. Die Juderrfchaft Her Stadt Danzig?) '.Die Juden Danzig's haben das eigentümliche Schicksal, durch ihre Berührungslosigkeit mit der Fremde und dem eigentlichen Territorium der jüdischen Zeitgeschichte aller Orten ver¬ *) Diese folgende Replik gegen Hrn. D —n. in Nr."41 dieser Blätter konnte ich bei aller Unpartheilichkeit leider nur fragmentarisch abdrucken lassen, da sie nur zu. oft das historische Element und die männlich richtige Haltung aufgegeben hat. Red. kehrten Urtheilen ausgesetzt zu sein. Nichts desto weniger aber haben auch sie ihre Entwickelung und ihre Geschichte, und wer es sich zur Aufgabe macht, diese vor das Forum der Oeffentlichkeit zu bringen, der sollte fühlen, daß er kein profanes, selbstsüchtiges Geschäft vor sich habe, sondern, daß es ihm obliege, in historischer, objcctiver Unpartheilichkeit ein abgerissenes Stück Geschichte einzugliedern in die allgemeine Bewegung der. Zeit. Danzig besteht wirklich wie Hr. D —n. in Nr. 41 dieser Blätter berichtet, aus fünf Gemeinden; doch daß ihre räumliche Vertheilung an den Mottau-Uftrn uyd ihre Beerdigungs- Verwaltung der Fremde minder wissenswert erscheinen könnte, als ein Blick in die factische Notwendigkeit dieser Forderung