Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 44 (31.10.1840)
- Article
- Die fortschreitende Entwickelung der Cultur der Juden in Deutschland
- Date
- 1840-10-31
- Page
- 692 (sequence 2)
- Language
- German
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&>te Kultur oer suocn m L)emfN)lano. Eticvanjcpe mv somct;te< 693 gestärkt, daß der Funke der Begeisterung für göttliche Wahrheit in den Gemüthern angefacht, als daß einzelne mangelhafte Formen von außen bekämpft und zerstört werden." Diese in so lebendigen Zügen geschilderte Regeneration des Iudenthums besserte auf der einen Seite die politischsocialen Verhältnisse der Juden, und bewirkte anderer Seits eine höhere Erforschung des Iudenthums in seinem Wesen und Erscheinen. Dieser ^hern Forschung leisteten ganz besonders die gehaltreichen literar-historischen Leistungen des Dr. L. Zu n z in seinen Gottesdenstlichen Vortragen der Juden (Berlin 1832) treffliche Dienste und starken Vorschub. Es wurden die Juden hierdurch auf den Neichthum ihrer Literatur und deren vielfach wichtigen Inhalt aufmerksam gemacht, und gleichzeitig unbewußter Weise in das Feld der Kritik eingeführt: biblische Exegese und hebräische Grammatik gewannen dadurch für sie mehr wissenschaftliches Interesse, und so wurden die guten Folgen der Zunz'schen Leistungen fast unberechenbar groß. — Mittlerweile machte sich die Idee einer allgemeinen Geschichte der Israeliten immer mehr Raum, verschaffte sich mehr Anerkennung und Gönner, und wiederum war es Herr Dr. I. Jost, der mit einem solchem Werke (zwei Bände, Berlin 1832) hervortrat, wobei er übrigens schon mehr des Iudenthums gedachte, und dessen goldkernigm Gehalt nicht mehr in die laufende Münze der Zeit umsetzen wollte. — So bedingte das wissenschaftliche Streben der Juden eine neue Gestaltung des jüdischen Lebens; die Zahl der studirten Rabbiner nahm zu, der Religionsunterricht gewann an innerem Gehalt und äußerer Ordnung, und dem Gottesdienste suchte man allmahlig eine entsprechendere Gestalt zu geben. Die sonst gegen derartige Institute sich geltend machende Opposition, trat aber nunmehr weniger hervor, weil ihre Krass in sich gebrochen war. Denn nicht waren es jetzt einzelne Prediger oder Religionslehrer, die immer nur in einem losen Verhältniß zu den Gemeinden stehen, welche jene.Elemente dem jüdischen Leben einverleibten; sondern die Rabbiner, die Repräsentanten der Gesammtheit und Hauptträger des jüdischen Lebens. — (Schluß folgt.) Literarische Skizzen imö Berichte. Die angelsächsische Übersetzung ies A. von einem Mönch Alfric in England im 10. Jahrhundert angefertigt, ist: nach der Vulgata, hingegen die armenische, georgianische und slavisehe Uebersetzung nach der Septuaginta vrefertigt. Aber so wohl die Dcscendentcn der Vulgata als der Septuaginta sind schon so weit von dem eigentlichen Quell entfernt, daß man sich mit Recht über die Kanonisirung dersesbcn wundern muß. — Mit Nächstem erscheint ein neuhebräisches Monatsblatt, Wek, Zion, betitelt, gemeinschaftlich von Hrn. Dr. I. M. Jost (ISDN' pnu’ p OIID) und Dr. M. C reiz-nach Otyynp -WD p ^2'Q), ein Bogen in Octav stark, dessen Jahrgang 2J Fl. kosten soll. Die ausgegebene Ankündigung pBOD gibt als den Inhalt desselben an '"01 dwjid niöDi bt£/n “idioi m.wj nonm rmi D'HDD von welchen freilich nur die zwei letzten Sätze speciell genug ausgedrückt sind, und sehr ungern vermißt man Biographien, Dttf 't£ON' nnbin, die jedenfalls wichtiger sind, als die unbestimmte ilDDH* Mit Vergnügen nimmt aber gewiß jeder Freund der neuhebräischen Literatur diese Ankündigung auf, zumal für hebräische Produktionen jetzt gar kein Feld offen ist. — L u z z a t t o 's Werkchen C h o k e r u - M e k u b a l, welches durch Dr. Frey st adt in Königsberg erscheint, ist nun nach den Aushängebogen, die ich in Händen habe, zu schließen, bald vollendet, und ich stehe nicht an, es im Voraus den Freunden der neuhebräischen Literatur angelegentlichst zu empfehlen. Der Druck ist höchst elegant und angenehm, eben so vortrefflich ist das Papier, und die Zusätze zu der schlechten Lemberger Ausgabe sind so stark (z. B. gleich nach dem zweiten Abschnitt fehlen dort acht Abschnitte), daß man es mit Recht als editio princeps ansehen kann — An Dr. Formstecher. Im Orient Nr. 38 habe ich freilich Ihren Prospektus pomphast genannt und Ihre prahlenden und maaßloje Angabe des Inhalts so bezeichnet, als hätten Sie nicht Ihre Worte genugsam überlegt, aber an eine Gehässigkeit habe ich im Entferntesten nicht gedacht, und ich konnte auch nicht daran denken.. Waren denn Ihre Aufsätze in Geiger's Zeitschrift geeignet, eine Gehässigkeit zu erweckend Ich glaube vielmehr, daß Ihr Werk besser als Ihr Prospektus es verspricht, d. h. etwas ganz anders sein wird; aber diese Windmacherei und niNErttt iu einem Prospectus, noch dazu von einem Manne, der wissenschaftliche Befähigung genug besitzt, als daß er &« lügen und zu prahlen nöthig hat, das verdient nach meiner Ansicht die herbste Rüge, so sehr ich Sie hochschätze und Ihren literarischen Arbeiten die Anerkennung mit Vergnügen zolle. Daß Sie aber dieselbe Gehäßigkeit wiederholen, die schon Ihr Meister vor kurzem gegeben, daß nämlich in Frankfurt das Blatt nicht dem Namen nach bekannt ist, so frage ich Sie, ob das ein wissenschaftlicher Ruhm, ein so lobenswerthes Factum ist, daß man dafür wenigstens einen Orden verdient? Abgesehen davon, daß es unwahr ist, indem in Frankfurt wohl eiiw ansehnliche Zahl Exemplare gehalten werden, so werden Sie bei Ueberlegung selbst finden, daß es ein trüber Geist sein muß, welcher der Unkenntniß und Unwissenheit sich noch rühmt. Eher als Dr. Jost konnte ich seit fast zwei Jahren sagen, daß die Annalen in Leipzig nur dem Namen nach bekannt sind, da ich wirklich der einzige Abonnent bin; aber mir kam eine solche Gehäßigkeit nie in den Sinn. Ohne Frankfurt und seine Umgegend, ohne Sie Hr. Dr. Formstecher und ohne Dr. Jost, trotz aller grundlosen Gehässigkeiten und Anfeindungen, hat der Orient (merkwürdig! weder Hr. Jost noch Hr. Formstecher getrauen sich den Namen auszusprechen!) seine Existenz