Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1840)
- Article
- Kassel
- Date
- 1840-10-24
- Page
- 333 (sequence 2)
- Language
- German
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333 ri will ich Ihnen melden, daß wir durch Vermittlung unsecs Landrabbinats eine neue, allgemeine Leichenordnung •! erhalten haben, die vorigen Monat allen Gemeinden : zur Nachachtung publicirt worden ist: Das Wesentlichste! derselben besteht etwa in folgendem : Ueberall sind Brüderschaften zu errichten und unter Aufsicht der Rabbiner und Gemeindevorsteher zu stellen. Die ganze Prozesston und Trauerfeierlichkert hat ihren bestimmten, vorschriftmäßigen Gang zu nehmen, nur da, wo das Herkommen : und die Sitte einen abweichenden Brauch geheiligt hat,; der nicht störend wirkt und nicht auffällig ist, hat es dabei sein Verbleiben und kann man von den gegebeft nen Vorschriften abweichen; dem Rabbinen ist es ex officio gestattet, eine Grabrede zu halten, er wird dafür'bezahlt, kann jedoch nicht dazu gezwungen werden, j Will ein Anderer sprechen, so kann das nur mit Er- H laubniß der Behörde (?!) und Bewilligung der Leidtrai genden geschehen. B. Schwerin, 25. Sept. Es ist den Lesern diei j ses Blattes nicht unbekannt geblieben, daß durch ein |;j landesherrliches „Statut" die kirchlichen Verhältnisse der;; Israeliten in Meklenburg- Schwerin eine ebenso ducch- : > greifende als wohlthatige Veränderung erfahren haben, ft Eine Folge dieser neuen Organisation war die Ernennung eines Landrabbiners für die sammtlichen israelitischen Gemeinden des Landes, und die landesherrlich bestätigte :i Wahl des kraft jenes Statutes constituirten jüdischen „Oberraths" siel unter mehreren tüchtigen Mitbewerbern i auf den Herrn Dr. Samuel Hold he im, bisherigen j Rabbiner zu Frankfurt a. d. Oder, einen Mann, dem theils der Ruf feinet' treuen, gesegneten Wirksamkeit in l; dieser amtlichen Stellung, theils die Früchte seiner schriftj stellerischen Thätigkeit *), theils die vor der hiesigen Gemeinde gehaltene Probepredigt die allergünstigsten Zeugnisse ausgestellt hatten. Am letzten Sonnabend nun fand in der hiesigen Synagoge die feierliche Einführung des nunmehrigen Landrabbiners, zugleich als speciellen Seelsorgers für die schweriner israelitisthe Gemeinde, in sehr würdiger und ansprechender Weise statt. Zu den zahlreich versammelten Gemeindegliedem gesellten sich nicht ' blos die eingeladenen Mitglieder von Landes- und städtischen Behörden, so wie der christlichen Geistlichkeit beider Eonsesstonen, sondern auch eine beträchtliche Anzahl anderer Personen aus allen Ständen bezeugte durch ihre Anwesenheit und durch ihr Verhalten eine freundliche Theilnahme an diesem für unsere israelitischen Brüder *) Die dem Referenten bekannt gewordenen schriftstellerischen Arbeiten des Herrn Dr. Holdheim sind folgende: a) Rede, - verfaßt und. gehalten in Kempen rc. Berlin, 1836. o) Rede, . gehalten am 1. Sabbat Chanueka in der Synagoge zu Frankfurt a. O. K. Franks, a. O., 1838. c) Gottesdienstliche Vorträge. Erstes und zweites Heft. Franks, a. O., 1839. <1) Der religiöse Fortschritt im deutschen Zudenthume. Lcip- ' zig 1840. so bedeutungsvollen Akte. Nach Beendigung des allgemeinen Theils der gottesdienstlichen Sabbatseier und nachdem die landesherrlichen Commissanen, Hr. Geh. Canzleirath Müller und Herr Schulrath Meyer, erschienen waren, ward Herr Dr. Holdheim von den Vorstehern der Gemeinde in die Versammlung und zu seinem Platze zwischen den beiden Herren Commissarien geführt, von welchen der erstgenannte nunmehr in einer Rede die huldvollen Absichten des Landesherrn bei der neuen Organisation der kirchlichen Verhältnisse Israels entwickelte, und das zuversichtliche Vertrauen aussprach, der Hr. Landesrabbiner werde zu deren Realistrung eifrig und erfolgreich Mitwirken, eine Erwartung, welche nach Kräften erfüllen zu wollen Herr Dr. Holdheim mittelst Handschlages und einiger offenbar tief aus dem Herzen kommender Worte versprach. Nachdem sodann auch Herr Schulrath Meyer bei Ueberreichung der Bestallung ebenso schön gedachte wie kräftig und herzlich vorgetragene Worte gesprochen hatte, bestieg Hr. Dr. Holdheim die Rednerbühne, und sprach nach einem inbrünstigen Gebete seine Empfindungen an diesem für ihn und für seine Glaubensgenossen so wichtigen Tage, sein tiefes Durchdrungensein und seine klare Eckenntniß von der Unentbehrlichkeit der göttlichen Hülfe und des Vertrauens seiner Gemeinden für die segensreiche Führung seines Amtes in einer Rede aus, die, wenngleich der äußere Vortrag Einiges zu wünschen ließ, doch durch Gedankenreichthum, Fülle und glückliche Anwendung biblischer Stellen, Wärme der Empfindung und Schönheit der Diction in hohem Grade sich auszeichnete. Mit Absingung eines Gebets schloß sich eine Feier, die durch ihre hohe Bedeutung und durch ihren würdigen Verlaus unverkennbar auf alle Anwesenden einen Liefen, wohl- (huenden Eindruck machte. Referent aber schließt diesen kurzen Bericht mit einem herzlichen Gruß und Willkommen für Herrn Dr. Holdheim, und mit dem aus seiner Rede entlehnten Wunsche: möge die Negierung unsers Paul Friedrich durch die geistige,und bürgerliche Erhebung Israels in seinem Lande bezeichnet und verherrlicht werden! (Ab. Bl.) Ungarn. Pesth, 29. Septbr. Auch wir besitzen eine israelitische Klein-Kinder-Bewahranstalt, die bereits über hundert Zöglinge zählt. Ob man über dergleichen Anstalten sich freuen oder betrüben soll, ist eine Frage, welche die Zeit besser beantworten wird, als es die Wissenschaft kann. So viel erlaubt sich Referent dieses zu bemerken, daß er seine Kinder nur dann einer solchen Anstalt anvertrauen würde, wenn sie ganz anders angelegt erschiene, als wie die bislang bestehenden ins Leben getreten sind. Unter den jetzigen Verhältnissen und Gestaltungen betrachtet sie Res. für nichts, als einen