Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1840)
- Article
- Königsberg: die Gemeinde in Dirschau betreffend
- Date
- 1840-10-17
- Page
- 325 (sequence 2)
- Language
- German
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325 Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König! Allergütigstec König und Herr. Ew. Königl. Majestät wagen wir, Abgeordnete der hiesigen israelitischen Gemeinde, im Gefühle der höchsten Liebe und Dankbarkeit für die gegen die Deputation unsrer Glaubensbrüder zu Berlin huldreich ausgesprochenen Versicherung Königl. Gnade, die Versicherung unserer unerschütterlichen Treue und Anhänglichkeit ganz unterthanigst zu Füßen zu legen. Durch die unter den Repräsentanten unserer christlichen Mitbürger leider noch bestehenden Religionsvorurtheile sind wir des hohen Glücks nicht theilhaftig, unsre heißen Wünsche und Empfindungen für das ewige Wohl unsers Königl. Hauses öffentlich dort zum Himmel hinauf zu senden, wo Tausende sich heute einsinden dürften, um ihre Freude über den unserer Stadt zu Theil gewordenen hohen Besuch laut werden zu lasten. Ew. Majestät werden indeß den Ausdruck unserer innigsten Verehrung auch hier von uns entgegen zu nehmen allergütigst geruhen, wo wir anstatt zierlicher Empfangsfeierlichkeiten nur mit treuem Preußenherzen und echter Unterthanenliebe den Ort vielfach schmückten. Von gleichen Gefühlen beseelt betet heute unsre jüdische Gemeinde für das Glück des hohen Königspaares vor den Herrn aller Confessio ne n, vor dem keine Religionsverschiedenheit gilt, und dessen Vertreter wir in unsrem geliebten Landesvater verehren. Hoch leuchtet das preußische Regentenhaus in ewig lichtem Glanze Europa als Vorbild herab, denn es darf jeder Unterthan hier dem Throne der Gerechtigkeit und Liebe nahen, auf dem des herrschenden Vaters glorreiche Hand seinen Kindern nur Glück und Trost spendet. Mit Vertrauen bitten wir Ew. Königl. Majestät unterthänigst um die Fortdauer allerhöchst dero gnädigen Schutzes und Wohlwollens". Der König verlangte von Magistrat und Landrath sofort Aufschluß über diese Intoleranz, und da sie sich nur, schlecht vertheidigen konnten, so kehrte er ihnen den Rücken mit dem Bemerken, er verlange umgehend einen genügenden Bericht darüber. Man ist auf den Ausgang gespannt. Schwedin, 19. Sept. Der heutige Tag war ein wichtiger, bedeutungsvoller für die Bekenner des mosaischen Glaubens in Meklenburg - Schwerin. An ihm fand in hiesiger Synagoge die feierliche Jntroduction des Hrn. Dr. Holdheim (bisherigen Rabbiners in Frankfurt a. d. O.) als großherzogl. Landesrabbiners statt. Eingeleitet wurde dieser Act durch entsprechende Anreden von Seiten der zur Anordnung der israelitisch-kirchlichen Verhältniste landesherrlich bestellten Commissarien, der Herren Geh. Canzleirath.Müller und Schulrath Meyer, in Gegenwart nicht blos einer andächtigen Gemeinde, sondern auch mehrerer Mitglieder der hohen Landesregierung, des verehrlichen Magistrats rc. Nachdem Hr. Dr. Holdheim in die Hände der Commiffarien das statutenmäßige Gelöbmß abgelegt, seine Pflichten gegen den Staat und die Gemeinden stets gewissenhaft erfüllen zu wollen, und darauf seine Bestallung entgegengenommen hatte, bestieg er die Kanzel und entwickelte in einem durch Inhalt und Form sich auszeichnenden, tief ergreifenden Vortrage die Aufgabe seines hohen Berufes aus der einen, und die Anforderungen an die Gemeinden auf der andern Seite. Das Schlußgebet sprach die dankbaren Gefühle der israelitischen Unterthanen gegen den erhabenen, humanen Landesvater, als Schöpfer des Statuts, aus. Ein erfreuliches Zeichen religiöser Eintracht und wahrer Frömmigkeit war die Anwesenheit fast aller hiesigen Geistlichen der protestantischen und katholischen Confessi'on, nicht minder die Gegenwart zahlreicher christlicher Zuhörer aus verschiedenen Ständen. H. N. Z. Ungarn. AvBö, 1. Sept. Ueber den Unterricht in der jüdischen Cursivschrist in Js ra eliten sch ulen. Von zwei Gegenständen des öffentlichen Schulunterrichts, zu deren Abschaffung in der Altgem. Zeitung des Judenthums der Aufruf ergangen ist, dem Jüdisch - Schreiben und der Gebet-Uebersetzung, hat bis jetzt nur eine Entgegnung zum Schutze des letzteren daselbst die Gunst der Aufnahme erlangt;.eine Entgegnung vom höhern Standpunkt der generalisirenden Uebersicht, wie sie die Redaktion (Jahrg. 4, Nr. 7) charakterisirt, und von einem Abfasser, der, in der Wiege schon ein Speß, sich so schnell in den Journalistenron hineingearbeitet, daß man sich versucht fühlt, ihm die eigentliche Publicistik als den angemessensten Wirkungskreis anzuwünschen. — Was seine Leistungen im Gebiete der Literatur betrifft, so laßt sich wenigstens bedauern, daß er uns, minder theoretisch-gründliche Leser, für reis genug hält, die Resultate seiner kritischen Quellenforschung ohne alle Einführung in die Spiralwindungen seiner Demonstration einsehen zu können. So z. B. wird in dem besprochenen Aufsätze mit einer der Gelegenheitlichkeiten, welche zu seiner Lieblingsweise zu gehören scheinen, dem historischen Jost wie dem archäologischen Kunz der anachronistische Schnitzer, zwar nicht nachgewiesen, doch mit der Versicherung seiner Erweislichkeit angerechnet, daß sie die Abfassung des Sektirergebetes (DW^V) der Zeit des ältern Gamliel zuschreiben, da es, auf Ehrenwort und Quellenstudiums- Credit, erst zwei Generationen spater, unter dem Patriarchat des zweiten Gamliel entstanden ist. „Beweisen läßt sich Vieles, behaupten gar nichts," hörte ich einmal in einer Gesellschaft auseinandersetzen. Sogar hat einst ein scharfsinniger Rabbi die Schlußfolge zu ziehen gewußt, daß Hiob der Ansicht -jenes Talmudisten angehangen, welcher seine ganze Existenz bestreitet. Vielleicht laßt sich auch durch gründlichere Forschung beweisen, daß der zweite Gamliel der Vorgänger seines eigenen Vaters, des Märtyrers Simon, gewesen; ja sogar, daß dieser Simon den ihm prophezeiten Martyrertod bereits eine Generation früher überstanden hatte, bevor noch die Prophezeihung geschehen. So lange aber diese Beweise vorenthalten bleiben, bleiben wir auch geneigt, dem durch Jost und Kunz fortge-