Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1840)
- Article
- Replik / G.
- Date
- 1840-10-17
- Page
- 328 (sequence 1)
- Language
- German
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328 thümllchkelt mehr abgestreift wird, so muß ich gestehen, daß mir gerade gegen diesen Hang zum Abstreifen die strengste Sorgfalt nöthig scheint. Haben wir denn noch immer zu wenig erfahren, um von dem Sanguinismus abzukommen, daß mit dem unbedingten Ablegen die Besserung schon gewonnen sei? Ueberlebte Formen müssen den wirksameren weichen, veraltete den neueren, störende den förderlichen, widerliche den anmuthigen. Was aber ohne Nachwuchs frischerer Gestaltung in stetem Abstreifen begriffen ist, -das wird endlich der gänzlichen Auflösung zum Raub. Warum soll denn gerade bei uns jede Eigenthümlichkeit rücksichtslos ein Gegenstand des Anstoßes sein? Ist doch die große weite Schöpfung Gottes nur ein harmonisches Ganzes; und doch kann jedes, von den weitläufigen Naturreichen bis zu den dürftigsten Spelcen, nur..in feiner Eigenthümlichkeit als Theil dieser Harmonie bestehen. Auswüchse und Entartungen sind Mißtöne in der Harmonie; aber nicht schadlose Gestaltungen, die aus der innern Natur der Sache entwickelt sind. Sei es die Kunst, mit eignen Charakteren schreiben zu können, oder die Gewißheit, daß keine Glaubensformel ein Vergehen zu sühnen vermag/ daß mit Berechnung dieser Formel verübt worden ist. L. Skreinka. Persorralchronik und Miseellerr. Von David Samostz ist in Breslau zum Besten der Armen herausgegeben worden ein hebräisches Trauergedicht, betitelt 'Vtt h)pf welches den Hingeschiedenen König von Preußen besingt. Die schöne deutsche Uebersetzung davon ist von I. S. Die Jahrzählung ist sehr sinnig mit Sieben, da der Hingeschiedene wirklich so beigenannt. — Ein anderes hebräisches Gedicht, welches uns vorliegt, t#-,n betitelt, ist einer Gesellschaft für Armenbekleidung, die ffflN heißt, gewidmet. — * * * Predigt-Literatur. Dr. Alex. Abraham Wolsf, Rabbiner in Copenhagen, hat bei Trier in Copenhagen vier Predigten, die auf Veranlassung des Regierungswechsels in Dänemark gehalten wurden, durch den Druck veröffentlicht, Nächst Salomon in Hamburg hat Dr,. Wolfs freilich die meisten guten Predigten veröffentlicht; dennoch wünschen wir, daß er auf der Bahn der Exegese, wie er sie in seinem Habakuk-Commentar betreten, fortfahren möchte. — So eben ist uns auch von Dav. Meldola, dem Rabbinen der span. Gemeinde in London', eine treffliche, wahrhaft jüdische Predigt die Pesachfeier betreffend, zugekommen. Die englischen jüdischen Predigten zeichnen sich durch ächt jüdische Frömmigkeit und altnationale Gefühle sehr vortheilhaft aus, und es wäre sehr zu wünschen, daß sie sich von derjenigen Bestrebung in Deutschland fern halten möchten, die das Judenthum in der Geschichte längst aufgegeben und vergessen hat. Bemerkung des Verfassers eines in der 26. Nummer d i eff e r Blätt e r ü b e r K r o ch m a l befindlichen Aufsatzes zu d er ffogenann ten Bean twortung in den israelitischen Annalen Nr. 40. — Die Annalen hätten sich nicht so viel Mühe zu geben nöthig gehabt, um zwischen meiner Correspondenz und ihrer Beantwortung eine Zeit verstreichen zu lassen, die uns glauben machen soll, als käme diese Beantwortung aus Lemberg; wenigstens müßten sie es dann bei Abfassung dieser Antwort geschickter anfangen. Jeder Leser sieht, jedoch durch, wie nur mit Mühe der Groll, welcher in der Antwort liegt, bis zu dem berechneten Termine hat zurückgehalten werden können. Wir wollen mit dem Referenten der Beantwortung über das Maß der Anforderungen an einen berliner Rabbinen, über des verstorbenen Krochmal's Verdienste k> keineswegs rechten; jeder hat da, vorzüglich nach dem Maße seiner eignen Kenntnisse, auch seine eignen Ansichten; auch über das, was sich gebührt und was ungebührlich ist, wollen wir uns keine Erklärung anmaßen, sondern nur bemerken, daß es höchst sonderbar erscheint, wenn die Beantwortung in Parenthese erklärt, daß von dem Leipziger Blatte, welches [jene Bemerkung über Kro ch m a l enthalt (also von dem Orient), in Frankfurt auch nicht ein Exemplar vorhanden sei. Als ob dies so etwas Sonderbares wäre! Wir glauben vielmehr, daß es noch gar Vieles in der Welt und Wissenschaft giebt, wovon man in Frankfurt kein Wort weiß; wir erklären, daß der Ruhm nicht fein sei, sich mit der Unkenntniß einer neuen Zeiterfcheinung zu brüsten, selbst dann, wenn man ihr nicht wohl will; wir bemerken überdem, daß es gar nicht Wunder nehmen darf, in Frankfurt kein Exemplar des rücklings angegriffenen Blattes zu finden, wenn man die Jntriguen kennt, die von Seiten eines Frankfurter Redakteurs und der Verlagshandlung seines Blattes angewendet worden sind, den Vertrieb desselben zu Hintertreiben. Das nennen wir hier zu Lande „Ungebührlichkeiten!" Mag übrigens glauben, wer da will, daß Hr. B-t in Berlin den Annalen keine Correspondenz zugeschickt hat, wir wissen es besser, und wüßten wir es nicht, so würden wir wenigstens nach dieser Lemberg er Beantwortung nicht mehr an dergleichen Versicherungen und Widerlegungen glauben. Ich überlasse es übrigens dem Herrn Redakteur, Herrn Jost auf seine, den Orient betreffende Bemerkung zu antworten.*) G. *) Ich habe auf Herrn Jost's Bemerkungen keine Antwort, da sie nur industrieller Natur sind; ich kann ihm nicht seine Gereiztheit verdenken, wenn der Orient - dem Debit der Annalen in den Weg tritt; und wenn Hr. Jost zu den Buchhändlern herumging, um sie für Nichtdebitirung des Orients zu bestimmen, wenn er aus einem Lesecirkel auszuscheiden drohete, weil dieser auch den Orient halten wollte, so kann ich es dem um Concurrenz Besorgten durchaus nicht übel nehmen. Uebrigens kann ich dem Berliner Corr. die Versicherung geben, daß Hr. Jost, selbst nach Erscheinen des Orients, mir in einem freundschaftlichen Briefe seinen Beifall für meine wissenschaftlichen Bestrebungen in Ausdrücken , gegeben, die nur die Freundschaft eingeben kann. Red. Verlag von C. L« Fritz sch e. Druck von I. H. Nagel