Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Article
- Wien: Schreiben Cremieux's nach Wien
- Date
- 1840-10-10
- Page
- 317 (sequence 2)
- Language
- German
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- 317 - dar. Kleber sagte eines Tages zu Napoleon : Sie sind groß wie die Welt. Ew. Hoheit sind in diesem Augenblicke groß wie Napoleon." Die Ankunft Rifaat-Bei's, des türkischen Gesandten, verhinderte uns, dieses Gespräch weiter fortzuführen. Als ich mich grüßend zurückzog, rief mir der Pascha nach: Leben Sie wohl! AufWidersehen. Mein Herz war voll Freude. Am Sonnabend Morgen widerhallten die drei Synagogen Alexandriens von Segenswünschen für Mehmed Ali, und Alle, die uns wahrend dieser unseligen Verfolgung eine hülfreiche Hand geboten hatten. .Oestreichs ward dabei insbesondere gedacht, dem Kaiser, dem Fürsten Metternich sowie den Herren Laurin und Merlato ward der Zoll unserer Dankbarkeit entrichtet. Fürst Metternich hat sich in dieser Angelegenheit mit edelster Liberalität benommen, und bewiesen, wie hoch er über allen Vorurtheilen steht. Ihm und Lord Palmerston, England und Oestreich sind wir aufs tiefste verpflichtet. Auch Oberst Hodges, der engliche Generalconsul in Alexandrien, förderte unsere Sache durch sein eifriges Zusammenwirken mit Hrn. Laurin, dem Generalconsul Oestreichs, wie denn überhaupt alle Agenten dieser letztern Macht uns auf bewunderungswürdige Weise unterstützt haben. Gegen 3 Uhr Nachmittags erhielt ich vom Palast aus ein Exemplar von Mehmed-Ali's Befehl, in türkischer Sprache mit beigefügter französischer Uebersttzung. Nichts kam meimem Erstaunen gleich, als ich darin auf die Worte stieß: „Die Herren Moses Monteflore und Cremieux haben mich gebeten, die gefangenen Juden zu begnadigen und in Freiheit zu setzen." Oer Ausdruck „begnadigen" versetzte mich in fieberhafte Aufregung. Ohne einen Augenblick zu verlieren, eilte ich zum Pascha hin, den ich eben so.günstig gestimmt fand wie am Tage vorher. Nach den gewöhnlichen Begrüßungen sagte ich ihm: „Ew. Hoheit sehen mich von einem lebhaften Schmerzdurchdrungen dem nur Sie Einhalt thun können." Was ists? „Eine Wohlthat macht die andere nothwendig. Der Act der Gerechtigkeit, den Ew. Hoheit vollzogen, ist eine unermeßliche Wohlthat, doch müßte sie erfolglos bleiben, wenn Sie ihm nicht eine zweite folgen lassen." Erklären Sie sich. „Ein Satz in dem Befehl Ew. Hoheit an Scherif-Pascha lautet folgendermaßen: ,Die Herren Monteflore und Cremieux haben mich gebeten, die Gefangenen zu begnadigen? Bei uns in Europa versteht man unter Begnadigung die Vergebung, die man Schuldigen gewahrt. Nun hat aber weder Sir Moses noch habe ich jemals gesagt, unsere unglücklichen Brüder von Damaskus seien schuldig." Mein Ferman nennt sie ja auch nicht schuldig! „Vergebung, Ew. Hoheit! es wird darin gesagt, wir hatten um ihre Begnadigung nachgesucht. Um diese zu erlangen, hätten wir sie erst für schuldig halten müssen, sie sind aber schuldlos in meinen wie in Sir Moses Augen. Ew. Hoheit werden nicht wollen, daß eine Handlung, die uns erst so viele Freude verursachte, nun zum Gegenstände bitterer Trauer für uns werde!" Nein, gewiß nicht, versetzte der Pascha mit einem Lächeln voll unbeschreiblicher Güte, was wollen Sie in meinen Erlaß verändert wissen? „Nichts, Ew. Hoheit, als nur das einzige Wort Afu (Gnade)". So mag man es weglassen.' „Jetzt erst sind wir vollkommen glücklich. Heute erheben sich in allen Synagogen Alexandriens Segenswünsche für Ew. Hoheit; in weniger als einem Monat wird man in allen israelitischen Tempeln Europas die Wohtthaten des Himmels auf Sie herabschwöcen, und in zwei Monaten wird Ihr Name auf dem Erdenrunde gesegnet und gepriesen werden." Um so besser, versetzte Mehmed- Ali, ich wünsche die Juden zufrieden zu stellen. —- Unser Gespräch ging dann auf andere Dinge über., Im Fortgehen entschuldigte ich mich bei dem Pascha darüber, daß ich ihn so oft belästige. „Kommen Sie wenn Sie wollen, antwortete er, und seien Sie immer der besten Aufnahme gewiß." Der Triumph, diese Ehrenerklärung erwirkt zu haben, ist noch größer als der, mit dem uns die Freilassung unserer Glaubensgenossen erfüllte. Die Nachricht hat unfern Feinden ebenso viel Bestürzung, wie unsern Freunden Freude verursacht. Noch wollen wir den Pascha bitten, in einem Ferman die auf Blutschuld lautende Anklage für eine Verleumdung zu erklären. Erlangen wir dies, so gedenke ich auch um die Abschaffung der Tortur nachzusuchen. Unsere projectirte Reife nach Damaskus ist leider durch die politischen Verhältnisse unmöglich geworden, übrigens ist sie, seidem die Gefangenen sich auf freiem Fuß befinden, nicht mehr eigentlich nö'thig. Deutschland. PommCVitf 23. Septbr. Oie Nr. 35 dieses Blattes brachte uns eine Anfrage, die Verlegung des Sabbats betreffend, und es werden Schriftgelehcte und Forscher aufgefordert, über die etwaige Ausführbarkeit ihre Meinung in diesen Blättern niederzulegen. Der Fragesteller scheint es nicht zu wissen, daß dieser Gegenstand schon längst abgethan, und dürften unsere Gelehrten sich schwerlich veranlaßt finden, ihn seinetwegen wieder aufzunehmen. Wenn es nun aber wohl als der Beginn einer Rückkehr iw das Judenthum, mindestens doch als ein Erwachen vom langen Schlummer des Jndifferentismus gedeutet werden kann, wenn mau nach lange schon vollzogenenec Verlegung des Sabbats auf Sonntag, oder besser auf gar'keinen Tag, nur sich ä postesiori zu erkundigen beliebt, ob und wie eine solche Verlegung mit dem Judenthume in Einklang zu bringen; so ist es wohl billig einer solchen Lage die Antwort nicht fehlen zu lassen. Indessen ist Referent weder Schriftgelehrter noch Forscher, kann darum auch nicht aus der Rüstkammer tiefer Gelehrsamkeit die blankgeschliffenen