Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Article
- Alexandrien: Die Adresse M's. an Mehmed-Ali ...
- Date
- 1840-10-10
- Page
- 316 (sequence 2)
- Language
- German
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zufügen/ daß die Augen von ganz Europa auf Ew. Hoheit gerichtet sind, und daß die Gewährung unseres Gesuchs der gesummten civilisi'rten Welt erfreulich sein wird. Es ist bekannt, daß der Fürst, der so vielen Ruhm erlangt hat, die Gerechtigkeit noch hoher schätzt. Es ist eine Huldigung Ihres Genies, Ihrer Wahrheitsliebe, Ihrer Gerechtigkeitsliebe, die diese Deputation von allen Israeliten der Erde veranlaßt hat, mit Vertrauen an Ew. Hoheit zu appelliren, im Bewußtsein, daß diese Appellation nicht vergeblich sein kann. Alexandrien, 4. August 1840. Moses Montefiore. Mehmed-Ali an Sherif-Pascha. Man hat uns eine Vorstellung der Herren Moses Montefiore und Cremieux eingereicht, welche deren Bitten und Hoffnungen enthält. Sie sind abseiten aller der sich zur mosaischen Religlon bekennenden Europäer zu uns abgesandt worden. Sie bitteu uns, diejenigen ihrer Religionsgenoffen, welche in Folge der Untersuchung über das Verschwinden des Paters Thomas und seines Dieners Ibrahim im Monate Dsy'lidsche 1255, verhaftet sind, durch unfern Befehl auf freien Fuß zu stellen, und die Ruhe derjenigen, welche die Flucht ergriffen haben, zu sichern. Wir haben es für angemessen erachtet, den Wünschen und Hoffnungen der Abgeordneten einer so zahlreichen Bevölkerung zu entsprechen. Demzufolge befehlen wir, daß alle diejenigen Juden, welche eingekerkert worden, in Freiheit zu setzen seien; denjenigen, welche ihren Heerd verlassen haben, soll die größtmögliche Sicherheit gegeben werden, daß sie zurükehcen können. Jeder möge sich wieder an sein Geschäft, seinen Handel, oder seine sonst gewöhnlichen Arbeiten begeben. Wir befehlen euch, alle geeigneten Maßregeln zu ergreifen, daß keiner derselben irgend eine übele Behandlung erleide, von welcher Seite es sei. Ich will, daß sie in voller ungestörter Sicherheit seien, gegen jedes Ereigniß, welcher Art es sein möchte, ganz wie vor jenem Vorfälle. Das ist unser Wille. Wien, 24. Sie Vorfälle in Damaskus haben in der ganzen Welt so viele Theilnahme erregt, daß auch folgender Auszug aus einem Schreiben des Hm. Cremieux mit genauem Nachrichten über den bereits bekannten Erfolg seiner Verwendung noch jetzt nicht ohne Interesse sein dürste. Der Brief ist aus Alexandrien vom 26. Aug. battet und lautet so: „Hoffentlich haben sie das Schreiben, in welchem ich Ihnen die Freilassung der Gefangenen von Damaskus anzeigte, richtig-erhalten. Doch konnte ich Ihnen damals noch kein Exemplar des an Scherif-Pascha abgegangenen Befehls zusenden, und war überhaupt zu solcher Eile gezwungen, daß ich verschiedene wichtige Details übergehen mußte, die ich jetzt nachholen will. Die Revision des Processes ward durch gewisse Umtriebe unmöglich gemacht, da man den Pascha zu überreden gewußt hatte, man dürft sich um keinen Preis zu Maßregeln herbeilassen, durch deren Erfolg der Agent einer noch befreundeten Macht compromittirt werden könnte. Schon verzweifelten wir, zu irgend einem Resultate zu gelangen, als ich auf den Gedanken gerieth, eine, die Freilassung der Juden betreffende Bittschrift von allen Consuln, deren Beitritt zu erlangen sein werde, unterzeichnen zu lassen. Neun Consuln Unterzeichneten sich wirklich; der Pascha erhielt Nachricht davon, und um den Schein, als handle er aus Nachgiebigkeit gegen das Einschreiten derselben, zu vermeiden, ertheilte er aus freien Stücken den Befehl zur Freilassung der Gefangenen, noch ehe ihm das Gesuch vorgelegt worden war. Auf diese'Nachricht begab ich mich sogleich zu Mehmed-M, den ich jedoch nicht in seinem Divan traf; sein Kommen erwartend, knüpfte ich ein Gespräch mit Boghos-Bei an. Nach-einigen Minuten trat der Pascha ein, bemerkte mich und näherte sich mir lächelnd. Nun? fragte er, wie fühleu Sie sich heute? „Heute fühle ich mich glücklich, Ew. Hoheit sei's gedankt!" Das freut mich, ich bin froh, etwas für Sie gethan zu haben. „Ich glaube den Worten Ew. Hoheit; jede Handlung der Gerechtigkeit muß Herr, der sie vollzieht, eben so beglücken, wie jenen, zu dessen Gunsten sie vollzogen wird." Ich habe bereits besohlen, meine Beschlüsse in Wirksamkeit treten zu lassen. „Der Zweck meines Kommens ist, Ew. Hoheit mein tiefes Dankgefühl auszudrücken; obwol ich einfthe, daß meine persönliche Dankbarkeit Ihnen gleichgültig sein muß, so —" Im Gegentheile! Sie wachen mir großes Vergnügen. „So mögen Ew- Hoheit, fuhr ich fort, bedenken, daß sechs Millionen Israeliten sich mit mir vereinen, die, über die ganze Erde zerstreut, fortan ihre Wünsche und Gebete für Sie gen Himmel schicken werden; und der Himmel pflegt das Flehen der Dankbarkeit zu erhören." Gott wolle es. „Er wird es wollen! Beweist uns nicht die Geschichte, daß Gott immer jene. Fürsten beschützte, die den Juden Schutz gewährten? Er wird in dieser ernsten Zeit über Ew. Hoheit wachen." Ich hoffe und wünsche es. „Die Beschränktheit meiner Sphäre raubt mir fast den Much, Ew. Hoheit meiner innigen Ergebenheit zu versichern; meine Feder ist das Einzige, was ich anzubieten habe, und —" O ich weiß, wie gut Ihre Feder geht! „Darf ich die freudige Nachricht den Juden von Alexandrien und unfern armen Brüdern von Damaskus mittheilen?" Gewiß, meine Befehle sind bereits gegeben , und auch die Consuln sollen davon in Kenntniß gesetzt werden. Längst durchschaute ich diese Angelegenheit; gleich im Anfänge befahl ich die Tortur einzustellen, und seit dem Tag Ihrer Ankunft hat mich diese Sache oft beschäftigt. — Die Würde, mit welcher der Pascha dies sagte, ließ mich ihn mit Lebhafter Bewegung betrachten; er bemerkte es ^und richtete seinerseits seine scharfen durchdringenden Augen auf mich. „Eine historische Erinnerung, so nahm ich das Wort, bietet sich meinem Geiste