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Der Orient · 1840-10-10 · Heft 41 (10.10.1840) · p. 315

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 41 (10.10.1840)
Article
Alexandrien: drei Briefe Montefiore's an das Comité in London
Date
1840-10-10
Page
315 (sequence 2)
Language
German
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auf dem Befehl seiner Negierung eine Person ausgesandt, um die Wahrheit der gegen Herrn Ratti de Menton vorgebrachten Beschuldigung zu untersuchen, und deren Bericht erwarte. Leider ist Herr Cremieux durch seinen Consul noch nicht dem Pascha vorgestellt, und nach. Allem glaube ich nicht, daß es vor meiner morgenden Audienz geschehen wird. Weit besser wäre es gewesen, wenn wir beide zugleich bei seiner Hoheit eingeführt worden wären. Indeß läßt sich auch dieser Umstand aufs Beste anwenden und uns beiden öftere Gelegenheiten darbketen, die Sache Sr. Hoheit ans Herz zu legen, als wenn wir zusammen da gewesen wären. Das Comitv wird wissen wollen, ob ich entmuthigt bin. Nein, antworte ich. So wie Schwierigkeiten auftauchen, fühle ich größer-»' Drang, sie zu überwinden, und der Grund, warum ich jeden Aufschub bcdaure, ist, daß man hier der Meinung ist, daß, wenn die Untersuchung nicht unverzüglich fortgesetzt wird, die vier jetzt gefangenen Unglücklichen hingerkchtet werden, ehe ich die Befugniß erhalte, einzüschreiten. Möge der barmherzige Gott ein so schreckliches Unglück abwenden, und zur rechten Zeit unsere Gebete erhören, daß die Wahrheit ans Licht gebracht wird. Ich bin k. P. 8. Es war auf den Rath--des Col. Hodges, daß ich den Pascha so früh als möglich besuchte , und derselbe mir seine Antwort auf nächsten Freitag versprach. M o n t e f i o r e. 31. Alexamdvrerr, 7. Aug. 1840. 5 Uhr. Seit meinem gestrigen Schreiben erfuhr ich, der Pascha beabsichtige, diese Stadt auf einige Tage zu verlassen, und zwar diesen Morgen sehr früh, und da derselbe mir diesen Tag anberaumt hatte-, so hielt ich es für zweckmäßig, ihm noch gestern Abend aufzuwarten. Ich ward aufs gnädigste empfangen. Se. Hocheit sagte auf mein Ansuchen um eine Antwort, daßer blos auf eine Woche verreise^ und mich bei seiner Zurückkunst wieder sehen und eine Antwort ertheilen wolle. Ich hoffe noch, 'sie wird günstig sein; indeß müssen wir uns auch auf das Ge- -gentheil gefaßt machen , und ich ersuche daher das Eomite, 'sofort nach Empfang dieses Schreibens Lord Palmerston zu sehen, : ihm den Stand der Sache zu schildern und ihn nicht zu verlassen, bis er verspricht, an Herrn Thiers zu schreiben und diesen zu veranlassen, seinen Consul dort zu instruiren, unsere Mission-aus allen Kräften zu befördern. Ich bin überzeugt, daß gar keine Schwierigkeit statt finden würde, wenn der hiesige französische sich den übrigen Consuln anschlösse; und fühle, daß in Paris durch Lord Palmersions'Einwirkung auf Thiers eben so viel geschehen kann, als in Alexandrien, dm das französische Interesse unserm Begehren entge- : gen ist. Herr Cremicux hat, da der Pascha so schnell abreisen will, eine Audienz nachgesucht und auch eine erlangt, aber nicht durch seinen Consul. Er ward gestern Abend vorgestellt, und machte -dieselbe Vorstellung als wir. Ich bin rc. 111. Von demselben Tage 10 Uhr. Seit ich meine letzten Briefe dem Capitain des französischen Dampfschiffs gebracht,; habe, verhalte -ich (durch Hrn. Maupergo) eine Botschaft-von Herrn Laurin, welcher zufällig bei meiner gestrigen Unterredung mit anwesend war und nach, meinem Abgang noch bei Sr. Hoheit blieb — daß Se. Hoheit ihm, Hrn. L., erklärt habe, er habe über dm Gegenstand meines Gesuchs nachge-; dacht, und daß, wenn er es bei weiterem Nachdenken recht -finden würde , eine neue Untersuchung zu bewilligen, diese in Gegenwart 'der Mission statt finden solle. Geschehe sie in Damaskus, so würde er.mich bevollmächtigen, dahin.zu gehen und den etwanigcn neuen Zeugen freies Geleit ,geben. Wenn aber diese Zeugen die Unjchuld der Juden nicht beweisen könn-. ten,^sie als schuldig betrachtet werden müßten. Er habe auch! darüber nachgedacht, ob^cs nützlicher sei, die Untersuchung hier! oder kn Damaskus zu halten. Er zöge das Letztere vor wegen der Unkosten., um die Zeugen hieher zu bringen, und des Aufenthalts, wenn etwa während der Instruction noch weitere Zeugen herbeigeschafft werden müßten. Ich schöpfe hieraus einige Hoffnung, daß der Allmächtige -unsere Anstrengungen krönen wird. Hr. Briggs, welcher gestern Abend von Damaskus und Syrien zurückkam, versicherte mich, der Pascha wolle Gerechtigkeit ergehen lassen, und fange nun an, etwas freudiger auf die Erfüllung meiner Wünsche zu blicken. Dennoch bitte ich, daß unsere .Freunde in England und Frankreich in ihren Anstrengungen nicht ermüden. Ich bin rc. Nun mögen noch 'zwei Aktenstücke folgen, die von historischer Bedeutung sind. Die Adresse und der darauf erfolgte Ferman. Uebersetzung der dem Vicekönig von Aegypten übergebenen Ad re sse. Möge es Ew. Hoheit gefallen rc. rc. Nachdem wir in Europa von den gegen einige zu Ew. Hoheit Unterthanen gehörige Juden in Damaskus ergangenen Beschuldigungen gehört, so -wie von den ihnen angethanen Martern und Qualen, um Geständnisse von ihnen zu erzwingen, und da wir wissen, daß unsere Religion das Verbrechen, dessen man sie beschuldigt, nicht nur nicht sanctionirt, sondern uns auch lehrt, den Gebrauch des Bluts aufs Aeußerste zu verabscheuen, sind wir von unfern Glaubensgenossen in Europa abgesandt worden, um bei Ew. Hoheit um Gerechtigkeit zu bitten. Mit dem größten Vergnügen Haben wir erfahren, daß Gw. Hoheit , sobald Sie von dm angewandten Foltern unterrichtet waren, 'sofort Befehle gaben, solche einzustellen. Wir 'kommen daher mit der sichersten Ueberzeugung, daß Ew. Hoheit, 'so hochberühmt in Europa wegen Ihrer Tapferkeit im Felde, Ihrer Weisheit im Rache und Ihrer Duldsamkeit gegen alle guten Unterthanen ohne Unterschied, mit Ihrer gewohnten Güte unser Gesuch gewahren werden. Wir kommen ohne Haß, ohne Leidenschaft, lediglich mit dem aufrichtigen Begehren, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Dennoch ergeht unsere Bitte an Ew. Hoheit,-uns'die Befugniß zu ertheilen, mach Damaskus zu gehen, dort solche Untersuchungen anzustellen, die -zur Erlangung hinlänglicher Evidenz in Betreff derjenigen Anschuldigungen, welche die gesammte jüdische Bevölkerung jener Stadt in bisher unerhörte Leiden gebracht, haben, leiten können, und-daß das Ergebniß solcher .Untersuchung.amtlich von dem Gouverneur von Damaskus "bestätigt und -Ew. Hoheit vorgelegt werde. Daß'Ew. Hoheit mns-außerdem die Mittel, diese Auskunft zu erlangen, erleichtern möge , so wie freies 'Geleit gewähren, für wie -zu mnster Mission gehörigen Personen, völlige Sicherheit, für Alle Parteien, die Nachweisungen -ertheilen, dieErlaubniß, 'die Gefangenen so oft wie nörhig zu sprechen und zu-befragen, und daß Ew. Hoheit Autorität und Erlaubmß durch -einen besondern , in Hiesigen Archiven eingetragen amtlich dem Gouverneur von Damaskus zuzusenden und Wort öffentlich in 'den Straßen auszurufend.enFirman -in Anwendung gebracht werde. '-Es-sei lluis -erlaubt hinzu- 41 *

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