Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1840)
- Article
- Leipzig : über das Cahen'sche Archiv [Nachricht]
- Date
- 1840-10-03
- Page
- 309 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- Colmar 1× ep/1047872
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309 Aber auch die Gerechtigkeit und Achtung, welche die Juden bei unserem hochgesinnten König genießen, verdienen gewiß der Oeffentlichkeit übergeben zu werden, da diese unscheinbaren Züge unsere Hoffnungen in sich bergen. In Elbing ist ein Gebäude auf dem Markte, wo von jeher die königliche Familie abgestiegen war;, namentlich wurde da bei der vorigen Huldigung abgestiegen; dieses Gebäude gehört aber jetzt einem jüdischen rechtlichen und wohlthatigen Kaufmann Aschenheim. Die christlichen Bürger Elbings, und wie man mir sagte, auch die städtischen Behörden daselbst , haben alles Mögliche aufgeboten, um den König zu bewegen, anderswo abzusteigen; trotzdem aber hat sich der König entschlossen, mit feiner ganzen Familie und mit sammtlichen Prinzen bei dem Juden abzusteigen und bei'seinem jüdischen Unterthan zu speisen. Mit vieler Kraft sucht unser geliebter König die zuweilen im Bürgerstande noch hie und da hervortretende Antipathie gegen Juden in den ersten Keimen zu dämpfen. — Herzerhebend und wahrhaft erinnerungswerth war die Eidesleistung der Huldigung der Stadtverordneten M. D. Cohn, I. Friedländer und N. I. Gutleben und des Stadtrathes Lewald, die, sämmtlich jüdischen Glaubens, ihren Huldigungseid vorher in der Synagoge ableisteten und dann bei der allgemeinen Huldigung mit den andern Stadträthen und Stadtverordneten in die Schranken vor den Thron hintreten durften. Es ist das erste Beispiel in Preußen, und vielleicht in ganz Deutschland, daß Stadtverordnete und Stadträche jüdischen Glaubens einen Huldigungseid leisteten; es war das erste Mal, daß Juden dazu gelassen worden sind. Freilich mußte auch dieses Recht erst von den Juden' hartnäckig erkämpft und ersi'egt werden, aber die Zukunft wird die erfreuliche Thatsache, den unberechenbaren Fortschritt, der mehr fast als Emancipation bedeutet, nicht aber den Kampf um dieselbe erzählen. Wie die Behörden überhaupt wurden auch die Erwähnten zur königlichen Tafel gezogen, und die Ehren der klebrigen wurden auch ihnen zu Theil. Die Synagoge, wo der Huldigungseid abgenowmen wurde, war angemessen erleuchtet und geschmückt, Dr. Saalschütz hielt bei dieser Gelegenheit eine feierliche Rede, und der Cantor Weintraub, der so eben preußischer Unterthan wurde, sang mit seinem Chor einige passende Psalmen, würdig der Feier des Tages. Nächstens ein Mehreres. Leipzig, 21. Septbr. Zwei Hefte be£ Arch. Isr. de France, (Monate August und Sptbr.), die uns vorliegen, verdienen wieder die größte Empfehlung. An die Fortsetzung des Cremieux'schen Berichts über den bekannten Organisations-Entwurf schließen sich werthvolle Erörterungen und Beurtheilungen desselben. Biographische Notizen über Cremieux und Jacob Lazard, die uns geboten worden, fesseln durch ihre Reichhaltigkeit und interessiren durch ihren Gegenstand. Es werden die Briefe des Joh. Schwarz aus Jerusalem zum Schlüsse gebracht. Die Vertheidigung Z u n z'. rücksichtlich Damaskus, eine Angelegenheit, die wir bereits aus der allgem. Leipz. Zeitung kennen, durch zwei Nummern hindurch verfolgt. Dann werden uns interessante Briefe und Adressen der Consistorien und Bezirke Colmar, Elsaß, Straßbürg, Metz geboten; Leon Hatevy handelt über Cousin's Verbesserungs-Project. Unter den Zeitungsnachrichten sind Berichte über Algier nicht unwichtig und vorzüglich sind die Hefte über die neuesten Schritte und Erfolge rücksichtlich Damaskus sehr ausführlich. Auch aus und über Deutschland finden wir manche gute Notiz. T?ier, 6. Sept. Als Lasthenes und Euthykrates, die Verrather Olynths, sich bei Philipp, dem Könige von Makedonien, beklagten, daß man sie Verräther nenne, da soll Philipp (nach - Plutarch 178, 6.) geantwortet haben: Meine Leute sind ganz einfache Menschen, die ein jedes Ding bei seinem rechten Namen nennen. — Sind wir nun nach einem Paar tausend Jahren feinere Menschen geworden, so darf dies der Wahrheit keinen Eintrag thun. Und wer in unfern Zeiten eine schlechte Predigt hält, der muß es sich gefallen lassen, die Wahrheit zu vernehmen. Geschah nun dieses ohne Jemanden zu nennen, besonders wo mehrere solche Reden gehalten wurden, so daß ein Jeder auch einen Ändern darunter verstehen konnte; so war dies gewiß die glimpflichste Weise, junge Leute auf ihre Fehler aufmerksam zu machen. Wer sich nun durch meinen Bericht im Orient Nr. 24 betroffen fühlte, der hätte anstatt über den Herrn Heß her zu fallen, besser gethan, zu schweigen und die Zurechtweisung als einen Fingerzeig anzunehmen, um an seine weitere Ausbildung zu denken. Ist es denn genug, ein Rabbinat anzunehmen? Soll denn nichts geleistet werden? Liegt doch Alles bei uns noch im Argen. Allenthalben gewahrt man den Mangel eines thatigen geistlichen Oberhauptes. In Trier wünscht man einen künftigen Rabbinen, der wissenschaftlich gebildet ist und nicht nur gute Reden zu halten vermag, sondern auch die Gemeinde so wie das ganze Regierungsbezirk bei unsrer sehr humanen Regierung zu vertreten im Stande ist, dabei streng orthodox und in talmudischen Wissenschaften eine hohe Autorität. Dazu kommt Mancher noch auf den närrischen Gedanken, daß unser künftiger Rabbiner auch äußerlich von schönem Wüchse und überhaupt ein geistiges und' körperliches Ideal sein soll. Auf dem Lande wünscht man blos einen Talmudisten, der Alles im Statu quo erhält. Nun fehlt es in manchen Orten an einer israelitischen Elementarschule; in andern Gemeinden ist man nicht in jeder Beziehung mit dem Unterrichte des Leh-. rers zufrieden. (Schluß folgt.)