Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 39 (26.9.1840)
- Article
- Rückblicke auf einige die Schrift: "Rabbinenwahl rc. rc.", betreffende, unschuldige Mißverständnisse
- Date
- 1840-09-26
- Page
- 620 (sequence 2)
- Language
- German
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0»£ j OLl Rückblicke rc. von Dr. Lowositz. Zur i | I die durch ein bekanntes Organ zur Oeffentlichkeit gebrachten j Ansichten und Thatfachen von Rabbinen der neuen Generation zur Meinung verleiten, daß in vorliegender Abfassung hart an die Wirklichkeit gestreift worden. Es sollte hier eben nur angcdeutet werden, in wie fern der Standpunkt der Glaubi- ■ gen, wenn sie unberührt vom Kerne wie von allem Glanz und Prunk der theologischen und allgemeinen Zeitbildung, dem Rabbinen der neuen Zeit einen, ausschließlich der alten Weise ganz ergebenen und etwa noch dazu alten Rabbinen glauben vorziehen zu müssen, gleichwohl der einzig richtige sein könne, und demgemäß ihre Wahl in der That die wohlbcgründete und allein angemessene." Und ein solcher Standpunkt der Gläubigen ist natürlich nur dann der richtige, wenn er in dem unmittelbar in der Erfahrung Gegebenen seine Begründung und Berechtigung findet, d. i. wenn jene ungünstigen Einflüsse auf den jüdischen Theologen, jene dedurch mehrfach motivirte Befangenheit seines Urtheils kn Dingen der jüdisch - religiösen Praxis und mithin seine Unzulänglichkeit in einem bekan n ten, concreten Falle nicht blos als möglich, sondern als wirklich sich darstellend, sei es nun unmittelbar, oder dadurch, daß man von einigen, dem Gebiete der Erfahrung angehörigen, dieser concreten Fall, nämlich diese bestimmte Persönlichkeit des Kandidaten betreffenden Momenten, auf die Unzulänglichkeit eben dieses Candidaten zu schließen sich berechtigt halten darf. Ist nun demnach in Ansehung der behaupteten Unzulänglichkeit des neuen Rabbinen in besagtem Schriftchen überhaupt immer nur von einer Möglichkeit und von dem bloßen Können die.Rede, so möchte wohl nunmehr die bloße Hinweisung auf die gute, alte Logik mit ihrem a posse ad esse non valet eonsequentia vollkommen genügen, um die zum mindesten irrigen Angaben, denen wir hier entgegengetreten, in ihrem wahren Lichte erscheinen zu lassen. Was es namentlich mit der Behauptung aus sich habe, daß in besagtem Schriftchen die Ausschließung der wissenschaftlich gebildeten Rabbinen vom Rabbinate und die Anstellung von alten Rabbinen im Allgemeinen gefordert oder (Berlin Lit.Z. a.a.O.) auch nur empfohlen worden, ist wohl somit hinreichend klar, auch wenn nicht schon die Worte (S. 9.) „In so frrn ist denn auch eine christlich-germanische Gestaltung der Zeitbildung der jüdischen Theologie im Allgemeinen nicht nur nicht abzuweisen, sondern sogar als ein nothwendiges, integrirendes Moment der gesammten Wissenschaft zu betrachten." Dem acht wissenschaftlichen Momente in der Bildung des Rabbinen die Anerkennung seiner volle Berechtigung und innere Notwendigkeit verbürgten. (Schluß folgt.) Geschichte der Honmem von Krankel. Zur Geschichte der Homiletik von JTm A.* WriinTcel* (Fortsetzung) Es weiß sich ferner der Zuhörer in einem solchen unabgetheilten und chaotischen Vortrage nicht za orientiren, er kann nicht ein Ganzes als Ganzes, wohl aber Theile als Ganzes auffassen. Endlich hat für den Prediger wie für den Zuhörer eine abgetheilte Predigt den Vortheil, daß bei jeder Abtheilung beide, der Prediger vom Vorträgen, der Zuhörer vom Aufmerksamsein, einige Minuten sich erholen können, wodurch zugleich bei der dann ekntretenden Stille, eine gewisse erhabeneRuhe und Feierlichkeit die Herzen aller überströmt. — Ueber den Inhalt der Predigt laßt sich weniger bestimmen; denn gute Gedanken und kräftige Worte hcrzubringen, kann nicht erlernt, sondern nur geübt werden; der Keim dazu muß im Geist liegen, doch das Gedeihen und Gerathen des Keimes, das Emporschießen und sich Ausbreiten kann durch Pflege gehoben werden. Ob eine Predigt analytisch, d. h. die Gedanken, als in dem Text gegebene, unmittelbar aus ihm entwickeln, oder synthetisch, d. h. dieselben erst in den Text hmeintragen, oder gar analytischsynthetisch sein soll, welches letztere genau genommen, wie jede solche Zwitterbestimmung, gar nichts ist, muß dem Gutdünken und der freien Wahl des Predigers selbst überlassen bleiben; jede feste Bestimmung hieße eine Beschränkung der dem Prediger sich, darbietenden Mannigfaltigkeit setzen; der Text, das Thema, die Gelegenheit, das Zubesprechende müssen die entscheidenden Richter werden. Schwieriger jedoch ist eine andere Frage, ob Phylosophie in einer jüdischen Predigt zulässig ist? Die Geschichte lehrt uns, daß gewisse philosophische Sentenzen zu jeder Zeit in Israel, im öffentlichen wie im Privat-Leben besprochen wurden; denn schon das Buch Hiob wie Kohelet, welche, so spät man sie auch der Zeit nach setzt, zwei hundert Jahre vor der Zerstörung des zweiten Tempels abgesaßt sein müssen, beide Bücher enthalten die Resultate philosophischer Systeme in sich, wir könnten sogar gewisse Momente von Philosophie auch in den letzt,n Propheten Nachweisen. Die Midraschim haben, trotz ihrer Bekämpfung gegen Philosophie und vielleicht gerade deshalb, diese unwillkührlich, nur in. anderer Form, in sich aufgenonnnen, die arabisch-jüdischen Lehrer tragen ihre Aristotelische Philosophie auf alle Gesetze Mofes über, und endlich die noch spateren Prediger lassen eine gewisse Naturphilosophie in ihren Reden mehr oder weniger hervortreten. Uns jedoch scheint die Philosophie als Philosophie in einem geistliches Vortrage keineswegs zulässig; der Prediger darf also kein System, das ihr ein Anderes, ein Zweites, ein Außer ihm liegendes ist, meine.r Predigt übertragen; wohl aber kann er ein solches, das er in sich ausgenommen, mit dem er sich gleichsam identificirt hat, von dem er sich überhaupt gar nicht loszusagen vermag, hier und da in einer Predigt hervortreten lassen, nur muß bei Vermeidung der technischen Ausdrücke die