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Der Orient · 1840-09-26 · 39 (26.9.1840) · p. 609

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
39 (26.9.1840)
Article
Die Hauptdifferenzen zwischen Karäern und Rabbaniten
Date
1840-09-26
Page
609 (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt des Orients. Berichte, Strrdiesr und Kritiken für jühifche Geschichte und Literatur. M 39. Leipzig, den 26. September 1840. Die Hauptdifferenzen zwischen Karaern und Rabbaniten.— Literarische Übersichten: Dr. V a h r 's Symbolik des mos. Cultus, beurtheilt v. Dr. Bonfoi. Kohelet von Dr. Herzfeld, beurtheilt von Dr. Hirsch selb. — Bemerkungen über die neuesten Bibelübersetzungen. Das Bibelwerk unter Red. des Dr. Junz; beurth. v. M. Heß. — Rückblicke auf einige, die Schrift „Rabbinenwahl" betreffende Mißverständnisse von Dr. Lowositz. — Zur Geschichte der Homiletik v. L. A. Frankel. — Literar. Mkündigungen. Die HauptHifferenzen zwischen Haräern und Bafebaniten, nach Ahron hen Elia's Vorrede zu seinem Penl a leu ch - Co mm enlar. (Schlu ß.) Der dritte Controverspunkt betrifft die Vollständigkeit und Zulänglichkeit der Schrift (perfectio et sufiicientia scripturae), welche von den Rabbaniten durch Geltendmachung einer die Tora supplirenden Tradition in Abrede gestellt wird. Sie berufen sich auf Deut. 17,11, aber aus dieser Stelle folgt keineswegs die Berechtigung der Gesetzlehrer, dem Schriftinhalte Etwas, das irgend verbindlich wäre, hinzuzusügen, sondern nur ihr Amt, die Schrift auf dem Wege gründlicher Forschung auszulegen, und die Verpflichtung der Gesetzunkundigen, ihre höhere Competenz anzuerkennen und ihrer Autorität sich unterzuvrdnen. Deutliche Aussprüche der Schrift, Deut. 4, 2. 13,1., verpönen auf das Strengste jede menschliche Zuthat oder Schmälerung des geschriebenen Wortes, einschließlich auch für die Priester, Richter und Gefehtehrer im Allgemeinen. Der Einwand, daß die Schriftforschung, weil wandelbar und in ihren Ergebnissen sich selbst oft widersprechend, keine Stütze abgeben und für die Ausübung der praktischen Gebote keine Norm sein könne, ist nichtig; denn die aus der Jmbecillitat unsrer Erkenntniß beruhende Meinungsverschiedenheit muß doch endlich zur Unterscheidung des Alleinwahren, dessen Klarheit eine immanente ist, von dem Falschen führen. Ist jene Meinungsverschiedenheit im Exil zu Wirren angewachsen, aus denen die Wahrheit-nur mit Schwierigkeit herauszusinden ist, so folgt auch daraus keine Verbindlichkeit der als Einigungsmittel geltend gemachten Tradition; die Thatsache jener Verwirrung ist eine prophetisch vorausverkündigte (2 Chron. 15,13), und kann uns also nicht irre machen. Uebrigens ist die Tradition selbst ein Erzeugniß der Zeit und somit unvollkommen und wandelbar. Die Schriftforschung, nicht die Ueberlieferung ist das primäre Princip der theoretischen und praktischen Theologie. Der Ausbruch der Spaltung zwischen Karaern und Rabbaniten fallt in die Zeit des zweiten Tempels, das Zeitalter Esra's. Man wurde zweifelhaft an der Tradition, und das um so mehr, da sie im Laufe der Zeit von den Rabbinen nur benutzt wurde, um ihre ritualen und exegetischen Falsa unter dem einschüchternden Titel althergebrachter si'naitischer Überlieferungen dem Volke aufzubürden. Die Tradition, erst der Schrift coordinirt, wurde ihr endlich gar übergeordnet, indem man die Übertretung der traditionellen Gebote mit dem Tode, die der Tora-Gebote nur mit Geißelung bestrafte. Dieser Betrug, und diese Gewaltmaßregel wurden die Stützen des Rabbinismus von dem der Karaismus sich aussonderte, indem er sich zu dem geschriebenen Worte, als einziger norma normans, zurückwandt und daneben die Uebereinstimmung der Gemeine als h'öVrriä' normata und secundares Erkenntnißprincip*) anerkannte. *) Dieser consensus ecclesiae, in der muhammedanischen Dogmatik genannt, ist nur unter der Bedingung von verbinouchem Ä'nsehen, daß er keinen Widerspruch gegen die Schrift, keine Aenderung derselben (*W) invowirt; im Gegentheil wird das, was er aussagt, nach dem Grundsätze des perfectio scriptnrae andeutungsweise in der Schrift bereits enthalten sein. Ahron druckt das so aus: Ad niron üdd ted Ä rprr thw -wstf w Dieses ist ganz arabisch und ohne Hlnzunahmeres oß käst unverständlich. Kosegarten übersetzt richtig: neque fieri potest, quin haec ipsa scriptura indicet. 39

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