Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 38 (19.9.1840)
- Article
- Apokryphen. Essäer
- Date
- 1840-09-19
- Page
- 604 (sequence 2)
- Language
- German
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605 Die sortscyrertenve Mwrccemng ver uiumr vw m /c/cvujvyvuuv. ben sich bei dm Pharisäern noch bis jetzt erhalten, z. B. auch einen wahren Eid mcht zu leisten (Midrasch para.Matot, Lanchuma das.), die eigenthümliche Strafe für die Elirenverletzung Mose's (s. Sanhedcin 81d) und das Nichtfortbewegen der Gerathe am Sabbat m s. w. Im Ganzen scheinen die Effäer nur aus den Pharisäern hervorgegangen zu sein. Die fortschreitende Entwickelung der Crrltur der Juden Ln Deutschland von Mendelssohn bis auf unsere Zeit. (Fortsetzung.) 0. Epoche der historischen Schule (Stufe der Objektivität.) 1808 -30. Mit dem hohen Schwünge des Gedankens, welcher zur Zeit im Fichtescheirr Idealismus fast den feinsten Culminationspunkt erreicht hatte, trat nothwendig der Gegensatz ein, welchen S ch e l l i n g und Iakobi, der Eine „durch eine geistvolle Vergötterung der Natur, der Andere durch die gedämpften behaglichen Anklänge des Gefühls" ausbildete. — Denn weil der Idealismus uns aus der Liefe des Innern die Welt herleitete, und somit alles Positive als bloßen Schein durch die unendliche Idee verdrängte, so ward das gewöhnliche Bewußtsein vom Zweifel geängstkgt, durch die sonnige Höhe der Beschauung ungemütßlich angesprochen und erklärte den Kampf. — Alle Bestrebungen gingen nunmehr darauf hin, den gesammtcn Bildungsgehcilt der Zeit in eine feste, gediegene Form, welche bedingt war durch die fühl- und sichtbare Nothwendigkeit, für das sociale, sittliche und religiöse Leben zu verkörpern, und so gc wannen historische Forschungen vorzügliche Haltung und An-erkenuung. — Die bürgerliche Stellung der Juden mußte m.d konnte hiedurch nur gewinnen/ denn das große Weltgericht, die Geschichte, spricht unpartheiisch jedem Individuum und Volke sein gebührlich Recht und zeigt ihm die angemessene Stellung und Stelle im Gesammtganzen an. — Und in der Lhat sehen wir seit 1808 in alten deutschen Landern der Juden mit den besten Gesetzen und Verordnungen bedacht, ihren materiellen und geistigen Lhatigkeiten den freiesten Spielraum gewahrt, und in einzelnen Landern sie sogar ungehindert in den Staatsverbrnd ausgenommen. Mit dem Aushören der Isolirung der Juden, nahm ihre Cultur und die wissenschaftliche Ausbildung des Iudenthums mehr und mehr an Fortschritten zu, und wie für bessere Erziehung, so sing man jcht an für organische Reform des Judentums Sorge zu tragen, und der jüdische Geist, der jetzt mehr, als sonst den Influenzen der Wissenschaft preisgegeben war, nahm in sich auf die Fortschritte der allgemeinen deutschen Wissenschaft, was sich naher also herausstellte. Nachdem das Selbstbewußtsein der Juden geweckt war, und der alte Gewohnheitskram durch die richtigeren Begriffe in ein schlechtes Licht gestellt wurde, schwand aus der Umgangssprache das Jüdisch-deutsche und mit ihm die sonst so große Vorliebe für den Talmud und dessen Verehrer und Jünger. Oer innere Werth des Sprach- und Bibelstudiums wurde erkannt, und biblische Hermeneutik und hebräische Grammatik fanden ihre Bearbeiter in David Friedländer, Joel Löwe, Lob Benseeb u. drgl. Nicht minder war man besorgt einen besseren Religionsunterricht in den Schulen hervorzurufen, und dieser begründete eigentlich den spater eingetretenen Hauptsturz des Rabbmismus, und hier verdienen vor allen anderen die Bemühungen der Schulräthe Herz Homberg und Peter Beer besonderer Erwähnung. Friedlich und gemächlich wurde dieses Streben, durch die Sulamith (1807) gefördert, welche als die erste deutsche (und mit deutschen Charakteren geschriebene) Zeitschrift für Israeliten einer besonderen Beachtung verdient.x) Sie brachte-' auf der einen Seite den religiösen Gedanken in eigener, deutschen Sprache zum Bewußtsein, und förderte anderer Scits die Cultur der Juden und deren Annäherung an ihre christlichen Mitbrüder durch Veröffentlichung der Anerkennung und Unterstützung, die Gewerbefleiß, Handwerk und geistig-sittliche Bildung der Juden von Königen erhielten. So wurde diese Zeitschrift ein Gemeingut der deutschen Juden, und ihre bürgerlichen und religiösen Angelegenheiten wurden ihnen hierdurch so nahe gebracht, daß die Reformer jetzt dem Gedanken eines deutschen Gottesdienstes mehr Raum gestatteten und ihn in's Leben treten ließen, erfüllt von der eitelen Hoffnung, dadurch der Intoleranz und dem Religionshasse immer mehr entgegen zu arbeiten, und alle Menschen brüderlich zu vereinen. Der erste, der diesen Versuch wagte, war der rühmlichst bekannte, und durch seine Verdienste um's Iudenthum besonders unsterbliche Israel Jacobson (geb. 1?68 zu Halberstadt, gestorben 1828 zu Berlin). -) Als Präsident des jüdischen Conststoriums im Königreiche Westphalen, wußte nemlich seine unermüdliche Lhatigkeit, die sich bereits 1801 durch Gründung einer Normalschule zu Seesen und anderweitige Freimachung der Juden von lästigen, drückenden Abgaben, die allftitige Anerkennung und Verehrung erworben hatte, in Cassel ein Seminar für jüdische Lehrer zu schaffen, und dem Gottesdienste durch Kanzttvorrrage und regelmäßigen Gesang neues Leben einzuhauchen. (Fortsetzung folgt.) Von dieser Zeitschrift sind nur a ch t Jahrgänge erschienen, und der verdienstvolle Herausgeber Dr. Da v id Frankel, Direktor der Franz-Schule zu Dessau, kann sich nicht gut von seiner Sulamith trennen., daher er sie, trotz dem Wechsel der Seiten noch zuweilen auf dem Forum der Oeffentlichkeit erscheinen läßt. 2) Ein sehr schönes Denkmal, fing Hr. Dr. I. M. Jost, israel. Annalen 1839. Nr. 29, 30, 31. diesen so seltenen Manne, zu setzen an, und wir vermissen sehr ungern bereits seit einem Jahre die Fortsetzung. —