Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 38 (19.9.1840)
- Article
- Qohelet, übersetzt und erläutert von Dr. L. Herzfeld [Rezension]
- Date
- 1840-09-19
- Page
- 598 (sequence 2)
- Language
- German
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599 600 Lit. Übersichten. Kohelet übersetzt stimmung desselben als nicht zu seiner'Arbeit gehörig zu betrachten, da diese nur das hermeneutische Verständniß dieseshöchst dunkeln Buches zu befördern bestimmt ist. Aus demselben Grunde unterläßt er dann wohl auch die besten Erklärer anzuführen, und eine Relation über ihre Arbeit, zur Literatur dieses Buches, zu geben; er verweist auf das Verzeichniß K's; allein auch aus diesem entnehmen wir nicht, die Methode und die Behandlungsweife der bedeutenden Exegeten, bis man zu dem vorliegenden Resultate gelangt, dagegen aber alle Namen und Jahreszahlen, die wahrlich sich Niemand merkt, noch überhaupt wissen will. Allein bei dieser sorgfältigen Abgrenzung seines Thema's hätte H. H. auch seine Abhandlung über die Chaldäismen und Neohebräismen übergehen können, sie gehört in das Gebiet der Lexicographie. Ueberdies sieht Ref. nicht ein, warum nicht jedem Buche die bestmöglichste Vollkommenheit gegeben, Alles dazu Gehörige sorgfältig zusammengetragen werden soll. Jeder, der ein Buch liest, will auch dessen Vater, Geburt und Schicksale wissen, und es darf die Kenntniß davon ihm nicht vormthalten werden, noch weniger darf ec wiederum auf Bücher, die gerade entbehrlich und antiquirt werden sollen, wie frühere Erklärungen, verwiesen werden. Dieses Buch ist der geeigneteste Ort für alle diese Untersuchungen. Die, Uebersetzung des H. H. ist ihrem Style nach einfach, treu und gut. Sie schließt sich durchweg dem Texte an, so weit der Genius der deutschen Sprache es zulaßt. Nur an wenigen Stellen ist sie frei; doch sind diese durch verschiedene Umstande hinlänglich motivirt. Wir rügen indessen, daß in einzelnen Stellen nicht Kunst genug verwendet' wurde, die Paronomasieen nachzubilden. Zu 7, 1 erwarten wir statt „Gericht" Gerüche, nach Knobel. . Ueber die Art und Weise der Auslegung haben wir Nichts zu bemerken; und das ist gerade das größte Lob, das wir dem Exegeten bringen können. Denn wenn der Exeget sich von jeder individuellen und charakteristischen Beimischung frei hält, so ist dieses das beste Zeichen, daß er seine Persönlichkeit dem Buche gegenüber verleugnet, und sich ganz in dieses versenkt hat. Die besten Exegeten sind wie die besten Frauen, von denen man Nichts zu sagen weiß. Die Erklärungsweise H. H's. ist mit einem Wort zu bezeichnen; sie will nicht gläüzen, nicht Bewunderung anregen, sondern nur das Buch in ein klares Licht setzen, und deutlich machen. Sie schreitet' sicher fort, ist weder ängstlich und penibel, noch übermäßig geistreich und Aufsehen erregend. Sie steuert direct auf das einfache natürliche Verständniß los, und macht keine Jagd auf blendende Conjecturen. Sie entspricht ganz den Erwartungen, die wir zu machen berechtigt sind. Doch laßt sich H. H. zu Gunsten der philosophischen Einheit, die er dem Buche substituirte, manchmal 'verleiten, vage Interpretationen des Textes von Dr. Herzfeld. Lit. Analekten. vorzunehmen; so 7, 23. 24. — 7, 30. — 8, 5.!: 8, 10. —- 9, 5; indessen geschieht dieses nur selten,; und eine gesunde Kritik und ein tüchtiges Richtigkeitsgefühl bewahrt ihn vor zu großen Fehlgriffen. Auch in den - fehlgegciffenen Stellen können wir den Schein einer \ Wahrscheinlichkeit nicht ganz bestreiten. An einzelnen Stellen jedoch hat er, ohne, jede Veranlassung, von gewissen Ansichten zu sehr beherrscht, Zeitliches, in eine Vergangenheit hineingeeragenz so namentlich 12, 11 erklärt er: die Worte der Weisen (der Philosophen, der Reformer) sind wie Stachel (sie bringen; Bewegung in des Stabile des menschlichen Geistes); der? Sammler hingegen (die Schriftgelehrten, etwa'die Or- | thodoxen) wie eingeschlagene Pflöcke (sie halten fest an \ dem Bestehenden); beide jedoch sind von einem Hirten gegeben (von Gott). Es läßt sich nichts .gegen diese Erklärung einwenden, und sie wird durch das Geistvolle gewiß bei sehr Vielen ihr Glück machen. Wir können dagegen nur erinnern, daß die natürliche Einfachheit und Geradheit des Alterthums, mit seiner frischen, ungekünstelten und festen Ueberzeugung, so weit wir es anderweitig kennen, wohl noch dem Individuum nicht gestatten konnte, die Ansicht seines Gegners, oder die der siinigen gegenüberstehenden Betrachtung in einem solchen Verhältniß, als es hier ausgesprochen, zu überblicken, sie gelten zu lassen, und ihr einen göttlichen Ursprung zuzugestehen. Eine solche Anschauung der Dinge setzt ein gewisses Neutralitätsverhältniß voraus: sie hat an jeder Ansicht Etwas auszusetzen, und bezweifelt und billigt im Drange nach einer höhern Wahrheit, die gegebenen. Der fromme und unschuldige Glaube des Alterthums hingegen ist weit entfernt von einer solchen ideallen, Verflüchtigung einer positiven Ueberzeugung, und darum halten wir die angeführte Erklärung der Wahrheit ermangelnd. Ein solches Hineintragen ist indessen nur äußerst selten, und H. H's. Erklärung ist in der Regel einfach und natürlich; seine Kritik ist objectiv. Wir bedauern es darum, daß gerade das Buch Kohelet, das vor Allem der Subjectivitat allzugroßen Spielraum läßt, und die Exegese durch unvermeidliche Hypothesen trübt, die Aufmerksamkeit dieses tüchtigen Exegeten auf sich gezogen hat. (Fortsetzung folgt.; Literarische Analekten. I. Ein Wort, die Beschneidnng betreffend. Es ist das Verdienst der israelitischen Zeitschriften, daß sie ungeachtet ihres kurzen Bestehens, nicht nur den Sinn für die Wissenschaft des Iudenthums angefachtumd eine literarische