Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1840)
- Article
- Paris : die Erfolglosigkeit Montefiore's und Cremieux's Sendung [Nachricht]
- Date
- 1840-09-19
- Page
- 293 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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293 verfehlt zu haben. Wie es heißt, ist ihnen von Mohammed Ali die Antwort geworden, daß er über die Vorfälle zu Damaskus von Seiten des Auslandes nur durch diplomatische Agenten Bemerkungen entgegennehmen könne. Sie möchten sich daher an ihre Consuln wenden, denen er stets eine entsprechende Auskunft zu ertheilen bereit sei. ' Deutschland. Königsberg, 25. Jul. Hoher Verfügung zu Folge war verordnet worden, daß am 19. d. M., als dem Todestage der höchstseligen Königin Louise in allen Kirchen des Landes die Gedachtnißpredigt für den verewigten König Friedrich Wilhelm Hl. gehalten werden sollte. Der heilige Erinnerungstag an zwei große Todten, die im Leben sich so nahe gestanden, so nahe verwandt gewesen waren, an deren Leben und Thaten sich große Gedanken des Volkes knüpfen, wurde, denn auch in hiesiger israelitischen Gemeinde gleichzeitig mit den christlichen Genossen in den verschiedenen Kirchen der Stadt feierlichst und im Gefühle seiner ganzen Bedeutung begangen. — Vormittags gegen 11 Uhr des gedachten Tages füllten sich die Raume der verdüsterten Synagoge, die mit ihren umflorten Sauten, ihrer schwarzen Drapperie um die Emporgänge, Betpult und Kanzel, welche letztere jedoch der weißen Decke nicht entbehrte, und mit der geschmackvoll und sinnig geordneten Menge Kerzen dem Eintretenden die inhaltsschwere Trauerbotschaft, den ganzen Ernst der bevorstehenden Todtenfeier verkündigte. Psalmen, seit Jahrtausenden die erhabene Sprache und der treueste Dollmetscher tiefer, religiöser Anregungen eröffnten die Feier. Es waren jedoch nicht vollständige Psalmen, sondern vielmehr beziehungsreiche, zu einen harmonischen, den obwaltenden Gefühlen Worte leihende aneinander gereihete Psalmstellen, die eigens dazu von den rühmlichst bekannten Vorsänger der hiesigen Synagoge, Hrn. Weintraub in Musik gesetzt erschienen und von seinem Sängerchore auf der Biwah vorgetragen wurden. — Auf die Psalmworte (aus Psalm 39 und 16) folgte ein hebr. Gebet von dem Rabbinen Hrn. Meklenburg auf der Kanzel gesprochen, das in gewählten Worten von der hohen Sendung, dem segensreichen Walten und dem frommen Lebenswandel eines gottergebenen Herrschers das Andenken des verblichenen Monarchen ehrte und in den Bitten für das Seelenheil des Verstorbenen endete. -Einige Psalmenworte (Ps. 31, 25) von dem jenseitigem .Lohne des Gottesfürchtigen und von dem Gedeihen seiner Nachkommen bildeten den tiefen Nachhall des gehörten Gebetes, während der Religionslehrer und Prediger, Hr. Dr. Saal schütz die Gedachtnißpredigt begann. Hier war die Feier bei ihrem Hauptmomente angelangt, von der irdischen Pilgerfahrt des Verblichenen, von seinem vielbewegten Leben, durch die Stürme der Zeit von Gottesfurcht, gläubiger Ergebung und Hoffnnng getragen und emporgehoben, von seiner umfassenden Sorgfalt für das Gedeihen seines Volkes sollte hier gesprochen werden. Von Preußens Könige sollte hier zu seinen jüd. Unterthanen gesprochen werden, denen Er mit Ausnahme in den Bürgerverband, Bürgerehre und Bürgergefühl, alle Segnungen einer nach allgemeinen Gesetzen freien Betriebsamkeit und eines gemeinsamen Vaterlandes, alle für Gegenwart und Zukunft dadurch begründete Wohlfahrt gewahrte. Zu seinen jüdischen Unterthanen sollte hier von der Pflicht der Dankbarkeit gegen den königl. Befreier gesprochen und das unverbrüchliche Gelöbniß erneuert werden, sein Andenken 'stets zu ehren, durch Treue und Hingebung an Vaterland sich der errungenen Wohlthat würdig zu beweisen. — Und in der That erfüllte der Redner diese große Aufgabe. Warm und aus vollem Herzen strömte der wehmuthdurchhauchte Vortrag von den Lippen des Redners und ausgehend von dem eben so reichen innern Leben der letzten Stunden des verewigten Monarchen, verbreitete er sich über alles das, wodurch dieser Monarch in das Herz seines Volkes und namentlich seiner jüdischen Unterthanen auf ewig sich eingezeichnet hatte, über die jenseitigen Hoffnungen und den Lohn des Gerechten, über das Wiedersehn der durch den Tod getrennten Gatten. An diese Predigt reihete nun der Redner noch das Gebet für das Seelenheil der beiden Hingeschiedenen, deren die Predigt gedachte. Dem folgenden Gebete, einem Trost- und Segenflehen für den regierenden Monarchen und das ganze königliche Haus, schlossen sich Psalmodien (aus Pf. 62. 72) an, mit dm Bitten um langes Leben und allen Segen für den König und mit der Doxologie des 72. Ps. am Schlüsse. Man verließ die Synagoge zufrieden, einer heiligen Liebespflicht genügt und dem dürftigen Alltagsleben eine Stunde der Weihe abgerungen zu haben. L.