Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 37 (12.9.1840)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1840-09-12
- Page
- 589 (sequence 2)
- Language
- German
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589 590 Zur Geschichte der Homiletik v. I. A. Frankel. iDDil* Die ganze Uebersetzung des Ben-Kardaniel hatte noch Asarja de Rofsi, wie er es im Meor Enajim erwähnt, und G. B. de Ro s si besaß eine venetianksche Kusari-Ausgabe von 1547, wo als Marginalien die abweichenden Stellen der Kardaniel'schen von der Tibbon'schen angegeben warm. Zur Geschichte der Homiletik von J« JL* Fr linket* (Fortsetzung) In beiden entstandenen Richtungen sehen wirkeine neue Midraschim an's Tageslicht kommen; sondern die alten, antiquirt und darum für abgeschlossen und heilig erklärt, wurden selbst wieder Gegenstand der Auslegung, und die Predigten, sowohl die philosophischen als die hagadisch-halachischen wurden Auslegungen der Auslegung der heiligen Schrift. Letztere Art und Weise, welche die Oberhand behielt und den Sieg davontrag, so daß ihr noch vor 50 Jahren bei uns gehuldigt ward und der noch bis heute die polnischen Darschanim folgen, und die Dereschat danach einrichten, wollen wir genauer zu beschreiben suchen. Schwere oder sich widersprechende Bibelverse allegorisch und unverständliche und sich scheinbar widersprechende Talmud¬ oder Midrasch-Stellen, die jedoch zu dem Sabbac, Feiertag oder zu der Feierlichkeit ihre Anwendung finden oder auch nur möglicher Weise finden können, werden wörtlich an die Spitze gestellt, mit Angabe der darin sich vorfindenden Schwierigkeiten oder Widersprüche; oft sogar werden zu diesen aufgestellten Fragen fälschlich noch grammatische aus Unkenntnis! der Grammatik hinzugefügt , so daß wohl zehn Fragen und noch mehrere zu Anfang ihren Platz finden. Hierbei jedoch muß bemerkt werden, daß alle diese Fragen nicht a priori im Kopfe des Redenden entstehen, daß derselbe zuerst irgend eine seinem Zwecke entsprechende Auslegungsweise für solche Stellen ersinnt, und dann erst a posteriori Fragen aufstellt, die nur der gewöhnlichen, natürlichen Interpretation nicht aber seiner unnatürlichen und spitzfindigen gemacht werden können. Nach den aufgeworfenen Fragen tritt er subjektiv hervor, scheinbar als wollte er blos alle diese Schwierigkeiten lösen, führt noch andere Stellen mit andern Fragen an, schweift immer mehr von den in Rede stehenden Citaten ab, bringt Erzählungen, Gleichnisse (oft sehr triviale) von Königen und Königssöhnen, von Kaufleuten und Handels-Reisenden (DTl^WD)/ sucht sodann die Fragen der lctztangeführten Citate zu beseitigen und kehrt endlich zum eigentlichen Text zurück, welcher durch die vorige Auflösung, mit einem noch kleinen Zusatze, ebenfalls hergestellt und von den Fragen befreit sein muß. Am Schlüsse sucht er eine praktische, durch diese Discussionm gewonnene Wahrheit hervorzuheben, macht die Zuhörer darauf aufmerksam, und richtet ein Gebet an Gott, er möge Israel nach Jerusalem zurückführen, den Tempel erbauen lassen. Zuweilen wird die Predigt von einem Gebete eingeleitkt, oft wird sie durch eine eingeschaltete halachische Disputation unterbrochen, wo dann, nach. Beendigung des Halachischen (m£^n)/ der Redner zur Hagada und zu seinem angesangerien Vortrage zurückkehrt. — Wir wollen das Lächerliche, die absurden Fragen, die profanen Erzählungen u. s.w. hier nicht genauer auseinandersetzen und mit Beispielen erweisen, zumal da diese Vortrage von wahrhaft frommen und gläubigen Rabbinen gehalten, so abgeschmackt und widerlich sie unserer Bildung erscheinen mögen, Großes im Volke bewirkten, vielleicht Größeres als die besten Predigten der neuesten Prediger; sondern wir wollen prüfen und zu ermitteln suchen, wie und aus welche Weise Vorträge von dem jüdischen Volke, dem seit Jahrhunderten nur Deraschot geboten wurden, mit Erfolg zu halten sind. Man ahme nach die reine, kräftige biblische Sprache der Propheten in der dem Volke verständlichen Landessprache, man nehme aus dem vorgelesenen Wochenabschnitte oder der Haftara Einen Vers oder mehrere, und wähle entsprechende moralische Sentenzen aus dem Talmud und den Midraschim, suche diese der Vernunft gemäß, jedoch ohne die darin sich vorfindenden Schwierigkeiten anzudeuten oder gar durch Fragen aufzustellen, mit Rücksicht auf die zur Zeit stattfindende Feierlichkeit zu erklären, und man wird aus jeder oben angeführten Geschichtsepoche das Gute beibehalten und den Vortrag nach jüdischer, altherkömmlicher Weise eingerichtet haben. Bibelverse, wie Talmud- und Midraschimstellen sind in der Ursprache mit einer Uebersetzung und nicht zu selten anzuführen; denn durch Anführung solcher Citate in ihrer eigentlichen Sprache wird nicht nur der Zuhörer ermuntert und aus der Zerstreutheit geweckt, nicht nur der Bibel - oder Midrasch-Abschnitt sammt der gehörten Erklärung seinem Gedächtnisse eingeprägt; sondern auch die Sprache unserer Vorfahren und die Sprache unserer Gebete 1 * 3), welche theils hebräisch theils chutdäisch abgefaßt sind, im Volke erhalten. Am besten und angemessensten für eine jüdische Predigt ist, den Text vor das Exordium oder die Einleitung zu stellen, theils um dem Vorcrage gleichsam eine heilige Weihe zu geben, theils um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zuerst und am stärksten auf das Hauptsächlichste zu lenken, worauf dann die Eintheilung das Allgemeine des Lyema's bespricht und die Predigt selbst die einzelnen Theile behandelt; doch kann der Text seine Stelle auch nach dem Exordium einnehmen, welches in diesem Falle, wie im vorigen, überdas Allgemeine des Lhema's handeln, zugleich aber auch die Zuhörer auf den Text selbst vorbereiten und hinzeigen muß. — Was die Form der Predigt anbetriffc, so ist aus vielen Gründen nur eine in Gliedern abgetheilte Predigt praktisch 1) Daß wir aber nicht in der Landessprache alle unsere Gebete verrichten sollen und können, hat Hr. Dr. H o! d h e i m in der dritten Predigt S. 52 mit w a h r e m Eifer für Nationalität und Judenthum kräftig auseinandergesetzt und erwiesen-