Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 36 (5.9.1840)
- Article
- Probe einiger liturgischen Lieder
- Date
- 1840-09-05
- Page
- 573 (sequence 1)
- Language
- German
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513 Probe einiger liturgischen Lieder v. Stern. Zur Geschichte der Homiletik v. I. Ä. Frankel. 574 III. Probe einiger liturgischen Lieder, tibcrfttzt von 31. E. S l e r n. ■ m nwj?» *) Unsres Gottes Wirken: Hält in Macht was er verspricht, Höh' und Liese glanzdurchdringend, Zeiget dem Verehrer Licht, Seines Treuen Wort vollbringend Drum stolzier' er, der einzig für und für. U. G. W. Der die Ewigkeiten kennt, Zahlt, bestimmt die spätsten Morgen, Dessen Sitz sich: Klarheit nennt, Schau't sein Weltall zu versorgen, Drum stolzier' vor dessen Blick, Schon der Erdball bebt zurück. U. G. W. Er tragt seiner Schöpfung Last, Kennt den Schemel seiner Füße, Sein Spruch ist's, der ihn umfaßt, Daß er nie in Nichts zerfließe; Drum stolzier' der anerkannt: Gott Zebaot wird genannt. U. G. W» Der beherrscht sein Wettenreich, Furchtbar, hehr in seiner Sphäre, Dessen Ruhm der Größe gleich, Und der Allmacht seiner Heere; Drum stolzier' er hochgesinnt Dem Seraphim Diener sind. U. G. W. Ueber mir sein Machtgepränge, Der mir Führer, Aug' und Blick; Dessen Ruhm in Volkesmenge, Drängt den Feind er mir zurück, Drum stolziere groß an Kraft, Gott der Munderthaten schafft. Menschenthun: Menschenthun, ach, eitle Richtung! Täuschung ist sein Erdensitz, Würmer, Bett' ihm der Vernichtung, Und sein Grab — ein Staubesritz — Wie darf stolz der Mensch sich heben, Der der Fäulm'ß Preis gegeben! Doch, unsres Gottes Wirken: Der an Nichts den Erdball band, Daß deß' Kinder nie vergehen, Auf Gewässer ihm gespannt, Allmacht, hehr in seinen Höhen; Drum stolziere, der zur Hülle Sich gemacht des Lichtes Fülle. *) Nach dem Pijut zum Musaf des Versöhnungstages beginnend: Maaßeh Elohenü. Hr. Stern hat die meisten Lieder der Pajtanim, wie sie in unserem Ritual sich finden, metrisch übersetzt, und so weit das Original es zuließ auch -mit Präciston und Geschicklichkeit. Diese Sammlung ist aber noch Zur Geschichte der Homiletik von J» J. Frankel» (Fortsetzung) Als der erste Tempel zerstört, die Nationalität fast zersplittert, das Volk vertrieben, und als die heilige Sprache theils durch fremde, aufgenommene Wörter entstellt, theils durch andere Sprachen aus dem Kreise Israels verdrängt wurde, endlich als die Quellen der Geschichte und Gesetze Moses, die einzigen und einzelnen Ruinen der Volkssouveränität immer mehr und mehr schwanden und zu Grunde gingen: da erhoben sich gottbegeisterte und patriotisch gesinnte Männer, besonders als die zerstreuten Glieder Israels noch Einmal zu Einem Körper sich vereinigen sollten , scheuten keine Mühe, keine Arbeit, um die schriftlichen Ucberreste früherer Jahrhunderte zusammcnzutragen, zu ordnen, und in ein Ganzes zu verwandeln. Der Kanon wurde abgeschlossen. Nach dem Abschlüsse des Kanon, der heiligen Reliquie einstiger jüdischer Größe,^ hörte mit dem Erlöschen der Sprache zwar die Prophetie auf; aber das göttliche Wort lebte in Israel fort, die Bibel wurde das Buch der Bücher, das einzige Studium der Gelehrten, und aus derselben versuchte man ganze Stellen oder einzelne Verse zu paraphrasiren und zu commentiren. Alles, Halacha wie Hagada, Ereignisse im Iudenthume, wie Verhältnisse zu andern Völkern trug man in die Bibel hinein, oder glaubte man aus ihr ermitteln zu können. Die Form ward bei den Vortragen vernachlässigt; denn nicht das kräftige Wort, sondern der göttliche Inhalt, gestützt auf dem allerheiligsten Buche, sollte das Gemüth der Zuhörer bewegen und erschüttern. Ueberhaupt treten die erbaulichen Vorträge, die Hagada, in den Hintergrund, als da hingegen die belehrenden, die Halacha, immer mehr und mehr Gang und Gäbe wurden; nur wenn der Vortragende das Volk, der Lehrer die Schüler ermüdet und in einer gewissen Abspannung befindlich wähnte, wegen der scharfsinnigen halachischen Belehrungen, entschloß er sich etwas Hagadisches, aus Allegorien, sinnreichen Fabeln, und aus merkwürdigen Erzählungen zu den biblischen Geschichten bestehend, seinen Zuhörern zur Erholung und Aufmunterung zu bieten. Doch bei bestimmten Gelegenheiten, als bei Hochzeiten,Leichenbegängnissen, wie überhaupt bei Festnlcht im Druck.erschienen, dafür aber hat so eben von diesem gewandten Uebersetzer die Presse verlassen: 1) Hymnen an die göttliche Einheit, eine metrische Übertragung des Schir ha- Iichnd (mit dem hebräischen Texte); 2) Perlen- und Kernsprüche der Väter, oder metrische Uebertragung der Pirke Abot, Beide in der v. Sch mid'schen Ofsicin, und in Leipzig bei Ed. Kumm er. Red. 3) Solche hagadische Disputationen finden sich, um einige Beispiele anzuführen: Iebamot 37b, 61b, 82b, 63b; Kctubot 8b, 16b, 59b; Kiduschin 29b, 70a; Pesachlm 49a u.b; Moed Katan 29b; Sanhedrin 22, 76b; Midrasch Raba Gen. Cap. 17, 45 u. s. w.