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Der Orient · 1840-09-05 · Heft 36 (5.9.1840) · p. 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 36 (5.9.1840)
Article
Prag : die Aufnahme Rapaport's [Nachricht]
Date
1840-09-05
Page
278 (sequence 2)
Language
German
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278 entgegen. Sein Erscheinen gewann alle Herzen; denn N.'s Persönlichkeit ist einnehmend.. Bel dem Einzüge zu Prag standen die Gaffen gedrängt voller Menschen und selbst christliche Einwohner schienen freudigen Antheil zunehmen. In der ältesten Synagogeder sogenannten- „Attneuschule" sprach er dann einige Worte zu der versammelten Gemeinde, und begab sich darauf kn die für ihn eingerichtete Wohnung. — Möge dieser freudige Empfang dem gelehrten R. ein Beweis sein, wie sehr der größere Theil der hiesigen Gemeinde denjenigen als Oberjuristen zu ehren versteht, der solcher Ehre und Auszeichnung ihr würdig scheint. Rußland. Petersburg, 15. Aug. Nach einer neuen Bestimmung des Reichsraths wird den zum Stand der freien Ackerbauern übergetretenen Juden der Rücktritt in ihr früheres bürgerliches Gewerbe unter nachstehenden Bedingungen gestattet: 1) Sie unterliegen wieder der Rekrutenverpflichtung, von der sie als Ackerbauern befreit waren. 2) Sie haben alle bis dahin auf ihnen haftenden Steuern zu entrichten. 3) Sie können nur familienweise und nicht einzeln austretm. 4) Den Landmannsstand verlassend, werden sie in demselben nicht wieder ausgenommen. Hebräer indessen, die über zwanzig Jahre dem landwirthschaftlichen Gewerbe obgelegen, haben die volle Berechtigung, in alle andere Gewerbe überzutreten, deren Ausübung ihnen das Gesetz gestattet. Die von der Regierung im Gouvernement Cherson cmgesiedelte Hebräer-Colonie, welche einer besondern Verfassung unterliegtist dieser Kategorie ausgenommen. (H. C.) - Licht- und Schrltteuhildcr aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten. (Fortsetzung.) Aber nach Allem, was seit einiger Zeit gedruckt worden ist, werden unsre Verleumder Ihnen vielleicht geradezu entgegnen - ein solcher Gebrauch könne stattsinden, ohne daß Sie Kenntniß davon hätten, weil nach Behauptung solcher Leute dies ein Geheimniß sein soll f welches nicht allen Juden, sondern den Rabbinen allem mitgetheilt wird, und daß daher Ihre feierliche Bürgschaft rückft'chtlich Ihrer eignen Kenntniß von der Sache vollkommen wahr, im allgemeinen aber unstatthaft sein könne. Diesem Einwande zu begegnen, ist darum meine jetzige Absicht. Ich bin Rabbine. Durch die Gnade der.Vorsehung bin ich seit nun vierzig Jahren der geistliche Leiter der großen Gemeinden Englands und früher bekleidete ich ein ähnliches Amt in Deutschland. Mein geehrter Vater — gesegneten Andenkens — bekleidete dieselbe Stelle in London, Berlin und andern namhaften Städten, eben so vor ihm sein Vater und so haben meine Vorfahren seit mehr als zehn Generationen mit großem Ruhme unsere höchsten kirchlichen Würden bekleidet. Ihre Lehren wurden von Vater auf Sohn und so bis auf mich vererbt, so daß, wenn es irgend einen Mann gübt, der vermöge seines Amtes, seiner Erziehung und seiner Abstammung in allen unfern Gesetzen, Vorschriften- Sitten, Gebräuchen und Beobachtungen vollkommen bewandert sein muß, ich ohne alle Eitelkeit mit der strengsten Wahrhaftigkeit behaupten kann: ich bin dieser Mann. Ueberdieß bin ich hochbetagt; für meine Person habe ich auf Erden nichts mehr zu wünschen, erwarte aber bald vor dem höchsten Weltenrichter, vor dem Heiligen Israels zu stehen, der auf Sinai verkündigt hat: „Du sollst nicht tödten" und „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottesnicht vergeblich anwenden." Und nun komme ich mit dem vollen Bewußtsein meiner Verantwortlichkeit freiwillig heran und ohne irgend eine Zweideutigkeit oder Mentalreservatien schließe ich mich dem furchtbaren Reinigungseioe anden vor beinahe 200 Jahren im Namen der ganzen jüdischen Nation rücksichtlich derselben Anklage der berühmte und fromme Rabbi Manasse den Israel geleistet hat, dem die Juden ihre Aufnahme in England danken und den er in seinem Werke Yindiciae Jiulcorum ausgezeichnet hat. Mit ihm und seinen eignen Worten spreche ich: Da-dieser Gegenstand unsrerseits blos allerhand behandelt und nicht durch Zeugen bekräftigt werden kann, so sehe ich mich zu einer andern, für diesen Fall von dem Ewigen, gelobt sei er, selbst vorgeschriebenen Beweisführung, zu dem Eide nämlich, zu schreiten genöthigt. Ich schwöre daher ohne irgend einen Hinterhalt oder Betrug bei dem Allerhöchsten, Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, welcher auf Sinai sein Gesetz seinem Volke offenbart hat, daß ich nie und bis zu dem heutigen Lage nicht, irgend einen Gebrauch als das Gebrauchen des Menschenblutes bei irgend einem Religionsgebrauche uutev dein Volke Israel gesehen habe, und daß sie keine derartige Vorschrift weder aus dem göttlichen Gesetze selbst noch durch irgend eine Verordnung ihrer Weisen haben, und daß sic nie eine solche Schändlichkeit begangen, noch zu begehen gesucht haben-, so viel ich weiß oder auf glaubliche Weise gehört oder in irgend einem jüdischen Schriftsteller gelesen habe. Und wenn ich in dieser meiner Behauptung die Unwahrheit sage, so mögen mich alle die Flüche treffen, die im zweiten und fünften Buche Mosis verzeichnet stehen , so möge ich nie die Segnungen und Tröstungen Zions sehen, so möge die Auferstehung der Loden für mich nimmer erscheinen. Diesen meinen feierlichen Eid, den der tugendrciche Mendelsohn sich bereit erklärte, dem Rabbi Manasse nachzusprechen, lege ich mit vollem Bewußtsein in Ihre Hände nieder, obgleich die von mir angezogenen Autoritäten meiner Bekräftigung nicht bedürfen, wie ich überhaupt die Ueberzeugung hege, daß in diesem aufgeklärten Lande jede solche Erklärung überflüssig ist. Aber selbst dort, wohin Sie gehen, wird diese Erklärung alle Freunde der Wahrheit befriedigen. Meine besten Wünsche begleiten Sie, mein werthcr Freund! Reisen Sie glücklich! Der gerechte und - barmherzige Gott schenke Ihrem Unternehmen den Erfolg, welchen unsre Angele-

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