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Der Orient · 1840-09-05 · Heft 36 (5.9.1840) · p. 277

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 36 (5.9.1840)
Article
Berlin: die neuesten Judenfeinde
Date
1840-09-05
Page
277 (sequence 2)
Language
German
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277 von Aug. Arnold." Das Buch gehört eigentlich nicht der Literatur des Judenthums an, steht auch in keiner Weise mit diesem in Beziehung. Denn da Hr. Arnold die Wahrheit, die zu erkennen der Menschheit Ziel sei, als etwas Absolutes, als die höchste Vollendung des Christenthums hält, steht er innerhalb einer Ueberzeugung, nach welcher jede andere Ueberzeugung eine falsche oder ,,unvollkommene" ist; er befindet sich demnach nicht auf einem philosophisch-kritischen, sondern auf einem dogmatischen Standpunkt. Ob nun hier seine Darstellung und Behandlung der geschichtlichen Ideen gelungen ist oder nicht, darüber steht uns kein Urtheil zu; auch kümmert uns, die wir gern auch eine andere Ueberzeugung, der unsrigen gegenüber, gelten lassen, das Dogmatische anderer Glaubensgenossen weniger. Ein Jude natürlich, der die Geschichte durchgemacht, ihre Ideen in sich ausgenommen, und Jude ist, auf den hat die Geschichtsentwickelung ganz anders gewirkt, und er muß nothwendig einen andern Zusammenhang in der Geschichte finden. Doch wir kämpfen nie an, wir vertheidigen uns nur, das Buch und sein Inhalt berührt uns nicht. Aber eine Stelle siel uns doch gewaltig auf, über die wir also ein Paar Worte nicht unterdrücken wollen. Hr. A. spricht so halb und halb für eine Emancipation (S. 292); aber er meint, sie muß nothwendig zum Christenthume führen, und ist eigentlich nur erst dann recht möglich, wenn das Judenthum zu diesem Standpunkt gelangt ist; „diejenigen von ihnen, welche eine tiefere, gründliche Bildung genoffen haben, begreifen auch leicht die höhere welthistorische Bedeutung und Entwickelungsstufe, die im Christenthume liegt, und müssen dann innerlich gedrungen und nothwendig zu ihm übergehen." Wir geben Hm. A. die Versicherung, daß dieses keinesweges wahr sei, und daß es unter uns Männer giebt, die sehr erleuchtet sind, und sie gehören dennoch mit Leib und Seele dem jüdischen Glauben an, und bringen ihm die höchsten Opfer. Seine verheißene Emancipation der Juden aber, wenn sie nicht mehr Juden sind, erinnert uns unwillkürlich an die kirchliche orthodoxe Auslegung der jefajanischen Prophetin, Cap. 7-; der König Ahas befindet sich in schwerer Noch und höllischer Angst vor zwei Königen, die ihn hart belagern und bedrängen. Da tritt Jesaja zu ihm, tröstet ihn und verspricht ihm eine glückliche Zukunft. Er sagt: nur ein wenig Geduld, mein Herr König, in sieben hundert Jahren etwa wird der Herr ein Zeichen gegen die Heiden und die Juden, die Christen werden wollen, geben, einen glaubwürdigen Beweis; die Jungfer wird schwanger werden rc. Mit dieser fröhlichen Aussicht, die den Christen bevorsteht, konnte natürlich der König Ahas sich beruhigt fühlen, eben so wie wir mit der Zukunft uns freuen dürfen, daß wir, wenn wir erst einmal nicht mehr sein werden, nein, daß Andere, Christen, emancipirt werden sollen. Der Trost ist dogmatisch, wie das ganze Buch. Aus Peeu-ßen, 24. Aug. In Hinsicht der Juden im Großherzogthum. Posen ist auf die Anträge der städtischen Behörden bestimmt, daß die Zahl der jüdischen Mitglieder in den dortigen Stadtverordnetenversammlungen nur ein Drittel oder ein Viertel der überhaupt in jeder Stadt vorhandenen Zahl betragen solle. Da es sich auch ergeben hat, daß Juden aus dieser Provinz sich nach Ablauf mehrer Jahre zur Einlösung der ihnen von Seiten des Ministeriums des Innern bewilligten Natmalisationspatente nicht melden, so sollen, wenn dies in Zukunft nicht binnen einem Jahre geschieht, die nicht abgebolten Patente auf etwaiges Ansuchen nur gegen doppelte Ausfertigungsgebühren ausgefertigt werden. Die betreffenden Ministerien haben sich in Hinsicht der Verhältnisse der jüdischen Gemeinden zu den Gememdekaffen des Orts, zu welchem sie gehören, dahin ausgesprochen, daß dieselben mit den Christen gleiche Ansprüche an die Gemeindekassen haben, und daß in Hinsicht auf die Beisteuer zu den Schullasten drei Falle zu unterscheiden: 1) Es steht den Juden frei, ihre Kinder in die christlichen Schulen zu schicken, und wenn sie dieses thun, zahlen sie Schulgeld in gleichem Maße wie die christlichen Eltern, und die Kinder armer Juden werden behandelt wie die Kinder armer Christen; 2) es steht ihnen frei, ihre Kinder in die christlichen Schulen zu schicken; thun sie es aber nicht, sondern ziehen es vor, einen eignen Lehrer zu halten, so können sie keinen Anspruch an die Gemeindekasse weder zur Unterhaltung des Lehrers noch zur Zahlung des Schulgeldes für arme Kinder machen; 3) sind sie bereit, ihre Kinder an dem Unterrichte in den christlichen Schulen Theil nehmen zu lassen, können aber wegen Mangel an Raum oder wegen zu großer Zahl christlicher Kinder nicht ausgenommen werden, so ist die Ortsbehörde verpflichtet, den Juden zur Unterhaltung ihrer eignen Schule, zu deren Errichtung sie dann genöthigt sind, nach Verhältniß der Bevölkerung gleiche Rechte mit den christlichen Confessionen und folglich gleiche Ansprüche auf verhaltnißmaßige Unterstützung aus Communalmitteln angedeihen zu lassen. Böhm e n. Pv6g, 12. Aug. Heute kam Rapaport hier an. Der Empfang, veranstaltet durch gelehrte Freunde war so feierlich, wie er noch keinem Oberjuristen zu Theil geworden ist. Schon Tags zuvor ging ihm eine Deputation der Beerdigungsbrüderschast bis nach dem acht Meilen entfernten Collin entgegen. In Böhmischbrod empfing ihn darauf eine andere Abgeordentschaft in dem Hause des einzigen daselbst befindlichen Israeliten, Hrn. Mendel, und an 30 Wagen, besetzt mit den angesehensten Männern der verschiedenen israelitischen Gemeindegliedecn Prags, fuhren ihm bis auf das nächste Dorf

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