Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-09-05 · Heft 36 (5.9.1840) · p. 276

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 36 (5.9.1840)
Article
Oesterreichische Grenze: Bericht über Mähren
Date
1840-09-05
Page
276 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360130-2363471--0861-2363511
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

276 ist es nicht genug, wenn hier und da eine deutsche Predigt gehalten, oder eine Trauung in der Synagoge vorgenommen wird, sondern das ganze Gemeindeleben muß neu gestaltet, die bestehenden Anstalten neu belebt und in die ins Leben tretenden Institute ein neuer, frischer, thatkräftiger Geist gebracht werden. Wg. '□ J8 erlitt, im Aug. Der durch seine Uebersetzung des ersten Tractats vom babylonischen Talmud hinlänglich berüchtigte Libellist H. G.Löwe sen. aus Hamburg hat auch eine Uebersetzung des Schulchan Aruch veranstaltet, und auf eigene Kosten durch Subscription herausgegeben. Das erste Heft, verrieth eine solche Unwissenheit der deutschen sowohl als der rabbinischen Sprache, einen so erbärmlichen Judenhaß, daß wir mit Recht hofften, die Fortsetzung des Unternehmens würde unterbleiben. Es hat auch kein wissenschaftliches Organ, wenn nicht etwa der Uebersetzer durch Vermittelung der Redaktion dazu bewog, dies leidige Machwerk einer Recenston gewürdigt, und das Buch kam auch nicht in den Buchhandel. Wie wir spater hörten, sind die folgenden Hefte nachgeliefert worden, und der Verfasser scheint entweder die Subscriptionsverpflichtung geltend, oder das Mitleid seiner Abonnenten rege gemacht zu haben, um die Fortsetzung bewerkstelligen zu können. Wir haben-die folgenden Hefte keiner Ansicht gewürdigt. Das Werk sprach zu sehr gegen sich, als daß wir nöthig gehabt hatten, den Schulchan Aruch, solcher Uebersetzung gegenüber, vor Verunglimpfung zu vertheidigen. Wir gestehen es Hrn. Löwe offen, daß wir Anderes zu thun haben, als die Angriffe jedes elenden Feindes zurückzuweisen, und daß wir wiederum gewöhnt sind, hungerleidenden Neophyten, die ihren alten Glauben für ein Paar Silberlinge an den Buchhändler oder sonst an einen Andern verkaufen , durch seltsame und lügenhafte Entstellungen unseres ganzen Wesens und unserer Literatur etwas Brod für darbende Kinder zu verschaffen. Wir können darum versichern, daß sein Recensent in der Jenaischen L.-I. entweder kein Jude war, oder mindestens nicht aus Eifer für den Talmud gegen sein Unwesen in der Literatur sich erhob. Juden lesen dergleichen Schriften nicht, oder würdigen sie wenigstens nicht einer Entgegnung; wie wir auch hier seine Uebersetzung des S. A. nicht gelesen haben. Durch Zufall nur erfuhren wir erst jetzt, daß in seiner Uebersetzung ersten Theiles zweiter Abtheilung sich am Schluß eine Antikritik befindet, die eine Unwahrheit enthält, gegen welche wir allerdings uns zu bewahren Ursache haben. Es könnten durch dieselbe leicht diejenigen Besitzer der Uebersetzung, die nicht lesen, getäuscht den Wahn hegen, als sei dieselbe zuverlässig und authentisch, darum sei zur Steuer der Wahrheit das wahre Sachverhaltniß, wie wir es aus sicherer Quelle wissen, hier niedergelegt. Hr. Löwe, der natürlich sich nicht durch seine Schmähschriften empfehlen kann, beruft sich in erwähnter Antikritik auf das „sprechende und ehrende Zeugniß von dem Hrn. Dr- und Professor der Theologie Benary in Berlin," um dadurch seinem Buche eine gewisse Geltung zu verschaffen. Nun wissen wir allerdings nicht, was in diesem Privatzeugniß, das die gewöhnliche Nachsicht und Menschenliebe hochgestellter Personen der bettelnden Beschränktheit zur Abhilfe gegen die Noch mit Widerwillen giebt, wörtlich gestanden hat. Wir wissen aber gar wohl von einem amtlichen Bericht desselben Hr. Prof. Benary an das K. Ministerium ck.ck. 7.Juli 37, der auch Hrn. Löwe zugestellt wurde. Als nämlich derselbe beim Ministerium um Unterstützung petitionirte, wurde über seine Leistungen ein Gutachten eingeholt, in welchem Hr. Prof. Benary erklärte: daß die Arbeit des Hrn. Löwe in keiner Weise in literarischer Beziehung eine Berücksichtigung verdiene, da sie weder die objective Treue einer Uebersetzung beachte, noch irgend eine Kenntniß des Styles oder Geistes der rabbinischen und deutschen Sprache verrathe. Er fügte ferner hinzu, daß ein Privatzeugniß, das er ihm gegeben, nur seine traurigen Privatverhaltnisse nicht aber seine literarischen Verdienste berücksichtige. Hr. L. wußte recht wohl von diesem Berichte, und konnte gleichwohl der Oeffentlichkeit gegenüber sich auf dieses Zeugniß berufen! Wahrlich dieser Mann verdient schon einen Platz in den Annalen der Geschichte; er ist merkwürdig genug, entweder durch seine Beschränktheit oder durch seine — Frechheit. — Durch diesen „Winkelschulmeister" werden wir noch unfeinen Andern erinnert. Hr. Bender aus Darmstadt hat in diesem Jahre sich auch in einer Schmähschrift gegen die Juden ausgelassen. Sie enthält auch nicht ein Wort mehr als des sel. Eisenmenger's „entdecktes Judenthum;" nur fand der Verfasser noch hier und da Gelegenheit, auch in andern Fächern, seine Unwissenheit gebührlich an den Tag zu legen. Es ist kein einziges Citat richtig angegeben, und kein hebräisches Wort richtig geschrieben. Der Verf. hat sicherlich noch nicht die ersten Elemente der Sprache inne. Er scheint einen in Schweinsleder gebundenen Eisenmenger als Rarität irgendwoher erhalten zu haben, und ist der Meinung, daß dieses Buch nicht bekannt sei; in welchem Falle er dann-, durch Uebergehung der Angabe seines Gewährsmannes, ungeschickt genug, den Schein einer weitläufigen Beschäftigung mit den rabbinischen Schriften von sich zu verbreiten meint. Wir würden ihm in Zukunft aber rathen etwas sorgfältiger'abzuschreiben. Uebrigens wissen wir ihm Dank für seine Schrift. Seitdem Gassenbuben „Jude" rufen, schämt sich der ordentliche Bürger es zu thun, so bald solche Leute, wie der Verfasser, Hr. Traxel, oder Hr. Löwe, gegen die Juden schreiben, steht zu erwarten, daß jeder ordentliche Gelehrte Anstand nehmen wird, ein Gleiches zu thun. Wer wollte auch die Gemeinschaft solcher Männer theilen! — Unter den neuesten Erscheinungen Nennen wir auch „Umrisse und Studien zur Geschichte der Menschheit,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.