Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-09-05 · Heft 36 (5.9.1840) · p. 274

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 36 (5.9.1840)
Article
Arabien: Fortsetzung
Date
1840-09-05
Page
274 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360130-2363469--0855-2363509
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

274 weise der der Bene-Rechab gleicht, scheint aus dieser Familie entstanden zu sein, die nach Plinius (V. 16) ihren Hauptsitz um Engedi, in der Wüste Juda's am Süden des, todten Meeres hatte, wo ehemals die Bene-Rechab waren. (Ftstzg. folgt.) Deutschland. Wien, 3. März (Schluß, s.Orient Nr. 10.11 rc.). Nach langer Unterbrechung fahre ich endlich mit meiner Ueberschau der in österreichischen Landen erschienenen hebräischen Erzeugnisse fort, aber diesmal will ich den Artikel schließen, um ihn von Neuem nächstens aufzunehmen. Das. Werk, welches ich hier anzeigen will, ist Aiü moderttes, und doch erst ein in der Neuzeit erschienenes - e6 führt den Titel: Minchat Kenaot, theologische Cocrespondenz des Abba Mare Mose, ben-Josef Jarchi Don Estrok von den Weisen Lunels in Montpellier und mehrer spanischen Rabbknen, mit dem gelehrten Salomo Ben Averet, genannt Naschba, in welcher auch das Buch Ha-Jareach enthalten. Aus einer veralteten Handschrift, ausgefunden in einer Bibliothek zu Florenz. von M. L. Biseliches aus Brody (Preßburg bei Ed. v. Schmid 1838). Blätter, dem Verfallzeitsbuche der Vergangenheit, des Vergessend dem Staube und Nagezahne der Vermoderung entrissen und auf dem Prasentirteller typographischer Couverts in verjüngt lächelnder Gestalt offerirt> sind uns immer eine in doppeltem Bezüge höchst interessante und willkommene Novität. Diese ist uns das Bild phönixartiger Auferstehung des in manuskripter Verpuppung Jahrhunderte lang schlummernden Wortes') ist uns ein Schlüssel, der uns die fest verriegelten Pforten längst verflossener Zeitepochen erschließt. Jedes Wort ist Ans ein Mikroskop in die Camera obscura grauumnachteter Urzeit hinüber zu blicken, und das Ganze ein Telegraph, der uns aus den fernen Zonen des Altecch.ums und der Vorzeit seine Laute hinüber sendet. Ist dies -bei einem Werke von rein wissenschaftlicher Tendenz, von Einem Verfasser ausgegangen und medergeschrieben der Fall/ so ist es in weit hoherm Sinne bei einer Briefsammlung von verschiedenen Meistern ausgegangen. Da wird diese Novität zu einem historisch beachtenswürdigen Zeitgemälde, in welchem sich die Typen srühern Lebens und Strebens, früherer kleinlicher wie großartiger Charaktere aufs sprechendste und deutlichste beurkunden. Ein solches Spiegelbild begrüßen wir aufs frreundlichste in dem uns 'von Hm. Bise lieh es .durch den Ed. v. Schmid'schen Verlag gespendeten Minchat Kenaot. Ein Weck, in der zweiten Halste >des dreizehnten Jahrhun- -deRs 'von den -vabbinischen Geistesherocn damaliger Seit, Unter denen mancher in ungetrübter Eelebmat bis in die Neuzeit strahlte, entstanden'; von erleuchteten Männern, 4ie bei rhriem tiefen talmMschen 'Wissen schon damals -als rüstige Kämpfer avide-r i>en.ObMraMksmus offen! und freiwüthig austraten, als dieser die Philosophie des Maimuni mit Bann und Jntcrdict verfehmen wollte. Ein Werk, das außer den halachischen Dissertationen und Entscheidungen die es hie und da enthält, gar manche Lichtpunkte über jüdische Geschichte verbreitet und liefert. Ein Werk, in der Epoche dunkler Umnachtung, im Nebelgebiete düstrer Abstumpfung und apathischer Geistesblindheit entstanden, wo die steifgebrannte mikrologische Orthodoxie allenthalben mit bleiernem Zepter noch zu Throne saß und aus welchem, so weit die verdichtete Atmosphäre damaliger Zeit den Adlerflug des Geistes gestattete, ein klarer, gelauterter und hellblickender Geist der Jdeenverklarung und Ansichlserhebung aufs überraschendste uns anfpricht. Der Styl der sammtlichen 102 Briese ist beinahe durchgängig klar, gediegen, blühend und frisch, obwohl sie oft pijutim artig in gereimter Prosa abgefaßt, so ist doch darin keinesweges die in jenen allenthalben vorherrschende Korruptheit und Schwerfälligkeit anzutreffen, wenn wir den Eingang des 53. Briefes und noch anderweitige wenige Stetten eben ausnehmen. Mit ungezwungener, ungebundener Gewandtheit finden wir die schönen poetischen Ausdrücke und Bibelstellen kunstvoll und unbeabsichtigt mosaikartig darin verflochten und eingelegt, und eine klassische Vollendung und Rundung spricht daraus uns an und stempelt sie zu Meisterstücken ihrer- Zeit. Ein schönes, klares und herrliches Spiegelbild einer dahin geschwundenen Zeitepoche. -- Welche energisch vollkraftigen Worte, welch religiöse Warme, welche Glaubensgluth! In reiner, ungeschminkr ter und ungetrübter Klarheit tönt uns jedes Wort aus dem heißen Glühofen der tiefsten Empfindung, jener ganz im Goldschachte ihres Glaubens lebenden und webenden Herzen entgegen und spiegelt im Herzen des Lesers sich wieder und prägt dort unwillkürlich sich ein, und gewinnt es durch den Zauber seiner inn-ern Tiefe und seiner äußern 'Gediegenheit. — Da liegen sie aufgerollt vor uns die Charakterbilder des Alterthums, die in ihren fanatischen Schwächen so starken Herzen jener nervigen Glaudensmatadoren im Judenthume! Wir sehen sie ringen und kämpfen vor uns einen heiligen, weihevollen Kampf mit dem Schwerte gefeieter Worte, für die Erhaltung der Glaubensfeste und ihres danaertragenden Koryphäen Maimomdes. Und doch ist jenes ernste religiöse Lanzenbrechen weit eher und mehr ein friedliches Tournier, als ein Kampf um Leben und Leben! Wie ist da jedes herausfordernde Wort mit dem herzgewinnenden fußen Honig der Eintracht verzuckert; wie tragt da jeder Schlag eines schneidenden Wonschwertes quasi den Handschlag des Friedens schon -in sich; und wie (iebeheifchend, einigungbegehrend und verbrüderungeutzweckend spricht in der Manifestation selbst der rauhen Kriegserklärung der ewige Waffenstillstand sich nicht aus! So soll und muß ein Volk für das Palladium seines Glaubms, ffür die Ehre seiner Männer 'kämpfen! Hauptsächlich scheint dieser

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.