Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 35 (29.8.1840)
- Article
- Cöslin: wunderliche Anfrage
- Date
- 1840-08-29
- Page
- 270 (sequence 2)
- Language
- German
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270 ist, wohl Beachtung verdient. Vorausschicken muß ich jedoch, daß ich nur Laie bin, und nicht die Anmaßung besitze, mir ein Unheil erlauben zu wollen; denn ich bin der Ansicht, daß Urtheile gediegen und begründet sein müssen. Meine Frage ist folgende: Was steht der Verlegung der Sabbatfeier vom Sonnabend auf den Sonntag im Wege? und stützt sich auf folgende Betrachtungen. Das heutige, sowohl in politischer, wie geistiger und religiöser Beziehung nach Emancipation strebende Judenthum scheint mir, sich in folgender Alternative zu befinden: entweder es betrachtet das Land, in welchem es wohnt, als fein wirkliches Vaterland, und feinen Messias symbolisch, der gekommen, sobald das Volk durch völlige Gleichstellung von der Sklaverei befreit ist; oder Jerusalem als sein wirkliches Vaterland und seinen Messias nach den Prophezeiungen als denjenigen, der die Juden aus den Fcemdlandern erlöse, und in ihr Vaterland, Jerusalem, einführe. Im erstem Falle scheint unsere Verpflichtung zu sein, unsere Institutionen nach denen des uns als Brüder aufnehmenden Landes zu modisiciren, sobald sie in Conflict mit einander gerathen, und alle Hindernisse hinwegzuräumen, die dieser Vereinigung im Wege stehen,, sofern nicht die Grundprincipien unserer Religion dem entgegen sind. Die vorgeschriebene strenge Feier des Sabbat ist nun insofern ein Hinderniß, als dieselbe bei unserer Einrichtung auf einem Arbeitstag unseres gastlichen Landes fallt. Warum kann nun nicht die Feier an Einem und demselben Tage am Sonntag Statt finden? Was hindert uns den Sonntag als den 7. Tag zu feiern? Es ist nicht meine Absicht diese Fragen, und daran sich knüpfende Folgen weiter auszuführen, sondern ich will unsere Forscher und Schriftgelehrten nur veranlassen, ihre Urtheile über die etwaige Ausführbarkeit in diesem Organ der Oeffentlichkeit auszusprechen. Was den ersten Theil der Alternative betrifft, so scheint mir dessen Beantwortung ganz nahe zu liegen. Wem Jerusalem Vaterland ist, der ist in seinem jetzigen Wohnort nur politischer Flüchtling, also nur geduldet; von diesem Gesichtspunkt ist die preußische Negierung bis 1812 ausgegangen. Auf das Edikt von Marz 1812 aber ist dieser Gesichtspunkt gänzlich verrückt worden, ein weiteres Fortschreiten an Zugeständnissen lag in dem Geiste desselben, und dennoch hat unser weiser, gerechter König nichts weiter bewilligt, vielmehr mancherlei zurückgenommen; das Ministerium konnte keinen rechten Standpunkt finden, wie Rießer uns bewiesen hat, und durch dieses Schwanken ist unser Fortschritt um lange Zeit aufgehalten worden. Woher dieses Schwanken bei einer so intelligenten Regierung? Gewiß wohl nur daher, weil sie nicht einig werden konnte, ob-sie uns als Unterthanen oder als Fremdlinge betrachten sollte. Ihre Humanität, unsere Handlungen, stimmten für die erstere, unsere Satzungen, die auf ein anderes Vaterland Hinweisen für die Letztere. Was blieb also wohl übrig, da die Humanität bei ihr vorherrschte, als die Zeit gewähren zu lassen? — Ich wiederhole, daß ich hier nur meine Ansichten ausspreche, und frage, wenn dem so ist, an wem ist es wohl an Hinwegräumung der Hindernisse zu denken? Erklären wir uns offen für unsere liebevolle. väterliche Regierung, gestehen wir ihr, daß wir kein anderes. Vaterland kennen, als unser geliebtes Preußen, dem wir mit Gut und Blut dienen; meiden wir jede Beziehung auf ein anderes, längst in Wahrheit aufgegebenes Vaterland, modisiciren wir jede möglich zu machende Satzung unseres Glaubens nach der unseres jetzigen Vaterlandes; dann wird zweifelsohne unser Messias ^erscheinen, d. h. die Erlösung vom Sklavenjoch der Ausschließung, die Aufnahme in die brüderlichen Arme unserer christlichen Brüder. . D.d. Lichtt!rrd Schatte-nbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart. Erfolgte Schritte zu. Gunsten der in Damaskus Verfolgten. (Fortsetzung.) Da war es wieder der große Anwalt für das Recht und die Ehre des Judenthums, Cremieux, der sich auflehnte gegen den fanatischen Sinn des sardinischen Mönches und ein neues Schreiben an das Journal des Debats (abgedruckt in Nr. 21 des Orients) vernichtete das offioielle Document, nebst den beigebrachten Actenstücken des parteiischen Fanatikers. Aber es blieb,jetzt nicht mehr bei den vereinzelten Bemühungen hervorragender Privatpersonen. Ganze Corporationen traten zusammen, sich für die Unglücklichen und namentlich für die Wiederherstellung der Ehre des israelitischen Namens zu verwenden. Die I u d e n fch a ft von Paris fragte nicht bloß bei dem Ministerium an, Ln wie weit und Ln wie fern dasselbe von der traurigen. Angelegenheit unterrichtet sei, es veranlaßt dasselbe zugleich auch, geeignete Schritte; zur Ehrenrettung des israelitischen Namens.zu thun. Die Juden Oesterreichs und an ihrer Spitze Rothschil b traten handelnd auf und flehten ihre, gerechte und väterliche Regierung nicht umsonst um Hilfe in dieser betrübten Angelegenheit am Wir sehen von nun an den österreichischen Geneval-Consul in ^Alexandrien, Herrn von Laurin, und den Consul desselben Staats, Herrn Merlatv in Damaskus, den man seiner regen Theilnahme willen, gern, für einen Juden ausgeb.en mochte, auf das eifrigste bemüht, die Angelegenheit auf den Status' der Gerechtigkeit und Menschlichkeit zurückzuführen und die Jntriguen, Cabalen, den Fanatismus und das Ungeschick der verschiedenen bei dem Proccsse be-