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Der Orient · 1840-08-29 · Heft 35 (29.8.1840) · p. 267

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 35 (29.8.1840)
Article
London: Cremieux's Rede zur Abschaffung der Sklaverei
Date
1840-08-29
Page
267 (sequence 2)
Language
German
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pfehlen wäre? Als Gott unsre ersten Eltern schuf, als er die zukünftige Gesellschaft mit den Worten segnete: „Seid fruchtbar und mehret euch!", da unterwarf er dem Menschen die ganze Natur: Hier, das dein Erbtheil, das deine Herrschaft! Die Erde und alles, was sie hervorbringt, und alle Geschöpfe, welche darauf wohnen, sollten seiner Herrschaft unterworfen sein. Aber wo finden wir, daß der Schöpfer gesagt hatte: Ich will dieser Erde zwei Menschenra^en überliefern, eine soll die unumschränkte Gebieterin sein, weil ich ihr eine weiße Haut geben werde, die andere soll ein. niedriger Sklave bleiben, weil ich ihr eine schwarze Haut geben will. Zwei Klassen ein und derselben Creatur und überdieß ganz aus ein und demselben Koth geschaffen, mögen sich über die ganze Erde ausbreiten, die eine. Klasse mögen die Unterdrücker sein, die andere Klasse aber die Unterdrückten: alle möget ihr dasselbe Leben besitzen: derselbe göttliche Hauch möge euren Körpern beleben; aber unter euch selbst mögen die einen die vorzüglichem vor den andern sein, und diese können ihre Brüder, wie das unvernünftige Vieh, zum Markte, in öffentliche Versteigerungen bringen. Die Rede wirkte gewaltig und die Sensation der Gesellschaft stimmte sich ungemein zu Gunsten der Juden. Fast wendete sich der Gegenstand ganz ihnen zu. O'Connell sprach fast nur allein von ihnen und zwar in Bezug auf die englischen Juden sehr wahre Worte. Er vertheidigte nicht blos die Juden rücksichtlich der Damasker Anschuldigung auf das Lebhafteste, sondern ging auch aus die herbei gewünschte Emancipation der englischen Juden weiter ein und äußerte sein Bedauern darüber, daß die Juden in England noch nicht emancipirt waren; erinnerte zugleich aber auch, daß die Schuld nicht blos an dem englischen Wolke, sondern an den Juden selbst liege, welche zur Zeit noch ein beispielloses Phlegma bewiesen und nichts für ihre Befreiung thaten. Die gehörige Thatigkert vorausgesetzt, bemerkte der Redner, würde ein einziges Anbringen im Unterhause hinreichend sein, die Sache dort mit großer Majorität durchzusetzen und das Oberhaus endlich zum Nachgeben zu zwingen. Frankreich. Leipzig, 20. Aug. Das neueste Heft des Arch. Israel. (Monat Juli) bringt uns die Verhandlungen des Israel. Central-Conststoriums Frankreichs über das bekannte Reorganisittions - Projekt. Wir wissen, daß der in Nr. 8. des Orient-mitgetheilte Ordonnanzentwurf für den israelitischen Cultus durch zahlreich eingehende Berichte und Gutachten-von Seiten der verschiedenen Provinzialconststorien abgelehnt wurde, und daß gewichtige Gründe genug dagegen aufgebracht wurden, um eine Reorganisation zu bedingen. Zuerst trat der Oberrabbine Lambert von Metz mit seinen- Reclamationen hervor. Er sprach sich freilich geWN alle. Reform aus, und in feinem-Gutachten herrscht ein solches Chaos von Begriffen, daß darauf weder etwas zu geben, noch daraus etwas zu entnehmen ist. Das Bedeutendste in seiner Schrift ist der Protest gegen die Obergewalt, die das Central-Consisioriuln usurplrett möchte, obwohl es nur aus einem Geistlichen und sieben Laien besteht. — Nach ihm reichte der Oberrabbine Cahen von Marseille seine „Bemerkungen" ein. Er protestirt insbesondere gegen die Herabsetzung der Rabbinen und eine Beraubung ihres Einflusses auf die Synagogen, so wie gegen die Bestimmung, daß eine Majorität von 5 Laien den Cultus fortan regeln sollte. Eine solche Bestimmung müsse nothwendig Zerwürfnisse und Streitigkeiten herbeiführen. — Am ausführlichsten und gründlichsten war das Gutachten des straßburger Oberrabbinen, Aaron Arnaud. Er erachtet eine Reform des. Cultus für nothwendig, hat aber bedeutende Einwendung gegen den vorliegenden Gesetzentwurf. Art. LZ leistet keine Bürgschaft, daß der gebildete Jude, der nicht Wähler,. Ossicier u. s. w. ist, unter die NotÄeln treten könne. Ein durchgängiges Austreten aller La ieng lieber nach dem Quadriennium ist unstatthaftvielmehr Muß alle Jahre der vierte Theil ausgeschieden werden. Der Ausdruck sacrificateur statt Schächter ist gesucht und mit unstatthaften Nebenbeziehungen verbunden. Daß nach Art. 24 das Central-Consi'storium den Gottesdienst willkürlich zu regeln habe, ist unzulässig. Der Ausdruck U nt e r rabbine wird angegriffen, man soll setzen Rabbi ne n erster, zweiter rc. Klasse. Das Examen der Rabbinen, einzig durch Laien abgenommen, ist bedenklich. Die Einrichtung umherziehender Prediger wird völlig verworfen. Eine Synode soll die zu machenden Verbesserungen berathen rc. Die unglücklichen Ereignisse zu Damaskus zogen nun eine Ieitlang die Ausmerksamkeit von dem obschwebenden Gegenstände ab, aber am 28. Apr. stattete, der thätige Cremieux über alle bis dahin eingegangene Gutachten Bericht ab, um darauf einen neuen Organisationsentwurf vorzulegen. Wie werden denselben mit nächstemzur Kenntniß unsrer Leser bringen und lassen sie selbst urtheilen, wie weit er mit dem erstem zufammenfallt, oder von ihm abgeht. Wir hoffen indeß, daß Herr CremieuA glücklich und wie zu wünschen steht, zufrieden mit seiner Mission, aus dem Oriente zurückkehrt, und können-erwarten, daß ihm dann dieser neue Entwurf auch noch Anstrengungen kosten , aber gewißauch seinen Ruhm erhöhen wird. ® 1 n e id rli Kopenhagen, 1. Aug. Die Provinzialstände von Seeland rc. scheinen mit der Zurückweisung ihrer Petition um Wählbarkeit der Judenfür die Stande- 35 *

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