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Der Orient · 1840-08-22 · Heft 34 (22.8.1840) · p. 264

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 34 (22.8.1840)
Article
Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten
Date
1840-08-22
Page
264 (sequence 2)
Language
German
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264 meistern konnte, als wir erfuhren, daß der Mann durch die Mörderhand einiger Juden das Ende seiner segensreichen Laufbahn sollte gefunden.haben; nein! es war eine weit größere, eine weit fürchterlichere Verletzung des moralischen Gefühls, die Europa in Bewegung fetzte; cs war das Hohngelachtcr der Hölle selbst, welches uns m innerster Seele erbeben ließ. Nicht Israeliten, sondern Israel sollte die Blutschuld auf sich nehmen; nicht Juden sollten den Mann gemeuchelt, das mosaische Gesetz, die heilige Religion selbst sollte das unglückliche Opfer der Bosheit geschlachtet haben. Ein Schrei des Entsetzes, ob solcher Verlaumdung, die nur Bosheit ersonnen und Dummheit großgewiegt haben konnte, durchhalltc die Welt und verletzte noch mehr, da auch europäische Journale, vorzüglich die Frankreichs im achten Frau Basen-Tone das Ereigniß geschäftig durch die Welt posaunten, ohne nur an seiner Abgeschmacktheit zweifeln zu wollen. Doch kaum hatten Bosheit und Dummheit den hochvcr:ätherischen Bund mit einander geschloffen, als auch schon zum Tröste und zur Beruhigung aller in ihrem moralischen Bewußtsein Tausend Stimmen aus allen Gegenden der Erde laut wurden, und vor Gott und der Vernunft laut und öffentlich Zcugniß ablegten, daß jene-grauenhafte Beschuldigung nichts als eine Erfindung der Hölle sei. Bei dem Eifer und Drange so vieler, Israels Ehre rein zu waschen von dem Menschcnblutc, womit man dieselbe besudelt hatte, kann die Geschichte kaum den Edeln heraussinden, der zuerst das Wort für die Beschimpften nahm, aber bezeugen kann sie, daß in allen Ländern fast zu gleicher Zeit und unbewußt von einander, der Sprecher viele auftraten, wie Ein Mann, bezeugen kann sie, daß jener berühmte Advokat Cremieux, Viceprasident des Eonsistoriums zu Paris, als er kaum die erste Kunde der scheußlichen Anklage vernommen, als achter und rechter Anwalt Israels auftrat, als welcher er bis zum Augenblicke den Kampfplatz der Vertheidigung nicht verlassen hat. Mit flammenden Worten, mit zauberischer Beredsamkeit deckte er das Gewebe der Lügen, die Leichtgläubigkeit des unwissenden Pöbels aus, indem er an das Journal des Debats jenes öffentliche Schreiben richtete, das auch der Orient in seiner 17. Nummer von diesem Jahre mit voller Freude in seine Spalten ausnahm. Der Edle gab die Losung zu einer allgemeinen Erhebung gegen dieses herzzerreißende Skandal, nicht nur christliche Blätter, zumal die Deutschlands wiesen auf das Absurde und langst verbrauchte einer solchen Beschuldigung hin und gaben Cremieux's Rede in vollem Umfange, auch die in ihrem innern Wesen angegriffenen Juden rührten sich; der O b e r r a b bi n e zu Marseille trat mit einer heftigen Gegenerklärung hervor; die Juden schaft Leipzigs wies in einer Bekanntmachung der Leipziger Allgem. Zeitung die Anschuldigung auf das Bestimmteste und Feierlichste zurück und erklärte, auf diplomatischem Wege sich über die fragliche Angelegenheit unterrichten und seiner Zeit das Nähere mittheilenzu wollen. In Smyrna erhoben sich vcrthcidigende Stimmen, Dr. Ullmann, Rabbine in Crefeld, trat auf, Aub in München rührte sich und kämpfte mit den baierschen Blattern. Dr. Philippson in Magdeburg wies in der dortigen vielverbreiteten Zeitung nicht allein auf das Widersinnige einer solchen Anschuldigung hin, sondern bemühte sich zugleich, das besonnene und lichtvolle Deutschland durch klare und leidenschafttose Worte bei seiner Leidenschaftlostgkeit zu erhalten und alle Organe des Iudcnthums strengten ihre besten Kräfte an, die Haltlosigkeit eines solchen Factums von vorn herein zu beweisen, noch bevor über den Thatbestand jener unseligen Ermordung des Pater Thomas etwas Gewisses ermittelt werden konnte. Auch der Orient seines Theils, ließ cs nicht daran fehlen, seiner Pflicht zu genügen, und zeigte zuvörderst in Nr. 17 seiner Spalten auf historischem Wege, wie nicht nur die jetzt ncuvorgebrachte Beschuldigung eine uralte, durch Aberglauben, Argwohn, List und Bosheir genährte sei, sondern auch wie von jeher die erleuchtetsten Kopfe, die hochgestelltesten Männer, die einflußreichsten Sprecher dieselbe zurückgewiesen hätten. Ja zu Damaskus selbst trat aus der Mitte der Juden ein frommer Mann hervor und beschloß, nicht achtend die Martern des Pascha's, die er über die Eingekerkerten verhängt hatte, und die auch seiner warteten, für die Wahrheit unb für die Weihe des göttlichen Namens den Zeugentod zu sterben. Er trat vor den mitleidlosen Tyrannen und sagte es ihm essen und frei unter die Augen, daß seine Verfolgung des Judaismus nicht Vergeltung des Gesetzes, sondern alte, in einem nnkeuschen Herzen genährte Rache sei. Er hauchte seine Seele unter der Folter aus. Mehr noch als alle diese Bestrebungen aber, welche von denen selbst ausgingen, die ihr moralisches Bewußtsein nöthigen Falls mit der Aufopferung des Lebens zu vcrtheidigen hatten, that dem Herzen die Theilnahme wohl, welche erleuchtete Christen den Gebrandmarkten erwiesen, und nimmer wird cs die Geschichte denen vergessen, welche hier keine Zeit verstreichen ließen, den Menschen und dessen moralisches Sein gegen Hie Angriffe der bornirtcn Dummheit ins rechte Licht zu stellen. Unter diesen Edeln war der Bischof Dr. Dräseke der erste, indem er durch ein Schreiben an den Dr. L. Philippson die Erklärung abgab, daß er mit der Auseinandersetzung des Letzteren in der Magdeburger Zeitung vollkommen einverstanden sei und ihm dafür danken müsse, Ja sogar milde Gaben gingen von Seiten der Christen ein für hungrige Israeliten, gleichsam als ein Sühnopfer auf dem Altäre der beleidigten Menschheit. Indeß spielte das blutige Trauerspiel weiter fort, ja man mußte erfahren, daß namentlich der französische Consul in Damaskus nicht blos regen Eifer bewies, um zur Entdeckung der Mordthat beizutragen, sondern daß er sogar durch mindestens verkehrt angewandte Maßregeln den Fanatismus der sogenannten türkischen Gerechtigkeitspflege allda nur noch mehr nährte. De . ,»m ließ sich in dieser Beziehung durch die des Factums willen aufgebrachte christliche Geistlichkeit bestimmen und wiederum erscholl die Erneuerung der Anklage fanatischer als je durch die Welt; denn der apostolische Vorsteher der katholischen Mission zu Bairut sandte ja den Kapuzinermönch Pater Franziskus von Sardinien nach Damaskus, um sich von der Angelegenheit ossiciell zu unterrichten, und dieser Mann konnte es in die Welt hineinschreiben, daß er der Anklage gegen das Judenrhum Gehör gebe, und daß der französche Consul eifrig bemüht gewesen sei, die Flasche mit dem Blute des Pater Thomas zu erhalten. (F. ft) Personalchronik und Miseellen. Herr M. Cahun, Director der isr. Schule in Hagenau, hat in dem zu Straßburg erscheinenden l'Alsace, ein Schreiben abdrucken lassen, worin er die Errichtung eines Arbeitshauses für israelitische Bettler aus dem Elsaß in Vorschlag bringt. Er ruft zur Unterstützung seines Vors schlages auf und will gern weitere Auseinandersetzungen dessel-, den zur allseitiger» Prüfung unterlegen. Verlag von S. L. Fritzsche. Druck von H. Magel.

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