Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1840)
- Article
- Historisch-statistischer Bericht über die Juden in Franken ...
- Date
- 1840-08-22
- Page
- 263 (sequence 2)
- Language
- German
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263 die dem Vorwärkseilen der Zeit abhold sind, jederzeit gelingen muß, die edelsten Männer, sobald sie nicht sklavisch an dem tausendjährig aufgespeicherten Unsinn der Zeit hatten, aus dem Kreise des öffentlichen Lebens und der Wirksamkeit zu bannen. Nur erst, wenn viel verdorben sein wird, werden Baierns Israeliten wieder an Erfahrungen reicher auf den Geist der Einmüthigkeit zurück kommen. Welchen Bestrebungen ein solches Edikt Vorschub geleistet hat, davon hat uns Unter franken bei Gelegenheit der Rabbinenwahl für Würzburg bereits ein sehr lehrreiches Beispiel aufgestellt. Hier haben sie sich geltend gemacht, jene Dunkelmänner, welche bei der Wahl eines Rabbinen die ganze gelehrte Jugend umgehen zu müssen glaubten, um auf einen Bürgen für die höchste und starrste Stabilität zu stoßen, um auf einen Mann zu treffen, der, außer den talmudischen und kasuistischen Schriften jede andere Wissenschaft für Sünde halt. Und daß sie durchdringen würden war vorauszusehen; denn der Buchstabe des Gesetzes war ja mit ihnen. Es kann uns darum auch nur zum Theil aufrichren, wenn wir diese Provinz anderer Seits von vielen erleuchteten Köpfen getragen sehen; denn in Bezug auf durchgreifende Reformen sind zur Zeit den Rabbinen die Hände gebunden, es kann uns nicht durchaus beruhigen, wenn wir einzelne bessere Anstalten, wie z. B. die reformirte Leichenordnung, die den veralteten Unsinn aufgehoben, die vom Rabbinen Rosenfeld erfundenen Badeeinrichtungen anstatt der Kellerbäder für Frauen u. s. w. ins Leben emgeführt finden; denn wir wissen, das Ganze krankt zur Zeit an einem Radikalübel und nur das kann uns in unfern Hoffnungen befestigen, daß das Rad der Zeit unaufhaltsam vorwärts eilt, daß die Schule nicht gebunden ist an die starren Formen des Cultus, daß an ihr zum großen Theil erleuchtete Männer wirken, daß ein Geschlecht heraufblühen wird, welches einiger sein dürfte in dem Verlangen nach Reform als es die Jetztzeit ist, in welcher die Alten jeder Besserung halsstarrig in den Weg treten. Zum Schluffe des Ganzen noch einen übersichtlichen Blick über Unter franken, das mit seinen circa 18,000 Juden einen nicht geringen Antheil in die Waagschale des Entwickelungsproceffes des jüdischen Lebens zu werfen verspricht. Wenn es sich, in dieser Hinsicht der Provinz Mittelfranken nicht schon gleichgestellt hat, so gebe man etwas auf das jünger entwickelte Leben dieser Provinz; denn erst seit 1817 ist hier den Juden die Erlernung eines Handwerks und der Ankauf von Ländereien gesetzlich gestattet; so erwäge man, daß die große Zerstreuung der Judenfamilien durch diese Provinz und die Kleinheit der einzelnen Gemeinden (nur wenige Gemeinden giebt es, welche die Anzahl von 40 Familien überschreiten) dem Gesammtleben Eintrag thut. Hier nun ist auch die Gutsherrlichkeit zu Hause und wir finden darum die mancherlei Abgaben an Schutzgeld, Neujahrsgeld, Extragelder u. s.w. in vollem Schwünge und hier und dort Prozesse dagegen zur Erschöpfung der physischen und moralischen Kräfte der. Gemeinden. Wir wollen jedoch unser Augenmerk nur auf etwas Edleres, Hoffnungsreicheres, auf Schulen und Bildungsanstalten richten, um mit der frohen Aussicht auf die Ankunft einer bessern Zeit schließen zu können. Die kleine Gemeinde zu Arnstein (17 Familien) unterhält nicht ohne große Opfer einen Religionslehrer, bezahlt das Schulgeld für ihre Kinder, welche zugleich die christliche Elementarschule besuchen, thut überhaupt fast über ihre Kräfte das Edelste für Cultus und Bildung. Altenstein's kleine Gemeinde (13 Familien) hat zu viel mit Abgaben zu thun, um auf den Cultus und die Bildung ihrer Kinder viel wenden zu können. Altenschönbach mit 36 Familien ist nicht reich und sehr gehemmt, vorzüglich in Bezug auf die Vermehrung der Familien. Trotz der vielen drückenden Abgaben unterhält die Gemeinde eine Religionsschule und thut viel für Cultus und Erziehung. B urgprcppach's Gemeinde mit 30 Familien hat sich nur zu plagen für Aufbringung der bedeutenden Summe von jährlich 783 Fl. 45 Kr., welche die Unterhaltung des Cultus ber Religionsschule und die großen Abgaben erheischen. Friesenhausen mit 18 Familien unterhält mit Opfern eine Religionsschule. Gersfeld mit 19 Familien hat eine jüdische Elementarschule errungen, als es von dem allerhöchsten Orts erlassenen Reskripte Gebrauch machen durfte, im dringendsten Falle und ausnahmsweise einen Elementarlehrer statt des normalmäßigen Gehalts von 300 Fl. mit 200 Fl. abzusinden. Geroda mit seinen 17 Familien unterhalt unter Beitritt der kleinen Dorfgemeinden Platz und Schondra eine Religionsschule. G o chs h ei m mit 30 Familien hat nur eine Religionsschule. Hettenhausen mit 8 Familien unterhalt mit mehr rern andern Orten einen Religionslehrer; auch hier hat sich die Absicht der Verminderung der Familien seitens der Regierung schon seit Jahren herausgestellt und lastet schwer auf dm übrigen, denen nun die nämlichen Abgaben aufgebürdet erscheinen. Höchheim mit 23 Familien giebt für Cultus und Schule jährlich 400 Fl. aus. Lutter mit 7 Familien unterhält mit Schmetnau eine Schule. Mainbernheim mit 13 Familien hat mit Röd elfen eine Religionsschule. Markt S t e ft mit 13 Familien 1 Religionssch. Maroldsweisach mit 28 Fam. und 1 Religionssch. Memmelsdorf mit 37 Fam. und 1 Elementarschule. Miltenberg mit 16 Fam. und 1 Religionssch. Niederwerren mit 54 Familien und Elementarschule. Oberstreu mit 17 Fam. und Religionssch. Ob b ach mit 39 Fam. und Elementarsch. Obern breit mit 30 Fam. und bloßer Religionssch. O b err ei her h eim mit 9 Fam. und Religionssch. Oberelsdach mit 14 Fam. und Religionssch. Poppen Hausen mit 4 Fam., die ihre Kinder nach Weihers in die Schule schicken. Neckendorf mit 89 Fam. mit Elementarsch. Segnitz mit 13 Fam. und Religionssch. Schmelnau mit 9 Fam. und Religionssch. S ch w e b h e i m, 24 Fam. und Religionssch. S ch w e i n fu r t, 5 Fam. ohne Synagoge und Schule. Thann, 27 Fam. und 1 Religionssch. Thüngen mit 52Fam. und 1 Elementarsch. Wüstensachsen mit 33 Familien und bloß einer Religionsschule. Dr. Me gas. Erfolgte Schritte zu Gunsten der in Damaskus Verfolgten. Das Ereigniß zu Damaskus aus dem Februar dieses Jahres, dessen Thatbestand wir wohl billig als bekannt voraussetzen dürfen, hallte unmittelbar nach der ersten Kunde davon in ganz Europa wieder. Es war nicht der gerechte Unwille, welcher sich der theilnehmenden Gemüther bemeistert hatte, weil ein Mann durch verruchte Mörderhand gemeuchelt worden war, der eine beträchtliche Anzahl von Jahren hindurch der leidenden Menschheit durch ärztlichen Beistand genützt und auf die uneigennützigste, religiöseste Weise, getreu seinem Gelübde und Orden, weit entfernt dafür Geld anzunehmen, vielmehr noch dazu dem Hiissbedürftigen seinen Beutel geöffnet hatte. Es war nicht der Schmerz, welcher sich unsrer (der Juden) br-