Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-08-22 · Heft 34 (22.8.1840) · p. 258

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 34 (22.8.1840)
Article
Arabien: Fortsetzung
Date
1840-08-22
Page
258 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360093-2360128-2363337--0800-2363376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

258 den Stammen um Bagdad Krieg führen, selbst aber durch die Ungeheuern umgebenden Wüsten geschützt sind. Aber wer sind die Juden daselbst? woher und wann haben sie ihre Wanderung in diese Gegend genommen? Freilich beantwortet der jüdische Reisebeschreiber Binjamin diese Fragen damit, sie waren durch Schalmenasfar noch vor dem ersten Tempelbrand dahin exilirt worden, was die Erzählung Niebuhr's, daß sie mit Mischna und Talmud unbekannt sind, bestätigen könnte; aber die Schrift erzählt uns blos von einer Wegführung der Zehnstamme nach Chalach (n^n), Ehabor (“lün)/ nach dem Strome Gosan (sm) und nach den. Städten Mediens*), und daß sich einige Stamme der Deportirten losgerissen und zum Theil rückwärts, zum Theil nach seitwärts einen solchen Weg eingeschlagen haben sollten, dessen steht nirgends erwähnt. Dazu kommt noch, daß Schalmenassar nie Arabien beherrscht hatte, so daß er gar nicht lm Stande war, unterjochte Völker dorthin zu deportiren. Der Leser möge entschuldigen, wenn ich, angeregt durch diese Erzählungen, meine Untersuchung etwas weit her hole. Im Buche der Richter (1,16) heißt es: „Die Söhne Ken i's, des Schwiegervaters Mose's, zogen, herauf aus der Palmenstadt mit den Söhnen Jehuda's in die Wüste Jehuda's, die im Süden Arad's liegt, und sie gingen hin und wohnten unter dem Volke." Abgesehen davon, daß der Vers dort isolirt und ohne Zusammenhang steht, so hat die ganze Relation an sich etwas Dunkles und Unverständliches, besonders die Bezeichnung Palmenstadt, die unmöglich Jericho sein kann, da sie bis zu Achab's Zeiten zerstört blieb. Kimchi und Abrabanel geben ausführliche Erläuterungen zu dieser Stelle, ohne jedoch den Knaul zu entwirren und die vielen Widersprüche in der Geschichte *) Es wird dem Leser gewiß angenehm sein, über diese Gegenden, die eigentlichen Anfangspunkte aller spätem Untersuchungen über das zehnstämmige Israel, etwas zu erfahren. Chalach ist nach einigen diejenige Provinz des nördlichen Assyriens, an den Grenzen Armeniens und am Tigris gelegen, welche Strabo (9. und 11) Kala%avrj und Ptolemäus (6, 1) Kcdanavr} nennt. In diesem Betrachte hätte Rapaport Recht, daß ein Losreißen und eine gänzliche Aenderung dieser Reise unwahrscheinlich ist. Aber Asse man in seiner orientalischen Bibliothek (Ul. 2. p. 418. 419. 753) weist nach, daß die fünf Tagreisen von Bagdad nach Norden zu gelegene Stadt HulwLn (]ftV?ri) bei den Syrern den Namen führt, folglich könnte Binjamin's Meinung gerechtfertigt werden. — Chabor ist nach den Meisten der Fluß Chaboras, der nach arabischen Schriftstellern bei Ras el-Ain, nach Ptol. in den Musischen Gebirgen entspringt und bei Karkemisch in den Eufrat sich ergießt. Allein dieses ist wahrscheinlich nur der *123, syr. *703/ Kabur, wenigstens ist die Identität des Namens' keine Gewähr, da, wie schon Schultens (lnd. Geogi*. ad Sal.) nachgewiescn, auch im Gebiete von Mosul ein Fluß Chabur sich findet, der von Osten her in den Tigris sich ergießt. Vielleicht hängt 713N wirklich mit dem in Hedschas zusammen. Red. der Kmiten bei dem falschen Auffassen der geographischen Namen zu lösen. Wenn wir aber annehmen, daß CP7£nn yy nicht in Palästina, sondern in Midjan oder anderswo zu suchen sei, dann erhält die Relation der Schrift, wie überhaupt die Geschichte dieses Stammes eine große Bestimmtheit. Midjan liegt am südlichen Rande Palästina's und gehört bereits zu Arabien; Jetro, der Schwiegervater des jüdischen Gesetzgebers, war Priester und vielleicht auch Emir in Midjan. (F. f.) Schweden. Stockholm, 18. Juli. Wenn es einerseits den Freund des Volkes freut, zu sehen, wie die Vertreter der schwedischen Nation mit unerschütterlicher Consequenz darauf bedacht sind, dem Volke seine Rechte zu wahren, indem sie keines der Gesetze anerkennen wollen, welche ohne die Stände ins Leben gerufen worden sind, so kommt doch andererseits dem Menschenfreunde manchmal ein leiser Zweifel bei, ob auch die Vertreter es redlich meinen, und ob auch nur diese reine Absicht bei ihrem Kampfe sie leitet. Wenigstens dürfen wir sagen, daß es uns niederträchtig und gemein geschienen hat, als wir unter den 31 Klagepunkten, welche das Constitutions- Eomite gegen die verantwortlichen Minister entworfen hat, „die erlassene Verordnung rücksichtlich der Judenemancipation" oben angestellt fanden. Es nimmt dies wenigstens materiell gegen die Bestrebungen des Comite's ein und es gehört mindestens viele Selbstverleugnung dazu, um sich zu überreden, daß es dem Comite blos um Aufrechthaltung der Form zu thun sei. Möge uns die Zukunft beruhigen! Deutschland. Berlin, 30. Juli. Unser vielgeliebter König, Friedrich Wilhelm IV., beschäftigt sich seit seinem Regierungsantritte unausgesetzt mit der Förderung des Wohles seiner gesammten Unterkhanen. Tausend Beweise davon können nicht öffentlich aufgezahlt werden; sie wirken im Stillen um so reicher. Eine That aber, die uns Inden ganz besonders betrifft; verdient zur öffentlichen Kunde zu kommen. Sie zeigt von der v ocurtheilsfrei en Gesinnung unsers höchstwücdigen Monarchen und berechtigt zu den schönsten Hoffnungen. Die That selbst ist folgende.. Bekanntlich durften bis jetzt keine Juden unter der Leibgarde dienen. Es meldete sich nun vor mehrern Wochen ein Jude (als Freiwilliger) zu diesem Dienste, und ohne weitere Umstände wurde die Meldung genehmigt. Dies Ereigniß könnte Manchem von geringfügiger Bedeutung scheinen; uns aber ist es die zuverlässigste Bürgschaft, daß unser Monarch uns an allen Pflichten und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.