Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 33 (15.8.1840)
- Article
- Leipzig: die letzten zwei Jahre von Geiger
- Date
- 1840-08-15
- Page
- 252 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360127-2363277--0780-2363308- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
252 und überzeugt durch klare/ leidenschaftslose Worte den parteilosen Leser wenigstens von der Unredlichkeit seiner Ankläger. Auch das preuß. Ministerium überzeugte sich ebenfalls von dieser unredlichen Gesinnung und von den ehrlichen Absichten Geigers und zwar, wie wir annehmen müssen, gewiß nach genauer Prüfung, unstreitig erst nach dem eingeholten Gutachten sachkundiger Mannerz denn es verging ein beträchtlicher Zeitraum ehe ein definitiver Bescheid erfolgte. Es ist andererseits aber auch ein großer Zug edler Wahrheits¬ und Gerechtigkeitsliebe, den hier das preußische Ministerium an den Tag legte, daß es eines verlaumdeten, und geschmähten Auslanders mit so vieler Theilnahme sich annahm, und den vor aller Welt geschändeten Unschuldigen so glanzend rechtfertigte. Der zweite Abschnitt des Vüchelchens ist gegen das Lybell gerichtet, das anonym, gedruckt in Goldberg, gegen den Dr. Geiger erschien, und hier geht er nun von S. 20—37 nicht allein weiter auf die gegen ihn erhobenen, zum Theil lächerlichen und läppischen Anklagen ein, sondern seine Sprache wird auch zürnender, seine Abfertigung der Gegner nimmt wehr den verdienten Charakter der Verächtlichkeit an. Er weist hier zuvörderst die vollkommne Unwissenschaftlichkeit des Anonymus durch verkehrte und falsche Anwendung wissenschaftlicher Terminologie nach, zeigt das Ungenügende und verkehrte in Anwendung der Termen aus dem Parteikampfe christlicher Schulen; berichtigt die Behauptungen über Tradition und laßt sich herab, auch auf die kleinen und kleinlichen Beschuldigungen zu antworten, die man ihm als Verstöße gegen den Ceremoniendienst zum Verbrechen und zur Sünde ungerechnet hat. — Der Anhang bringt uns die nöthigen Beweismittel, Documente und Zeugnisse bei. — Wir rächen jedem, der an dem Judenthume Interesse nimmt, jedem, dem die Ehre, der Ruf eines Mannes nicht gleichgültig ist, das Büchelchen zu lesen, er wird es mit ganz andern Begriffen über jenen unseligen Streit, der die besten Kräfte der Breslauer Gemeinde zu vernichten droht, aus den Händen legen. Wir aber sprechen hier den innigen Wunsch aus, daß Kämpfe über das Grundwesen des Judenthums nur immer auf dem Felde der Wissenschaft ausgefochten werden müssen; daß nur solche Leute als Kampfgenossen sich betheiligen möchten, welche ein heiliger Eifer beseelt für die Religion der Väter, welche die wissenschaftliche Befähigung haben, als rüstige Kampfer aufzutreten mit den Waffen des Geistes; daß aber diejenigen, welche sich der Verlaumdung, der Niedrigkeit, Bosheit u. s. w. im Kampfe bedienen, als Unreine ausgestoßen und der gerechten Verachtung Preis gegeben werden mögen. Frankfurt 6. Mt., 19. Jul. Dr. Geiger verweilte jüngst in unsrer Mitte, um seine eheliche Verbindung zu schließen. Gewiß hat in seiner Brust die liebevolle Aufnahme, die große Aufmerksamkeit, welche man dem verehrten Landsmanne widmete, manch herbes Gefühl gebannt, manche Wunde geheilt, welcher der Haß, die Schelsucht und der Fanatismus ihn in den letzten Jahren geschlagen haben. Der religiöse Vortrag, den er am Sabbate, d. 4. Juli, in der großen Synagoge hielt, war geeignet, ihn nur noch mehr Herzen zu zuwenden, und das Gedachtniß an ihn und sein lebendiges Wort in den Gemüthern der Zuhörer wieder aufzufrischen. Mit großer Gewandtheit und Anmuth der Rede verbreitete sich derselbe über den Text 1 Kön. 19, 11—12. Er nahm Gelegenheit in beredter Sprache die religiösen Meinungskampfe zu schildern, welche in neuerer Zeit im Schooße Israels auftauchen, erklärte sich dafür, daß Kampf um die Wahrheit wohl bestehen könne bei aller Religiösität, wohl zu vereinigen sei mit der Israel so nöthigen Eintracht, wenn nur dieser Kampf nichts anderes als eine leidenschaftsloses Ringen nach Eckenntniß der Wahrheit sei, wenn nur die kampfenden Parteien nicht mit ketzerriechenden Fanatismus die Waffen der Jntrigue, Derläumdung und Schmähsucht gegen Andersdenkende kehrten. Schlüßlich wies er mit prophetischem Geiste auf die großen'Hoffnungen hin, welche die Zukunft in Israel verwirklichen werde. Seesen im Herzogthum Braunschweig, 24. Jul. An unsrer Jacobsohnsschule ist Michaelis dieses Jahres die Stelle eines ordentlichen Lehrers zu besetzen, der neben freier Wohnung und Feuerung jährlich 300 Thlr.. Cour, bezieht. Die Stellung verlangt einen tüchtigen Mann, der auch in neuern Zweigen des Wissens nicht unbewandert sein darf. Wer, nicht verwöhnt durch das Geräusch einer großen Stadt, es gelernt hat, in der Zurückgezogenheit des Landlebens, das bei uns viele Reize bietet, mit sich und der Wissenschaft sich zufrieden zu stellen, dürste sich bei der Zusammensetzung unsrer schönen Anstalt und unter deren des humanen Direktors Dr. Im. Wohlwrll nur Wohlbefinden. Unangenehm einschränkend ist die Bestimmung, daß der Anzustellende unverheirathet fein muß. Die Anstalt wird durch diese Beschränkung einen häufigem Wechsel der betheiligten Individuen ausgesetzt werden. Lieht- und Schattenbilder aus der jüdischen Geschichte der Gegenwart« Historisch-statischer Bericht über die Juden in Franken in bürgerlicher und religiöser Beziehung. Baiern zählt ungefähr 55,600 Israeliten, von denen der bei weiten größte Theil in dev zu dem eigentlichen Herzogthum