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Der Orient · 1840-08-15 · Heft 33 (15.8.1840) · p. 251

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Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 33 (15.8.1840)
Article
Berlin : eine literarische Erscheinung [Nachricht]
Date
1840-08-15
Page
251 (sequence 2)
Language
German
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251 : neten Mitarbeiter an dem Werke, von denen der Protect spricht, hätten zur Empfehlung des Ganzen genannt werden können. Die Klagen über wachsenden Jndiffe- - rentismus, über Gleichgültigkeit in religiösen Dingen, womit der Prospect einen ziemlichen TheiL seiner Spalten füllt, um die Nochwendigkeit seiner Erscheinung zu beweisen, sind wirklich zu verbraucht und bloße Modephrasen einer Koterie, die durch alle religiöse Bekenntnisse hindurch winselt. Leipzig, 25. Juli. Dr. Geiger hat so eben eine Broschüre veröffentlicht, betitelt: „Die Letzten zwei Jahre." (Sendschreiben an einen befreundeten Rabbiner. Breslau, bei M. Friedländer 1840.) Ich rathe Jedem, ec sei Geigers Freund oder Widersacher, dasselbe nicht ungelesen zu lassen. Geigers Freunde werden es, jubelnd über den glänzenden Sieg, den er über seine Gegner davon trägt, aus den Händen legen, diejenigen aber, welche ihn befehden, werden vermocht werden, unparteiischer und leidenschaftsloser über ihn zu Gericht zu sitzen. Manchem, der sich verleiten ließ, über den Mann abzusprechen, ohne sein Wesen und Wicken zu kennen, nur weil ein öffentliches Geschrei von ihm durch die Lande ging, wird es wie Schuppen von den Augen fallen. Mancher dürste sich vielleicht schämen, unter das Corps der Bekämpfec Geigers zu gehören, an deren Spitze leider viele unreife Borkämpfer, Ignoranten, unredliche Herzen oder Parteimenschen aller Art getreten sind. Manche von seinen wissenschaftlichen Gegnern dürsten wenigstens gerechter gegen ihn werden und da, wo sie seine Ansichten nicht theilen können, wenigstens dem Menschen Gerechtigkeit wiedersahren lassen. — Das geistreiche und in jenem ernsten, strafenden Tone geschriebene Schriftchen, wo jedes Wort ein moralischer Blitz ist, der das Haupt der verkappten und unehrlichen Gegner trifft, beginnt mit dem bedeutungsvollem Zeiträume in Geigers Leben, wo derselbe Wiesbaden verließ. Hier widerlegt er auf das glänzendste jene auf seinen Namen gehäuften Calumnieen, als sei er aus seiner damaligen Stellung verdrängt, ja verjagt worden, und zeigt uns durch actenmäßige Belege, daß Regierung und Gemeindevorsteher, ja - die jüdischen Gemeinden des Herzogthums Nassau selbst, seine damalige Wirksamkeit für eine sehr segensreiche erkannten, sein Streben länger fortgesetzt sehen mochten; zeigt uns, daß nur der kleinliche und jämmerliche Sinn einiger Wenigen der Anlaß wurde, ihn zur Niederlegung seines Amtes moralisch zu nöthigen. — Jetzt führt er uns ein in das nebel- und grauenhafte Gewebe der Jntriguen, Verlaumdungen, öffentlichen und geheimen Angriffe, das sich entspann, als er nach einem zu Breslau gehaltenen religiösen Vorträge zum Rabbinatsassessor oder zweiten Rabbinen daselbst berufen worden war. Wir müssen ihn selbst lesen, was er darüber von Seite 3 ff. seines Schciftchens sagt, und bemerken nur, daß auch jede an einem Menschen verwundbare Seite angegriffen wurde, daß man ihn eben sowohl als Gottesläugner, als religiösen Apostaten, wie als Demagogen bei dem Volke und der Regierung zu verdächtigen suchte. Und wer war das edle Werkzeug, welches der Waffenführer der breslauer Feinde Geigers wurdet Jener Joel Jacobi, der nun bereits alle Chargen des religiösen und politischen Glaubens und Lebens durchgemacht hat, der sich jeder Partei, jedem Bekenntnisse in die Arme gestürzt hat, um durch sie zu existiren, von jeder ausgestoßen und verworfen worden ist, und der kurz nach seinem ausgearbeiteten Pro memoria, das Geigern bei der preußischen Regierung zu dmunziren beabsichtigte, sich verzweifelnd in den Schooß der römischen Kirche stürzte. Möge dort die Welt Ruhe vor den Ausgeburten seines verworrenen und unsaubecn Geistes haben! Die preußische Regierung, die stets dem Lichte sich zuwendet, wie der Adler, der ihr Symbol geworden ist, theilte dem Dr. Geiger dieses ihr zugekommene Pro memoria mit, und ermächtigte den an Ehre und Leben Gekränkten, ja auf das Haupt Verwundeten, durch diese eines Staates wie Preußen würdige Handlung, sich zu rechtfertigen. Seine in dem hier angezogenen Schriftchen abgedruckte „Aeußerung über die in einem Pro memoria gegen meine jüdisch e Rechtgläubigkeit vorgebr achten Anschuldigungen", welche er unter dem Febr. 1839 an das Ministerium des Cultus zu Berlin abgehen ließ, unterrichten uns nicht allein von dem, was man gegen Geiger vorgebcacht hatte, sondern sie enthalten auch die glänzendste Rechtfertigung feines Lebens und Wortes. Nur Unwissenhei t oder Böswilligkeit, behauptet er im Eingänge des Schreibens, könne die Ankläger zu jener Anklage verleitet haben. Er behauptet dies jedoch nicht blos, sondern er beweiset es, er beweiset es auf das Glänzendste. Er thut dar, daß seine Ankläger von dem Grundwesen des Judenthums, das er mit ungeweihter Hand angetastet haben soll, gar keinen, oder wenigstens doch nur einen sehr verworrenen Begriff haben. Er erörtert, in wiefern ihre Ansichten von der traditionalen Autorität der Rabbinen grundfalsch seien .und wie er diese Autorität wohl in Ehren halte. Er weist nach, wie sie nicht im Stande gewesen sind, seine Aeußerungen über Formenglauben und Formenstarcheit richtig zu fassen, und belehrt sehr klar und beredt über die Wirksamkeit eines praktischen Religionslehrers, der sich den speciellen Beziehungen seiner Gemeinde anzupassen habe, so wie über den Unterschied zwischen demselben und einem theoretischen Gelehrten, der die jüdische Theologie als Wissenschaft der gelehrten Prüfung unterwerfe. Ec beweist aber auch die geflissentliche Verdrehung seiner Denk-und Handlungsweise seitens seiner Ankläger, vornehmlich an der gewagten Auslegung einiger aus dem Zusammenhänge gerissenen Stellen seines in Breslau gehaltenen Vortrages 33*

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