Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 32 (8.8.1840)
- Article
- Die Hauptdifferenzen zwischen Karäern und Rabbaniten
- Date
- 1840-08-08
- Page
- 501 (sequence 2)
- Language
- German
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501 Die Hauptdifferenzen zwischen Karäern und Rabbaniten. 502 aus/ andere verließen den Wortsinn da, wo ec in Widerspruch mit der Vernunft und den von ihr geführten demonstrativen Beweisen trat. Von der traditionellen Partei machten einige die wörtlich verstandene, blindlings angenommene Überlieferung zum höchsten Prineip der Schriftauslegung, sie desavouirten die Gleichnißreden und Allegoreme derselben und modelten sogar nach ihr die Schrift, indem sie die Logik und Grammatik der Sprache völlig bei Seite setzten. Daher die Streitigkeit über die Thora Gebote unter Rabbaniten und Karnern, von denen diese dem grammatischen Sinn und dem realen Zusammenhänge folgen, wahrend jene auf die Kabbala als auf eine zweite unverbrüchliche Gottesoffenbarung pochen. Andere adoptirten, wo die Vernunft dazu zwingt, die allegorische Auslegung. Von diesen überließen sich wiederum einige fremdartigen, der Offenbarung widerstreitenden Philosophemen; sie interpretiren diese in die Schrift hinein, und, wo sie diese mit ihren vorgefaßten Meinungen in Widerspruch finden, sind sie mit der Behauptung bei der Hand, daß die Schrift sich den Begriffen des gemeinen Volkes anbequeme (Accomodationstheorie). Diesen verkehrten und einseitigen Richtungen gegenüber, von denen besonders die letzte gegeißelt wird, entwickelt Ahron seine hermeneutischen Grundbegriffe. Er stellt zuerst als einheitliche Doppeltendenz der Schrift die intellectuelle Vervollkommnung des geistigen und die ethische des physischen Menschenf}) fest, indem er auch hier seiner im yv entwickelten Lieblingsmaxime von dem Aquilibrium der seelischen und materiellen Interessen des Menschen huldigt. Somit ist der höchste und rechte Gesichtspunkt sowohl des historischen als legislativen Inhaltes der Schrift gegeben; die Sammlung aller Radien des Schnstinhaltes in dieses Centrum ist die Aufgabe der Exegese; die Festhaltung dieser doppelten Tendenz alles Geoffenbarten ist ihr Leitstern und der einzige Bestimmungsgrund, den Wortsinn der Schrift zu verlassen, und nicht etwa allegoretisch zu verbalhornen, sondern rational zurechtzulegen, wie dies von den karaischen Schristauslegern bereits angestrebt und ausgeübt worden ist. Die Offenbarungsgebote zerfallen in I) rivto&V intel.lectuale, in Betreff welcher sowohl, positiv als negativ das Urtheil des Intellekts und der Thora übereinstimmig ist; 1!) ri'P'rp&TO, co g itative, 2) Diese Herabsetzung des ethischen Begriffskreises unter den intellektuellen, die Zusammenstellung der Sitttnlehre und Politik njrun) und die Rubricirung der Sittengebote unter die PDEPM0 g Aj»V wirrzelt, wie bekannt, in der peripatetischen Philosophie, nach welcher die Tugend in eine gemeine und höhere unterschieden wird. Erstere har einen blos irdisch - gesellschaftlichen Zweck; Oekonomik und Politik sind also nur zwei Theile der angewandten Ethik. deren Grundbedingungen auf dem Wege des Denkens einleuchten, obgleich ihre Besonderheiten durch Maßgabe der Thora bestimmt werden,; III) riY>Tl!"V Legale, deren Grundbedingungen und deren Besonderheiten allein kraft der Thora ihre Geltung haben und durch göttliche Weisheit mittelst der Prophetie geordnet sind. Da nun der Inhalt der Thora zum großen Theile über den Kreis des menschlichen Erkennens, Denkens und Wahrnehmens hinausliegt, und die Thora zu den ntelpD* 1 2 3) gehört, so bedurfte es eines Mittels, um die göttliche Offenbarung für den Menschen zu sixiren, und das ist die Schrift (rQ'TDn), das von Gott selbst anbefohlene Vehikel ihrer Erhaltung. So ist die Offenbarung für alle Generationen festgestellt und gegen den Zufall und die Wandelbarkeit der Zeiten und Meinungen, so wie gegen die Untreue des menschlichen Gedächtnisses verwahrt worden. Die Thora ist niedecgeschrieben, und somit unveränderlich. Dies führt uns auf die drei Controvecspunkte, in denen die Karäer sich von den der Tradition huldigenden Rabbaniten scheiden. (Fortsetzung folgt.) Bemerkungen über die in letztverflossenen Jahren erschienenen deutschen Bibelübersetzungen. 1 Die Bibelübersetzung von Dr. G. Salomo». (Fortsetzung.) Dieser Nominativ stehet hier in genauer Analogie mit dem obigen KIP! EJ, wie A3X DJ ^b 3) Das Geschäft des Geistes, exponirt Ahron im 2. Cap. des D^n yV/ ist, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden, und die erstere mit Verwerfung der letzteren sich anzueignen. Zufolge der Logik zerfällt Wahrheit und Lüge in 5 Theile: 1) ganz Wahrheit; 2) größtenth eils Wahrh eit; 3) gleichmäßig gemischt; 4) ganz Lüge; 5) größtentheils .Lüge. Die ersten drei Theile bilden die Staffeln der Wahrheit, welche der menschliche Geist auf vierfache Weise erreicht; 1) durch intelU ctuetle Erkenntnisse ) 2) durch sensu ale beide stehen auf der ersten Stufe; 3) durch notorische (DlDDTlDft ) , ethisch - politischen Charakters, von relativem Umfang, welche die z weite Stufe einnehmen; 4) durch traditionelle (m^DlpD)/ dritte Sture. — Nicht der Gesammtinhalt der Thora gehört unter die Fl'fo'lpD/ jedoch sind die in ihr enthaltenen Erkenntnißgegensrande erster, zweiter und dritter Gattung zugleich' zu nV?D'pD geworden, und die ganze Thora ist somir ntelpD* Vgl. p^nn Cap. VJJI. Acfarabi's Zsagoge zum Studium der Philosophie (herausgegeben von Schnioelders, Doeument;i) Cap. 11. gegen Ende. 32*