Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 32 (8.8.1840)
- Article
- Leipzig: Bericht über das 6. Heft von Cahen's Archiv
- Date
- 1840-08-08
- Page
- 244 (sequence 2)
- Language
- German
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244 ein Gedicht von M. Ale an. — Literarische Neuigkeiten von E. Alby, Munk u.s. w. — Correspondenzen: von Straßburg (Brief des Oberrabb. Arn. Aron über den Eid more jnr!.); von Paris, Mühlhausen, Italien, und dazu noch reiche Notizen und Anzeigen. — Man zürne nicht, daß der Referent dieses trockene Jnhaltsverzeichniß hierherzusetzen sich erlaubte, seine Absicht ist, den Leser mit diesen dürftigen Worten auf ein Journal aufmerksam zu machen, das die höchste Beachtung verdient, die jüdischen Angelegenheiten mit einem Interesse, einem Feuer und einer Parteilosigkeit bespricht, die höchst beachtenswerth erscheint und mit der Zeit immer größern stutzen stiften, so wie auch das Journal immer weitere Verbreitung finden wird. Die Eleganz der Sprache wetteifert daneben mit der empfehlenden Ausstattung und der Correktheit des Drucks. Ungarn. Pesth, 20. Mai. (Schluß.) Auch der schon vor dem Rabbinatsantritte Schwads seit zwölf Jahren als Prediger hier ehrenvoll fungirende Herr Joseph Bach, halt noch immer von 14 zu 14 Tagen im Bethause des neuen Ritus seine religiösen Vortrage, die sich eines zahlreichen Zuspruches sogar von christlichen Notabilitaten erfreuen. Der wackere tüchtige Herr Bach versteht es aber auch durch eine eigenthümliche, ungesuchte und populäre Gemüthlichkeit sein Publikum zu fesseln, und ohne sich auf unfruchtbringende und nur das Ohr ermüdende Pleonasmen einzulassen, weiß er durch lakonisch kräftige und prompt gemessene Rede sein Auditorium für sich und seinen Gegenstand zu interessiren. Auch bestehen hier mehre Mannervereine nebst einem der Frauen, unter welchen die sogenannte: Chebra Kadischa oben ansteht, mit welcher das trefstich und zweckmäßig eingerichtete Spital, um welchen sich der ehrwürdige SjeiT Dr. Jakobowitz, Mitglied der medicinischen Facultat, enorme Verdienste erworben, verbunden ist, und zu welchem Institute Herr Markus Pollak die Summe von 6000 fl. Couv. Münze gespendet. Die hier bestehende Lehrschule, ist eine der schönsten, wohlorganisirtesten und großartigsten im Judenthume des österreichischen Kaiserstaates, welche der Gemeinde einen jährlichen Kostenaufwand von 6000 fl. E. M. verursacht. Unter der obersten Aufsicht des Herrn Bürgermeisters und Localschulendirectors Karl von Seeber, Ritter des kais. östr. Leopoldordens,, stehend, ist die Leitung derselben einem aus gebildeten und sachverständigen Männern bestehenden Ausschüsse übergeben, bei welchem der würdige Herr Schwab das Präsidium hat. Unmittelbar wird diese Schule von fünf stabilen und vier außerordentlichen Lehrern , Männern von Bildung und Fach, geleitet. Der Schulbesuch ist aus die Lange von sieben Jahren ausgedehnt und constituirt, den Beginn vom siebenjährigen Alter des Knaben gerechnet. Die vorgetragenen sammtlichen Lehrgegenstände sind: Religion, Moral, biblische Geschichte, hebräische Grammatik, deutsche Sprache, Briefstiel, Orthographie, Geographie, Geschichte, Mechanik und Stereometrie; für Elementarklasscn: Sprach-, Schreib- und Lescübungen im Hebräischen und Toldot Jisraet, Schönschreiben, Gesang, Zeichnen und ungarische Sprache. Auch werden im Schullocale an jedem Samstag Morgens um 8 Uhr Andachts- Übungen abgehalten, wo alle 14 Tage abwechselnd von den Lehrern eine kurze deutsche Rede gehalten wird. Auch besteht hier seit lange die allerwärts lobend anerkannte Privat-Lehranstalt für israelitische Mädchen, geleitet von dem verdienten Herrn Eibenschntz sammt seiner Gattin, ein Institut, das allen Anforderungen entspricht und genüge leistet und eines blühenden Bestandes und Fortganges sich erfreuet. Unter den hervorragenden Persönlichkeiten verdienen der jüngst verstorbene Mose Kunitz, Verfasser des Ben Jochai, Bet Rabbi, Ojen, Hamzaref u. s. w., Dr. Sigmund Saphir, Verfasser eines medicinischen Werkes und Redacteur des „Pesther Tageblatts", Herrmann Klein, . Ueberfetzer der Josika'schen Schriften, S. Krümau und der durch einige ephemere Broschüren sich bemerkbar machende Israel Brüll in literarischer Hinsicht, und die Herren I. L. Boskowitz, Herrmann Löwy, S. Wodjaner, Leon Pollak, Stanitzer und Kassewitz hinsichtlich ihrer Verdienste um das Gemeindewesen genannt zu werden. Als Inste-Milieu steht der persönlich etwas unzugängliche, gelehrte Herr Satomon Rosenthal da. Somit schließen wir das Genrebild der Gemeinde zu Pest, mit der vollsten in uns begründeten aufrichtigen Ueberzengung, daß sie, in deren Mitte das Schöne, Gute und Edle so jähen und wahrhaften Anklang gesunden, und - so schnell zur herrlichsten Reife gediehen, daß sie als lebendes Muster der Macht und Vollkraft eines ernsten Wollens verherrlicht in der Mitte ihrer Schwestern dasteht, sie es auch sein wird, die als Born des Lichtes, des Heiles und der Verklärung für das ganze übrige Judenthum in Ungarn sich bewähren wird. Sie ist es, die zu der schönsten Hoffnung uns berechtigt; ein Central- und Ausgangspunkt einer totalen und allgemeinen Verbesserung zu bilden und eine immer hellere und schönere Zukunft für uns vorzuberciten. Ja sie, nur sie allein ist in jeder Beziehung die geeignetste: eine rabbinische Fa c ul tat für Ungarn zu begründen, welche hier als gewiß nicht unfruchtbare ans den Sand der Unempfänglichkeit gefallene Anregung, hier ausgesprochen sein möge! Und sie wird es im hohen Selbstbewußtsein ihrer entsprechenden Hilfsquellen und ihres bedeutenden Standpunktes auch zu realisiren streben, und jenes Preises und jener Würdigung sich befähigen, zu welchen sie constituirt und berufen zu fein