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Der Orient · 1840-08-08 · Heft 32 (8.8.1840) · p. 243

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1 (1840)
Issue
Heft 32 (8.8.1840)
Article
Amsterdam: Colonieen zur Ausrottung der Bettelei in Holland
Date
1840-08-08
Page
243 (sequence 2)
Language
German
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243 m Wohlbehagen ausgegossen. Welch' ein glücklicher Erfolg in einem so kurzen Zeiträume! Ich fand 44 Knaben und 18 Mädchen vor, alle eifrig, ihre religiösen Pflichten kennen zu lernenwelche die Mehrzahl von ihnen vielleicht bisher noch nicht einmal dem Namen nach gekannt hatten. An den meisten Schülern gewahrte man noch die Reste ihrer frühern Sorglosigkeit; aber alle wissen schon wenigstens etwas, und einige sogar waren für ihre gegenwärtige Lage vollkommen gut ausgebitdet. Man hat also seit dem April 1838, dem Zeiträume, wo die Schule eingerichtet wurde, große Fortschritte gemacht. Die Aussprache des Hebräischen und des Holländischen ist, nehmen wir Rücksicht auf die Zugend der Kinder, sehr gut. Die Knaben übersetzten die Gebete und den Pentateuch ins Holländische, und die ersten Rudimente der heiligen Geschichte sind allen bekannt. Man lehrt hier auch die Nationalsprache, Schreiben und Rechnen, die hauptsächlichsten Stücke aus der vaterländischen Geschichte u.s. w. Aber das, was mir am meisten aufsiel, war der einfache aber rührende Gesang, den man ihnen beigebracht hatte. Nichts hat mich so ergriffen. Es ist zu überraschend, auf so viel Schönes in einer Steppe zu stoßen, wo man kaum eine Blume zu finden hofft; aber neben dem Gesänge fanden sich noch andere natürliche Gaben bei den Kindern vor (die meisten von ihnen haben ein gutes Gehör und eine reine Kehle), welche bei dem Eifer des Lehrers das Ohr auf eine höchst angenehme Werse ergötzen. Das Halleluja klang so durchaus melodiereich, daß mir mehrmals die Thranen aus den Augen perlten. — Die Unterrichtsstunden sind so geregelt, daß alle Kinder, selbst die, welche schon in den Fabriken arbeiten, daran Theil nehmen können. Einige Knaben haben es schon weit gebracht; einer von ihnen erhielt schon einen mäßigen Tagelohn. — Von den Kosten, welche die Einrichtung gekostet hat, darf man sagen, daß nie noch im Königreiche Geld nützlicher verwandt worden ist, als hierzu. Ehre dem Menschenfreunde, der durch einen Vorschuß an Geld, diesem Werke der Liebe die Hand bot. Man hat mir als solchen ein Mitglied der Generalcommisston (des Consistoriums) der Israeliten genannt, dessen wohlbekannte Bescheidenheit mir verbietet seinen Namen zu nennen. — Der Lehrer ließ mich einige Vorträge lesen, die er gemacht hatte, sie sind größtenteils ins Deutsche übersetzt, und von sehr eindringlicher Beschaffenheit. Eben so auch die Gespräche, welche ec bei Gelegenheit der Consi'rmation (ITOO -Q) mit den Kindern in der Synagoge in Gegenwart aller Colonisten gehalten hat. — Bei meiner Abreise fühlte ich kein anderes Unbehagen, als daß ich nicht länger unter den Colonisten verweilen konnte, vorzüglich aber, um zu sehen, wie die armen Israeliten, welche in den großen Städten mit Elend beladen und der Bettelei ergeben waren, nichts Besseres benutzen konnten, als die dargebotene Gelegenheit in den freien Colonien des Wohlthatigkeits-Vereines, damit sie ihr Brot auf eine ehrliche Weise (wiewohl durch anhaltende Arbeit) verdienen, ohne dabei den geringsten Eingriff in die Ausübung ihrer religiösen Pflichten zu erfahren. S. I. Mulde r, Aufseher über die israelitischen Schulen im Königreiche der Niederlande, Deutschland. Leipzig, 24. Juli. Das 6. Heft (Juni) von Cahen's Archives Isr. de France liegt uns vor und erfreut uns diesmal noch mehr wie immer durch seinen ansprechenden Inhalt und seine große Mannigfaltigkeit. Unter den Zeitungsnachrichten bespricht zuerst ein kleiner, tiefblickender Artikel das sich emporarbeitende moralische Bewußtsein der Gemeinde zu Lyon, um einem Artikel über Avignon Platz zu machen, der uns in geistreicher Weise das Wenige vor Augen führt, was wir von der Geschichte der Juden in jener Stadt zur Zeit wissen. Dann folgen eine Reihe kleiner, aber interessanter Notizen, unter andern die Nachricht, daß die Messinaer Buchhändler und Drucker den M. Alcan und M. Humbert als Deputirte zum Gutenbergsfeste nach Straßburg sandten. Darauf ein ehrender Brief an den jungen Dichter M. Alcan von dem Colonel Paixhans, seines Gedichtes „Damaskus" wegen. Mehrere Zeitungsartikel aus dem Orient, Constitutione! rc.z die auch schon vom Orient berührte Geschichte der Ausweisung Wormsers aus Dresden. Ein langer Bericht über Damaskus, der uns die neuesten Umstände nach dem Eingreifen Mehemed-Ali's kennen lehrt: einen Brief des um diese traurige Angelegenheit hochverdienten Cremieux giebt, welcher dem Merlato'fchen Rapport voranging, alsdann die Adresse der Juden an den Pascha von Egypten: unmittelbar darauf das Memoire zu Gunsten der Juden, was von der Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden überreicht ward; ferner einen ähnlichen Brief des Missionar Georges Wildon Pieritz in Jerusalem; die Debatten der Deputirtenkammer über Damaskus; Peel's Relation im englischen Parlamente; die Nachricht, daß Cremieux rc. zu Gunsten der Juden in Damaskus im Vereine mit den Delegicten der großen Synagoge zu London nach Alexandrien reisen wollen, und daß der verdienstvolle Mann wirklich abgereist ist u. s. w. — Ein Brief des israelitischen Schuldirektors Cahun von Hagenau an den Redakteur des Elsaß, bezüglich der Arbeitsanstalten zur Ausrottung der Bettler und Müßiggänger. Schluß der statistischen Notizen über Italien (Lombardisch-Venetianisches Königreich, Piemont). — Ein herrlicher Bericht über die Colonieen Hollands, welche zur Ausrottung des Bettelwesens bestimmt sind. — Gutenberg, 32*

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